Luise Neuhaus-Wartenberg
Ja, aber die Grundschüler sind nicht nur die der 1. und 2. Klasse, sondern die Grundschule geht bis zur 4. Klasse. Das ist das Erste. Das Beispiel, das ich Ihnen gerade genannt habe, kommt aus einer Leipziger Grundschule. Das will ich Ihnen nur mitteilen. Weiter im Text. Es geht nicht darum, ob, sondern wie Smartphones in der Schule genutzt werden. Das ist die zentrale Frage. Im Übrigen sind Handys an einigen Schulen immer noch die einzigen digitalen Endgeräte, die dort genutzt werden können, weil die digitale Ausstattung an sächsischen Schulen dementsprechend ist. Medienkompetenz fällt nicht vom Himmel. Sie wird nicht in den Pausen erlernt, sondern im geschützten Raum Schule. Wo, wenn nicht dort, sollen die Kinder den verantwortungsvollen Umgang mit Technik und auch mit Handys lernen? Wer Medien verbietet statt beizubringen, wie man sie nutzt, betreibt keine Bildung, sondern Verdrängung. Das gilt ganz besonders für die Grundschulen, in denen die Grundlagen gelegt werden. Seit Jahren reden wir Linke uns den Mund fusselig, dass es vor allem Medienkompetenz braucht. Ein Verbot fördert nicht Disziplin, sondern Heimlichkeit. Christin Melcher hatte es schon gesagt. Es schafft Parallelwelten mit Lehrkräften auf der einen Seite und mit Schülerinnen und Schülern mit ihren Geräten auf der anderen Seite. Am Ende wundert man sich über TikTok im Klassenraum. Wir brauchen Vertrauen statt Dauerverdacht und Begleitung statt Bevormundung. Ja, Schule soll auch ein Raum für Konzentration, Ruhe und echtes Miteinander sein. Aber dafür braucht es klare Regeln und keine pauschalen Verbote. Es braucht Regeln, die Kindern zeigen, wann ein Handy nützlich ist, wann es stört, wann ein Handy in der Schule benutzt werden sollte – auch in der Grundschule –, oder wann es ausgeschaltet im Ranzen sein muss. Das ist kein naives Wunschdenken, sondern ein realistisches Konzept, zumindest finden wir das. Dazu gehört auch, erst einmal zuhören: Lehrkräfte, Eltern, Schülerinnen und Schüler – alle haben Erfahrungen. Diese Erfahrungen müssen auf den Tisch. Gleichzeitig sollten wir den geplanten Handy-Gipfel im Sommer mit Schulleiterinnen und Schulleitern, mit Verbänden, mit Wissenschaftlern und mit Fachpolitikern abwarten. Erst dann können wir, so finde ich, ernsthaft abwägen. Ein Handyverbot ohne Beteiligung der Betroffenen ist nicht nur pädagogisch fragwürdig, sondern das ist vor allem im System Schule demokratisch dünn. Wir leben in einer Zeit, in der die großen Fragen nicht einfacher werden. Aber wie wir sie beantworten, das sagt etwas über uns aus und auch darüber, ob wir uns verstecken oder Verantwortung übernehmen. Wir haben die Wahl: Schule als Ort der Kontrolle oder als Raum der Entwicklung. Entwicklung heißt auch, Fehler machen dürfen, begleitet werden und lernen. Ein pauschales Verbot mag kurzfristig Ruhe bringen, aber es verhindert langfristig Bildung. Wir finden, die Schülerinnen und Schüler brauchen Vertrauen und die Chance zu zeigen, dass wir Erwachsene ihnen zutrauen, verantwortungsvoll handeln zu können. Unser Ziel ist nicht weniger Digitalisierung, sondern mehr Bildung im digitalen Zeitalter mit Augenmaß, mit Haltung und mit Vertrauen in die, um die es geht. Deshalb lehnen wir Ihren Antrag ab. Vielen Dank. (Beifall Die Linke – Zuruf Christin Melcher, BÜNDNISGRÜNE – Unruhe im Saal) Dritter Vizepräsident Prof. Dr. Jörg Scheibe: Wir hörten Frau Neuhaus-Wartenberg. Ich appelliere noch einmal an die Mitglieder des Hohen Hauses, das Gemurmel etwas einzustellen. Wenn Sie Zwiegespräche halten möchten, dann bitte ich Sie, in die Lobby zu gehen, sodass wir das hier ordentlich weiterführen können. Als Nächster möchte Herr Berger als MdL das Wort ergreifen; bitte.
