Armin Schuster
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Auch ich möchte mich heute outen: Ich teile die gleiche leidenschaftliche Begeisterung für diese Sportart wie meine Vorredner – fast schon eine Art psychische oder physische Abhängigkeit. Schauen Sie mal nach Albanien: Der Giro d’Italia war dort Start- und Zwischenstation – für dieses kleine, wunderschöne Land gab es eine enorme Aufmerksamkeit. Stellen Sie sich nun vor, welcher Effekt durch den Start der Tour de France in Sachsen entstehen könnte – das ist kaum zu beschreiben. Deshalb fällt es mir wirklich schwer, Gründe nachzuvollziehen, warum man diesen Antrag oder diese Idee nicht unterstützen sollte – selbst wenn es keine Unterstützung vonseiten der Staatsregierung gäbe. Ich denke, gerade 40 Jahre nach der Wiedervereinigung ist das eine große Chance. Und als jemand, der Frankreich sehr verbunden ist – Herr Böhme, Sie wissen das –, kann ich sagen: Frankreich hat in Bezug auf diesen Teil Deutschlands sicher noch Nachholbedarf, was die Pflege von Beziehungen betrifft. Ich glaube, Präsident Macron hat das erkannt und möchte das gern ändern. Schon deshalb finde ich diese europäische Idee sehr überzeugend. Drei Länder, drei Etappen – Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Wobei ich ehrlich zugebe: Sachsen hätte auch allein alles, was es dafür braucht. (Franziska Schubert, BÜNDNISGRÜNE: Ja!) Also, wenn man sich fragt, was der Tour-Ausrichter erwartet, dann ist es vor allem eine landschaftlich reizvolle Region mit historischer Bedeutung; denn genau diese Bilder werden später in die ganze Welt übertragen. (Zuruf Valentin Lippmann, BÜNDNISGRÜNE) Dann erwarten sie Menschen an der Strecke, im Ziel und am Start – Menschen, die den einzigartigen Charakter der Tour de France mit Leben füllen. Das ist in Sachsen garantiert. Das ist ein Sportpublikum. Wenn man sich die Großereignisse und die Stimmung anschaut, dann mache ich mir darüber überhaupt keine Sorgen. Wir werden ein phänomenales Gastgeberland sein. (Beifall CDU, SPD und BÜNDNISGRÜNE) Drittens. Ich habe jetzt kurz meine Mitarbeiter gefragt – ich will jetzt nicht auch von der Steilen Wand in Meerane reden –, was man noch als Beispiel nehmen könnte. Sie haben gesagt: den Fichtelberg. Wenn Sie wissen wollen, welche Etappen wir hier bieten können, dann biete ich jetzt einmal den Fichtelberg mit an; mal sehen, wie es am Ende kommt. Viertens. Ohne Humor – sie schauen natürlich knochentrocken auf die Frage: Können die Großveranstaltungen? Kann Sachsen das? Das muss ich, glaube ich, in diesem Raum nicht groß erklären. Dafür bringen wir alles mit. Meine Damen und Herren, bei aller Motivation: Es ist Profisport. Das heißt, vor Ihnen steht zwar der Sportminister, aber es könnten auch Barbara Klepsch, weil es touristisch hoch wertvoll ist, oder Herr Panter, weil es wirtschaftlich hoch wertvoll ist, hier stehen. Jetzt steht der Sportminister hier. Gehen Sie aber nicht davon aus, dass das aus meinem Etat auch nur im Ansatz bezahlt werden kann. (Andreas Nowak, CDU: Schöne Straßen und Verkehr!) Profiradsport kann ich genauso wenig fördern wie die MotoGP. Wir müssen, wenn sich der Freistaat finanziell engagiert – das wird er wahrscheinlich tun –, andere Wege finden. Dafür, meine Damen und Herren, jetzt ein paar Grußadressen an den vermeintlichen Veranstalter. Es muss einiges klar sein. Erstens – wie Herr Patt richtig darstellt –, muss es klares Ziel sein, dass diese Veranstaltung eigenwirtschaftlich finanziert wird. Wir können vielfältige Unterstützung anbieten: die Kommunalbehörden, das SMI, die Polizei bei der Absicherung der Strecke. Wir können diplomatische Kontakte nach Frankreich bahnen. Das können wir alles tun. Aber da gibt es noch Präzisierungsbedarf beim Grand Départ e. V. Für uns ist noch unklar, wer beim Grand Départ in Deutschland der Organisator bzw. der Veranstalter des Events ist, wenn im Jahr 2030 tatsächlich Station in drei Ländern gemacht werden soll. Wer hat die Federführung? Dazu fehlen uns bisher die konkreten Antworten. Der Freistaat oder die drei Länder können das nicht sein. Was wir bieten können, ist, in einem Organisationskomitee mitzuwirken. Das würden wir tun, auch mit der kommunalen Ebene. Darin bin ich ganz sicher. Zweitens würden wir vom Verein gern präzisere Informationen zur Gesamtfinanzierung des Events erhalten. Bislang kennen wir keinen Businessplan. Eine grobe Kostenschätzung ist jedenfalls noch keine Grundlage für den jetzt schon erbetenen Betrag in Höhe von 100 000 Euro pro Bundesland für die Bewerbungsphase. Das müssen die Initiatoren wissen. Dafür brauchen wir nicht nur einen Businessplan, sondern dafür brauchen wir eine konkrete Faktenlage bzw. konkretere Planungsvorschläge. Meine Damen und Herren! Für uns wäre der Grand Départ natürlich eine weitere Visitenkarte, dass Sachsen nicht nur gut im Sport ist, sondern Sport auch gut möglich macht: das Turnfest, die Turn-EM in Leipzig, die Finals demnächst in Dresden, das Ziel der Olympischen Spiele. Wir wollen damit natürlich zeigen, was wir draufhaben. Deswegen unterstützen wir es auch. Wenn die bis jetzt offenen Punkte geklärt werden – da bin ich mir ziemlich sicher, es gibt Vereinsmitglieder hier im Raum, an die adressiere ich das ganz besonders –, dann, glaube ich, können wir ohne Wenn und Aber sagen, dass wir hinter diesem Ziel stehen, weil nicht nur sportlich, nicht nur wirtschaftlich und nicht nur touristisch enorme Potenziale zu heben sind für Sachsen, für Deutschland und ganz ausdrücklich auch für Europa. Wem ich dieses Ereignis wirklich richtig gönnen würde, sind diese unzähligen Radsportfans in ganz Sachsen, die ich heute erlebt habe. Sachsen ist ein Radsportland, und das wäre die Krönung. Ich danke Ihnen. (Beifall CDU, SPD, BÜNDNISGRÜNE und Staatsregierung) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Staatsminister Schuster sprach für die Staatsregierung. Nun übergebe ich an Herrn Kollegen Lippmann von der Fraktion BÜNDNISGRÜNE für das Schlusswort.
