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Valentin Lippmann

GRÜNE 29.10.2025 Sitzungen 8/20

Dann wird offenbar seitens des BSW der Motorsport demnächst zur Staatsaufgabe hofiert. Immerhin soll die Staatsregierung sicherstellen, dass sich die Finanzierung des Sachsenrings verbessert und auch noch die Ticketpreise stabil gehalten werden. Dieses Herangehen wünschte ich mir für jeden anderen Sportverein im Freistaat Sachsen. Da fragt sich doch jeder Fußball-Regionalliga-Verein, warum die Staatsregierung sich nicht auch für die Stabilisierung seiner Ticketpreise einsetzt. Eine derartige Superprivilegierung des Motorsports kann nicht der Ernst des BSW sein – es sei denn, der neue Name des BSW heißt „Bündnis für Sportwagen“. Werte Kolleginnen und Kollegen, kommen wir zur Fankultur. Der Sachsenring ist definitiv über Landesgrenzen hinaus bekannt und hat für den Rennsport zweifelsohne eine große Bedeutung. Es verdient auch unsere Anerkennung, dass der Sachsenring und seine Fankultur politische Umbrüche überdauert und maßgeblich die Identität und das Lebensgefühl in der Region geprägt haben. Ich möchte aber – wie schon der Kollege Dulig – zu bedenken geben: Fankultur ist nichts Spezifisches, das nur mit dem Sachsenring zu tun hat. Fankultur, die ein friedliches Miteinander pflegt, Vielfalt feiert und Zusammenhalt in den Vordergrund stellt, gibt es sportartübergreifend in vielen, nahezu allen sächsischen Sportarten. Warum gilt das immaterielle Kulturerbe dann aus Sicht des BSW nicht auch für die BSG Chemie Leipzig und deren Fankultur? (Beifall BÜNDNISGRÜNE – Gelächter AfD) Warum bekennt man sich nicht zu anderen Fankulturen jenseits des Motorsports, die am Sachsenring zweifelsohne eine Rolle spielen? Ich möchte einmal zitieren. In Ihrer Begründung heißt es: „Trotz des Eisernen Vorhangs und der politischen Teilung Europas ermöglichte der Sachsenring als einer der wenigen Orte in der DDR den Besuch und eine begeisterte Fankultur internationaler Stars des Motorsports, wie Giacomo Agostini, über Systemgrenzen hinweg.“ (Beifall Mike Moncsek, AfD) „Auch DDR-Rennfahrer wie Olaf Ludwig, Jens Heppner und Martin Goetze konnten umgekehrt den Ruf Sachsens weltweit erfolgreich verbreiten.“ (Zuruf Mike Moncsek, AfD) Ja, werte Kolleginnen und Kollegen, das ist richtig, aber die Letztgenannten sind Rennradsportler und keine Motorsportler gewesen. (Beifall und Heiterkeit BÜNDNISGRÜNE und SPD) Von daher machen sie auch nicht „Rrrräng-gedänggedäng“ bei ihrer Fankultur. Im Radsport haben sie es bekanntermaßen mit anderen Dingen zu tun. Sie schreiben also die größten DDR-Rennradfahrer in Ihren Antrag und beschränken sich dann bei der Frage der Fankultur ausschließlich auf den Motorsport. Natürlich hat der Sachsenring auch im Radrennsport eine Bedeutung – das will ich überhaupt nicht abstreiten –, aber das hätte man dann wenigstens bei der Fankultur etwas breiter fassen können. Werte Kolleginnen und Kollegen! Wir sperren uns nicht gegen die Anerkennung von Fankulturen als immaterielles Kulturerbe – vielleicht etwas weitergedacht und vielleicht etwas weniger schräg pointiert. Ich glaube, in der Verkürzung des Antrags, der uns hier vorliegt, ist das nicht zu Ende gedacht. Wenn es eine Überweisung in den Ausschuss gibt, werden wir uns dem sicherlich nicht verschließen. Aber diesem Antrag kann man gegenwärtig definitiv nicht zustimmen. Vielen Dank. (Beifall BÜNDNISGRÜNE, CDU und SPD)

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