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Barbara Klepsch

22.05.2025 Sitzungen 8/14

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Nun könnten wir in der Tat gemeinsam das Steigerlied singen, doch auch ich will Ihnen das an dieser Stelle ersparen. (Heiterkeit Staatsministerin Barbara Klepsch) Ich komme zunächst zurück zum Debattentitel: Immaterielles Kulturerbe. Wenn wir Sachsen vor uns sehen und den kulturellen Reichtum, dann fallen jedem als Erstes die Frauenkirche, das Völkerschlachtdenkmal und wahrscheinlich noch sehr viele andere große, bedeutende sächsische Kulturdenkmäler ein. Ja, wir sind stolz auf unsere UNESCO-Welterbestätten. Ich erinnere an letztes Jahr, als wir im Erzgebirge gefeiert haben. Vor fünf Jahren haben wir den Titel „Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří“ verliehen bekommen. Es war ein langer Prozess und vor fünf Jahren war er erfolgreich. Ich denke an den Muskauer Park oder an die Siedlungen Herrnhuter Brüdergemeinde. Letztes Jahr wurde dieser Titel ebenfalls verliehen. Doch neben diesen großen Juwelen verfügt der Freistaat Sachsen über viele weitere, manchmal nicht ganz auf den ersten Blick sichtbare Schätze. Und das ist – vielleicht ein wenig sperrig ausgedrückt – das Immaterielle Kulturerbe. Unser Freistaat ist geprägt von lokalen Traditionen, von historisch gewachsenen Handwerkskünsten, von vielseitiger Musik, von verschiedenen Tanzformen oder von lebendigen Bräuchen; wir haben es in den vorhergehenden Debattenbeiträgen bereits gehört. 13 sächsische Einträge sind im bundesweiten Verzeichnis der UNESCO enthalten. Bergparaden – sie sind heute kurz angesprochen worden – , sorbische Bräuche und Feste, die Chormusik, das traditionelle Köhlerhandwerk und vieles mehr gehören dazu. Es sind sehr lebendige Ausdrucksformen, die seit Generationen bestehen, die weitervermittelt und weiterentwickelt werden, tief verwurzelt und geprägt in unserem täglichen Zusammenleben. Nun stellt man sich die Frage: Warum stellt überhaupt jemand einen Antrag, um in das bundesweite Verzeichnis aufgenommen zu werden? Ich erinnere mich sehr gut an das Gespräch mit dem Sächsischen Bergsteigerbund. Sie alle können sich vielleicht noch erinnern, wie groß die Freude des Bergsteigerbundes war, als das sächsische Bergsteigen in das bundesweite Verzeichnis aufgenommen wurde. Es geht um Aufmerksamkeit neben Pflege der sächsischen Bergsteigerkunst, und es geht darum, die Ausübung traditionellen Sports auch in Zukunft in der bisherigen Art zu ermöglichen. Es geht um Anerkennung, Aufmerksamkeit, aber auch um Bewahren der Tradition. Ich denke an letzten Samstag, als ich in Markneukirchen zum Preisträgerkonzert des 60. Internationalen Instrumentalwettbewerbs mit 161 Musikerinnen und Musikern aus 36 Ländern von vier Kontinenten war. Wie großartig war das! Dieses Programm war nicht nur Musizieren, sondern die Musikerinnen und Musiker waren vor Ort bei den Instrumentenbaufirmen. Auch das war für mich gelebte Tradition und ein starkes Beispiel für lebendiges Kulturerbe. Ein drittes Beispiel möchte ich kurz erwähnen, von dem ich glaube, dass es sich ein ganzes Stück von anderen unterscheidet. Wenn wir in die Lausitz schauen, dann haben Sie sicher schon von UNESCO 5 gehört. UNESCO 5 ist ein grenzüberschreitendes Projekt mit Brandenburg, bei dem man vier UNESCO-Stätten mit einem Immateriellen Kulturerbe verknüpft und das Kultur- und Naturerbe gemeinsam sichtbar macht, wo man sich vernetzt und womit man andere begeistern will, sich dieser Mission anzuschließen. Wir haben in den letzten Jahren wichtige Schritte unternommen. Wir haben das Immaterielle Kulturerbe stärker in den Blick genommen. Ich denke an das Doppeljubiläum, zu dem wir im Festspielhaus Hellerau alle Träger eingeladen haben. Wir haben uns dort ausgetauscht mit dem Ziel, sich zu vernetzen, sich gegenseitig auszutauschen und zu unterstützen. Das war ein wichtiger Schritt. Ja, das ist auch Aufgabe meines Hauses. Dort können wir noch stärker werden, um das Thema Immaterielles Kulturerbe beim Kulturtourismus noch kraftvoller zu untersetzen und auszubauen. Dort haben wir noch Potenzial, das gehoben werden kann. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Unser Kulturerbe ist nicht austauschbar. Es ist verwurzelt und – ich möchte es einfach so umschreiben – es ist echt. Die erzgebirgische Volkskunst werden Sie ganz echt erleben, wenn Sie im Erzgebirge sind, insbesondere zur Weihnachtszeit. Die sorbischen Traditionen erleben Sie in der Lausitz am allerbesten. Wir haben von den Bergparaden gehört und auch das Steigerlied wurde heute mehrfach angesprochen. Wir haben einen großen Schatz. Gemeinsam wollen wir diesen großen Schatz sichtbar machen und ihn zum Leuchten bringen. Das braucht sehr engagierte Träger. Das braucht starke Partner vor Ort. An dieser Stelle gilt mein Dank den vielen Partnern vor Ort, den Vereinen und den vielen Ehrenamtlichen; denn sie machen unser Immaterielles Kulturerbe lebendig, das ist ihr Verdienst – dafür an dieser Stelle ein großes Dankeschön. (Beifall CDU und Staatsregierung) Das Engagement der Menschen vor Ort ist das eine, jedoch braucht es auch den entsprechenden finanziellen Rahmen. Dafür bitte ich, dass wir uns gemeinsam – ich sage es mal so – unterhaken und den finanziellen Rahmen zur Verfügung stellen. Lassen wir uns gemeinsam daran arbeiten, das einzigartige Erbe zu bewahren, es zu pflegen und es auf nachhaltige Weise für den Tourismus zu erschließen, sodass unsere Menschen noch etwas neugieriger auf die Traditionen werden! Das ist eine gute Aufgabe, die noch vor uns liegt. Unser Immaterielles Kulturerbe ist nicht nur ein Schatz der Vergangenheit, sondern auch ein sehr lebendiger Teil unserer Gegenwart und ein wertvolles Kapital für die Zukunft unseres Freistaates. Damit ende ich mit einem herzlichen Glück auf! (Beifall CDU, SPD und vereinzelt BSW – Beifall Staatsregierung)

Protokoll ↗