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Martina Jost

AfD 24.06.2025 Sitzungen 8/15

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ja, die Forschung in Sachsen ist spitze, und das nicht erst seit 2025 und seinen sechs Exzellenzclustern. Was bei aller Freude oft vergessen wird: Hinter Exzellenzen, Nobelpreisen und Leuchttürmen stehen viele fleißige Helfer. Ohne die vielen weniger bekannten Wissenschaftler, Doktoranden, Studenten und vor allem nichtwissenschaftlichen Mitarbeiter wäre Spitzenforschung gar nicht möglich. Sachsen kann stolz sein und sich darüber freuen, dass wir internationale Sichtbarkeit, den Fokus auf innovative Forschung und eine bessere Ausstattung an unseren Universitäten erhalten haben. Allerdings gilt das in Sachsen vornehmlich für die beiden Hochschulen in Dresden und Leipzig. Die anderen 13 Hochschulen in Sachsen leisten aber ebenso hervorragende Arbeit, und auch dorthin richtet sich unser Dank. Sie lehren, sie forschen, sie sind innovativ. Damit muss man auch leider einmal die Schattenseiten dieser Exzellenzförderung benennen: Erstens. Die kleineren Hochschulen haben die personellen und finanziellen Ressourcen für derartige Projekte nicht. Die Hochschulen, die schon einen starken Stand haben, die finanziell und personell ausreichend ausgestattet sind, erhalten wieder und immer mehr Geld. Zweitens. Der Fokus auf Leuchttürme lässt die wissenschaftliche Breite, insbesondere Nischen- und Grundlagenforschung, im Schatten zurück. Manchmal setzen sich auch politisch gewünschte Forschungsbereiche durch. Dabei bietet Sachsen so viel mehr Forschungsvielfalt. Sehr schön zu sehen ist das an den Projekten, die bisher durch die landeseigene Forschungsförderung ermöglicht wurden, aber jetzt massiv im Haushalt gekürzt werden. Drittens, die Menschen. Trotz vieler Fördermillionen für Exzellenzcluster fehlt insbesondere für Nachwuchswissenschaftler oft die Perspektive. Zwar gibt es das TenureTrack-Programm, also die Chance auf eine dauerhafte Professur auch ohne klassische Habilitation, aber das heißt, wer nicht in einer bestimmten Zeit die richtigen Ergebnisse liefert, geht am Ende leer aus, auch dank des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes. In kurzer Zeit möglichst hochrangig und viel zu publizieren und damit Drittmittel einzuwerben, verengt am Ende die Kreativität und die Freiheit der Wissenschaftler. Forschung ist vor allem keine Fließbandarbeit, sondern die manchmal lange Suche nach Erkenntnissen. Forschung ist zeitaufwendiges Experimentieren, Forschung ist das Tüfteln an Lösungen, Forschung ist kreative Denkarbeit. Daher sollte die Förderung von Wissenschaft und Forschung genug Freiräume lassen, um Zufallsbefunde, Nebeneffekte oder auch scheinbar verrückte Ideen weiterverfolgen zu können. Forschung darf nicht politisch oder ideologisch abhängig sein. Forschung darf auch nicht verengt werden auf bestimmte Themen oder einzelne Hochschulen. Forschung braucht Zeit und Geld. Sehr geehrte Damen und Herren, der Titel „Exzellenzuniversität“ oder „Exzellenzcluster“ sagt im Übrigen auch nichts darüber aus, wie die Transferleistungen von den Hochschulen und die Verwertung von Forschungsergebnissen für die Wirtschaft sind. Am Ende nützen die besten Forschungsergebnisse und innovativen Ideen nichts, wenn sie nicht zur Anwendung gebracht werden. Wenn es Forschern doch gelingt – oft aus eigener Kraft –, ihre Ideen in Produkte umzusetzen, wandern sie ab oder verkaufen ihr Produkt. Nehmen wir als Beispiel das Dresdner Biotech-Unternehmen GEMoaB. Sie entwickelten eine innovative Krebstherapie auf Immunzellbasis, sie suchten lange nach Investoren – kein Abschluss nach dutzenden Verhandlungen. Begründung: zu teuer, zu riskant. 2021 kam dann ein US-Investor mit 220 Millionen Euro. Das Ende war die Abwanderung aus Sachsen. Wir setzen uns seit vielen Jahren für Forschungsfreiheit und Technologieoffenheit ein. Wir wollen den Transfer und die Verwertung von Forschungsergebnissen deutlich besser fördern. Und wir wollen den Gründergeist stärken und eine echte finanzielle Start-up-Unterstützung schaffen. Vielen Dank. (Beifall AfD) Erste Vizepräsidentin Ines Saborowski: Es sprach am Rednerpult für die AfD-Fraktion Frau Kollegin Jost. Es folgt für die BSW-Fraktion Herr Prof. Scheibe; bitte.

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