Susanne Schaper
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich überlasse es den Motorsportfans zu entscheiden, ob „Rrränggedäng-gedäng!“ das Geschehen am Sachsenring angemessen abbildet. Ich hoffe, dass dieser Titel keinen peinlichen Trend begründet, sonst unterhalten wir uns hier vielleicht demnächst auch noch in Tierlauten. (Heiterkeit Staatsminister Conrad Clemens) Dann kommt das BSW im Kuhkostüm mit dem Titel „Muh, muh, muh, die Milchwirtschaft stärken!“ Ich mag zwar Tiere, aber das würde selbst mir zu weit gehen. (Heiterkeit CDU, SPD und BÜNDNISGRÜNE) Vielleicht ist diese Lautmalerei jener neue Politikstil, den das BSW für sich beansprucht. Dann könnten sie wenigstens eine Kleinigkeit vorweisen, die sie verändert haben. Jedenfalls wirft das BSW ein Thema auf, das es verdient hat, ernst genommen zu werden. Ich selbst war jahrelang regelmäßig am Sachsenring – allerdings nicht als Besucherin, sondern als Teil der Absicherung. Ich bin eigentlich Krankenschwester. Ich kenne also alle Seiten dieser Veranstaltung, auch die weniger ruhmreichen. Aber ich verstehe es aus eigener Anschauung, wenn Menschen sich begeistert zum Sachsenring aufmachen und das Rennevent genießen. Die Rennstrecke ist mit allem, was dazugehört, wichtig für den sächsischen Sport und den Tourismus. In den bald hundert Jahren seines Bestehens hat der Sachsenring regelmäßig für Begeisterung gesorgt. Mitunter, wie schon gesagt wurde, kommen Hunderttausende Menschen an einem Rennwochenende an die Strecke. Es begegnen sich Leute aus Sachsen, aus ganz Deutschland und aus Europa – das ist wichtig. Der Sachsenring ist nicht einfach nur eine Rennstrecke. Er ist Begegnungsort, Wirtschaftsimpuls und auch Kulturlandschaft. Wer mit Menschen aus Hohenstein-Ernstthal, Oberlungwitz oder auch Zwickau spricht, merkt – und auch diese Debatte zeigt es–: Der Sachsenring ist für viele nicht nur irgendein Ereignis, sondern Teil der eigenen Jahresplanung. Er gehört einfach dazu – auch mit all seinen Befindlichkeiten, was das Thema Lärm anbelangt; darüber muss auch geredet werden. Die Fankultur am Sachsenring ist nicht gekauft, nicht erzwungen, sondern gewachsen. Das unterscheidet sie von vielen großen Events, die schnell kommen und auch wieder gehen. Ohne die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer wäre übrigens kein Rennevent denkbar. Festzuhalten ist aber auch: Der Sachsenring ist nicht der einzige traditionsreiche Ort in Sachsen mit Sport- und Fankultur. (Staatsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch: Das stimmt!) Wir sollten das Thema immaterielles Kulturerbe einmal größer debattieren und denken, und das nicht auf einen einzelnen Aspekt bezogen. Das leistet der Antrag leider nicht. Dennoch finden wir: Die Bewerbung als immaterielles Kulturerbe ist folgerichtig. Der Antrag wurde von der Sachsenring Event GmbH und dem Tourismusverband Chemnitz Zwickau initiiert. Auch der ADAC Sachsen ist dabei. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, die Fankultur rund um den Sachsenring als das zu würdigen, was sie ist: ein kulturelles Erbe, von unten entstanden durch gelebte Praxis, nicht durch Marketing. Wenn der Freistaat das unterstützen will, dann bitte richtig. Dann reicht es nicht, schöne Worte in eine Broschüre zu schreiben. Dann ist ein Konzept nötig – für Barrierefreiheit, für faire Arbeit, für Umweltschutz, für bezahlbare Tickets, die wir uns – nebenbei bemerkt – für den gesamten Sport wünschen. Ein UNESCO-Titel ist eine große Chance, aber er muss den Menschen vor Ort nutzen. Wir sollten auch über die Unterstützung der Infrastruktur vor Ort und gemeinnütziger Projekte nachdenken und auch über die Frage, wie man den Sachsenring als Veranstaltungsort nachhaltiger gestalten kann. Für die Bewerbung um den UNESCO-Kulturerbetitel ist dieser Antrag allerdings unnötig, denn diese läuft längst – was wir auch unterstützen. Danke für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall Die Linke)
