Dr. Frank Kromer
Ja, ich habe Sie sehr genau verstanden, möchte aber darauf hinweisen, dass es gerade diese Gesamtzeit ist, die unstrittig ein medizinisches Problem bei Kindern und Jugendlichen darstellt, und dass es dabei ganz entscheidend auch um die Eltern geht. Sie wollen mit Ihrem Antrag dazu beitragen, dass die Eltern als Einbindung in die Schulgemeinschaft zur Lösung des Schulalltags herausgenommen werden, und das sehe ich sehr kritisch. (Beifall CDU) Ich sehe ein, dass wir darüber diskutieren müssen, wie wir Schulalltag besser machen, aber den einen Schulalltag gibt es nicht, und damit gibt es auch nicht die eine Lösung. Man liegt zwar im Trend mit der Forderung nach einem allgemeinen Handyverbot, keine Frage, und das scheint auch durchaus plausibel. Die Studie von Böttger und Zierer, die Herr Wurzler eben erwähnt hat, zeigt das durchaus auf. Aber wenn man es genau liest, steht da zwar: „Smartphone bans have a significant, but modest, effect.“ Und „significant“ meint nicht signifikant groß, das meint nur statistisch nachweisbar, aber eben sehr gering. Wenn man jedoch genauer weiterliest, ist sogar gar kein Effekt nachweisbar, wenn es um die Leistung der Schüler geht. Es ist sehr wohl ein Effekt nachweisbar, aber nur gering, wenn es um das Thema Wohlbefinden geht. Wenn man in die Studie schaut, reden wir nicht von Grundschülern. Wir reden gerade beim Thema Mobbing von Zwölf- bis 17-Jährigen. Das zeigen die betrachteten Studien ganz genau. Von daher ist das sozusagen eine ganz andere Zielgruppe, als in Ihrem Antrag erwähnt, auch wenn man auf die Zahlen der Verbreitung von Smartphones schaut: Jugendliche von 13 bis 15 Jahren haben zu 90 % ein Smartphone. Sechs- bis Neunjährige, also Grundschüler, nur 17 %. Ich sehe hier nicht das pädagogische Problem, das nicht durch die Schulen, durch Lehrer, durch Eltern gelöst werden könnte. Es ist doch so, dass durchaus – ich habe es eben erwähnt – Handlungsmöglichkeiten existieren. Sie haben es selbst erwähnt, und es steht auch im Antrag: Die Hausordnung gibt dazu die Möglichkeit. Die Hausordnung wird durch die Schulgemeinschaft erlassen, und sehr viele machen das auch. Es ist an sehr vielen Schulen eine gute Regelung vorhanden, und dadurch sehe ich die Notwendigkeit einer zentralen Regelung an dieser Stelle überhaupt nicht. Wir ermuntern die Schulen: Macht diese Regelung! Aus guten Gründen haben wir einmal gesagt, dass Schulgemeinschaften – Eltern, Schüler, Lehrergemeinschaft – in der Schulkonferenz ihren Schulalltag gemeinsam regeln. Das ist doch ein wertvolles demokratisches Prinzip, und das sollte man nicht grundlos aufgeben. (Beifall CDU und SPD) Wir können doch nicht immer sagen, dass die Verantwortung vor Ort am besten aufgehoben ist und dann, wenn es Regelungen gibt, diese wieder entziehen, wenn eine zentrale Regelung gerade sehr populär ist. Und ja, Demokratie ist anstrengend. Es muss gesprochen, es muss ausgehandelt, es muss überzeugt und es muss nach Lösungen gesucht werden. Aber so ist Demokratie nun einmal. Denn – das kenne ich aus meiner eigenen Erfahrung als Führungskraft –: Wenn Mitarbeiter nach einer Lösung von oben rufen, dann bekommen sie diese auch, aber sie wird ihnen am Ende nicht gefallen. Deshalb ist es besser, selbst nach einer Lösung vor Ort zu schauen. Das führt am Ende zu mehr Akzeptanz, weil es zu den Bedingungen vor Ort passt. Das sehen offensichtlich auch viele Beteiligte so: Vertretungen von Schülern, Elternschaft, Lehrerverbände. All jene würden wir doch mit einer zentralen Regelung vor den Kopf stoßen, wenn wir ihnen diese Regelungskompetenz auf einmal ohne Not wieder entziehen. Wir haben Vertrauen in die Regelungen vor Ort, weil sie von denen gemacht werden, die sie tagtäglich leben müssen. Eine verordnete Regelung lehnen wir daher zum jetzigen Zeitpunkt ab. Zum Thema der Konzepte zur Medienbildung komme ich im zweiten Teil. Danke schön. Dritter Vizepräsident Prof. Dr. Jörg Scheibe: Wir hörten Herrn Dr. Kromer von der CDU-Fraktion. Als Nächstes ist Herr Heller von der AfD an der Reihe.
