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Gerald Eisenblätter

SPD 22.05.2025 Sitzungen 8/14

Sehr geehrter Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ich habe bereits gestern betont, dass mich die Präsenz der frühkindlichen Bildung in unseren Debatten sehr freut. Es zeigt, welchen Stellenwert wir ihr beimessen. Für die profane Aussage, es komme auf den Anfang an, findet der Neurobiologe Prof. Dr. Gerald Hüther folgende Worte: „Eigentlich braucht jedes Kind drei Dinge. Es braucht Aufgaben, an denen es wachsen kann, es braucht Vorbilder, an denen es sich orientieren kann, und es braucht Gemeinschaften, in denen es sich aufgehoben fühlt.“ Ich hoffe, Sie können mir zustimmen, dass diese drei Dinge den Kindern in sächsischen Kindertageseinrichtungen angeboten werden. Die Vorbilder in Kindergrippe, Kindertagespflege, Kindergarten und Hort sind die Erzieherinnen und Erzieher, die sich tagtäglich den Herausforderungen stellen und die Kita als Bildungsort pflegen. Ein Bildungsort, der Spaß am Spielen, Entdecken und Lernen weckt und so für gleiche Bildungschancen sorgt. Bereits vor zwei Jahren haben wir mit der Kita-Gesetzesnovelle das Fundament neu gegossen. Auf dem überarbeiteten Bildungs-, Erziehung- und Betreuungsauftrag bauen die nunmehr laufenden Prozesse auf und prägen diesen Bildungsort Kita. Sprachliche Bildung, Ernährung, Bewegung oder der Umgang mit unserer Umwelt und unserem sozialen Umfeld stehen dabei im Fokus. Ein wichtiger Bestandteil ist das Erwerben von Grundfertigkeiten. Genau aus diesem Grund verstehen wir die Schulvorbereitung als einen laufenden Prozess von Beginn an. Es geht nicht nur um das letzte Kindergartenjahr und den Übergang vom Kindergarten zur Grund- oder Gemeinschaftsschule, sondern um die Bildung tagtäglich von klein auf. All diese Fassetten werden sich im überarbeiteten Sächsischen Bildungsplan wiederfinden. Dieser wird in Zukunft als verbindlich gelten und dabei altersentsprechende Bildungsziele ausweisen. Damit Bildung gelingt, braucht es vor allem eines: ausreichend Zeit. Auch wenn in jeder Debatte verdeutlicht wird, dass es noch nicht genügend Zeit am Kind gibt, ist es in den letzten zehn Jahren doch gelungen, voranzukommen. Der Personalbestand hat sich im Zeitraum von 2014 bis 2024 im Bereich der Krippe um 30 %, im Kindergarten um 16 % und im Hort um 8 % verbessert. Der Landeszuschuss, Kollegin Iris Firmenich erwähnte es, liegt inzwischen bei rund 900 Millionen Euro. Die Fachkraft- wie Akademisierungsquote ist in Sachsen so hoch wie in keinem anderen Bundesland. (Beifall SPD und CDU) Werte Abgeordnete! Das ist alles kein Grund zur überschwänglichen Euphorie, aber es zeigt: Seitdem die SPD in Sachsen Regierungsverantwortung trägt, geht es Schritt für Schritt mit der frühkindlichen Bildung voran. Es wird auch weiter vorangehen. Die Koalition hat mit dem Haushaltsentwurf den nächsten Schritt aufgezeigt. In Zeiten zurückgehender Kinderzahlen sollen ab August 2026 200 Vollzeit-Erzieher im System gehalten werden, um die Qualität weiter zu verbessern. Da 200 Stellen – wir hatten die Debatte gestern – bei 3 000 Kindertagesstätten in Sachsen immer in Relation zu betrachten sind, wollen wir sie gezielt zur Stärkung der Schulvorbereitung einsetzen. Wir erhöhen hierfür den Qualitätsbonus von 75 Euro auf 130 Euro. Ich möchte an dieser Stelle sagen, dass wir mit dem vorgelegten kleinen Paket nicht über das verpflichtende kostenfreie Vorschuljahr sprechen. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Wir gehen aber jetzt erste Schritte. Wir sehen bei den Vorschuluntersuchungen, dass weitere Förderungen im Bereich Sprache notwendig sind. Wir wissen auch hier: Früh anzusetzen, ist das Gebot der Stunde. Daher sollen verschiedene Maßnahmen – wie eine vorgezogene Vorschuluntersuchung, Sprachstandtests und eine kontinuierliche Dokumentation – mit der Fachpraxis diskutiert werden, um Hand in Hand zu greifen und zur Qualitätssicherung beizutragen. Aber zurück zur Schulvorbereitung: Hier wiederhole ich mich gern. Schulvorbereitung beginnt nicht erst im letzten Kitajahr; sie beginnt viel früher: Wenn ein Kind zum ersten Mal ein Bilderbuch aufschlägt, wenn es Fragen stellt, wenn es lernt, mit anderen zu streiten und wieder Frieden zu schließen, dann sind unsere Jüngsten oft weiter als viele in der Politik. Das ist Bildung. Das ist Vorbereitung auf das Leben. Wir wollen, dass jedes Kind einen guten Start bekommt. Jedes! Egal woher und mit welchen Voraussetzungen es in die Kita kommt. Wir holen die Kitakinder dort ab, wo sie stehen, und wir sorgen dafür, dass sie gut in der Schule und im Leben ankommen. (Beifall SPD und CDU) Deshalb sagen wir: Mehr Zeit fürs Kind, mehr pädagogische Fachkräfte, mehr Unterstützung dort, wo sie gebraucht wird, 200 zusätzliche Erzieherinnen und Erzieher, 130 Euro Qualitätsbonus pro Kind, verlässliche Strukturen statt Zufall. Wir bauen ein starkes Fundament, kein Kind darf durchs Raster fallen. Mir ist es wichtig, noch einmal zu betonen: Schulvorbereitung heißt nicht, den Kindergarten zur Vorschule zu machen. Wir wollen keine Schulbank im Spielzimmer. Wir wollen starke Kinder: neugierig, mutig, selbstbewusst. Dafür schaffen wir jetzt die Bedingungen und werben um Zustimmung zum Antrag. Vielen Dank. (Beifall SPD, CDU und Staatsregierung) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Kollege Gerald Eisenblätter sprach für die SPD-Fraktion. Für die Fraktion der AfD spricht nun Kollegin Romy Penz; bitte schön.

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