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Luise Neuhaus-Wartenberg

Die Linke 22.05.2025 Sitzungen 8/14

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte sehr gern unsere linke Perspektive auf den Debattentitel darstellen. Wenn wir über Tradition, Handwerk und Heimat sprechen, dann sprechen wir nicht über Nostalgie, nicht über schwarz-rote Trachten im Museum, nicht über eine Vergangenheit, die niemand zurückholen kann, sondern wir sprechen über das, was unsere Gesellschaft im Innersten zusammenhält: Heimat. Das ist kein Ort auf der Landkarte. Heimat sind die Menschen. Das ist zum Beispiel der Klang des inklusiven Laienchors auf dem Marktplatz, das ist die Handwerksmeisterin, die eine uralte Technik bewahrt oder die Nachbarin, die ehrenamtlich den Jugendklub leitet. Heimat ist gelebte Verantwortung. Das ist Verantwortung, die Menschen vor Ort Tag für Tag für uns alle übernehmen. Aber diese Verantwortung braucht Raum, Zeit und Unterstützung, und genau das steht auf dem Spiel. Seit Jahren erleben wir, wie kommunale Kulturorte wegbrechen, Bibliotheken schließen, Kulturhäuser verfallen bzw. Jugendklubs leer stehen, weil das Personal oder das Geld fehlen. Und warum? Weil unsere Kommunen strukturell unterfinanziert sind. Der Sächsische Städte- und Gemeindetag warnt – ich zitiere –: „Die Kommunalhaushalte stehen vor der schwersten Belastungsprobe seit vielen Jahren. Wir stehen mit dem Rücken zur Wand.“ Der Staatsregierung können wir nur empfehlen – und das meine ich ernst –, die Städte und Gemeinden mit steigenden Kosten und wachsenden Aufgaben nicht allein zu lassen, sonst verspielt man Heimat; denn Heimat lebt nicht von Sonntagsreden. Heimat lebt von Orten, an denen man sich begegnet, sich einbringt, gemeinsam feiert, musiziert und auch diskutiert. Heimat ist kein romantisches Konzept, sie ist eine soziale Realität. Während hier über Heimat gesprochen wird, kann nicht gleichzeitig bei denen gekürzt werden, die diese Heimat tagtäglich gestalten. Das Ehrenamtsprogramm „Wir für Sachsen“ wird halbiert, aus 40 Euro werden 19 Euro. Das ist keine Wertschätzung, das ist ein Schlag ins Gesicht für all jene, die Tafeln betreiben, Kulturgruppen leiten und Sportvereine am Leben halten. Der DGB Sachsen sagt dazu: Gerade angesichts des gesellschaftlichen Zusammenhalts braucht es stabile Förderung für das Ehrenamt. Diese Kürzung ist kleinlich, kontraproduktiv und kulturfeindlich, und sie ist Ausdruck einer Politik, die Gefahr läuft, die soziale Wärme durch Haushaltssparpläne zu ersetzen. Was ist mit dem Handwerk? Es ist gelebte Kultur, es ist Geschichte, und es ist Zukunft. Aber dieses Rückgrat bricht, weil die Unterstützung fehlt. Über 40 % der Betriebe suchen Nachwuchs. Viele stehen vor dem Aus, nicht, weil niemand will, sondern weil niemand kann, und zwar unter den jetzigen Bedingungen. Frank Wagner von der Handwerkskammer Chemnitz warnt und sagt: „Ohne gut ausgebildete Fachkräfte werden die klima- und energiepolitischen Ziele nicht umsetzbar sein.“ Was sehen wir im Haushaltsentwurf? Lehrgänge drohen gestrichen zu werden, am teuren AzubiTicket wird festgehalten. Wir als Linke sagen klar: Meisterausbildung muss gebührenfrei sein, der Meisterbonus muss unbedingt angehoben werden, und das AzubiTicket muss kostenlos sein. Wer Traditionen bewahren will, muss Ausbildung sichern. Punkt. Und eines sagen wir deutlich: Heimat und Weltoffenheit gehören zusammen. Wer behauptet, man müsse sich zuerst um die eigenen Leute kümmern, verkennt, wer längst Teil dieser Gesellschaft ist. Migration ist Realität. Vielfalt ist unsere Zukunft. Wer das ignoriert, wird am Fachkräftemangel scheitern und am gesellschaftlichen Zusammenhalt erst recht. In der Werkstatt zählt Können, nicht Herkunft. Auf dem Bau zählt Teamgeist, nicht Nationalität. Heimat bedeutet: gemeinsam gestalten, gemeinsam Verantwortung tragen. Deshalb sollte in Sachsen kein Platz für Abschottung und kein Platz für rechte Kulturpolitik mit sozialem Anstrich sein. Wir als Linke fordern deutlich und werden im Haushalt dafür einstehen, dass es keine Kürzung beim Ehrenamt gibt; denn Wertschätzung braucht mehr als warme Worte. Wir müssen die Kommunen stärken: für die Kultur, für das Vereinsleben und für die Jugend. Kultur ist kein Luxus, sie ist Lebensqualität und gelebte Demokratie in der Praxis. Investieren wir in Ausbildung im Handwerk. Den Meisterbonus müssen wir erhöhen. Die Ausbildung müssen wir barrierefrei machen, und die Ticketkosten gehören gestrichen. Der DGB Sachsen bringt es noch einmal auf den Punkt: Investitionen in soziale, kulturelle und demokratiepolitische Projekte zahlen sich doppelt und dreifach aus. Meine Damen und Herren! Traditionen bewahren, heißt nicht, die Asche zu hüten, sondern das Feuer weiterzugeben. Machen wir Sachsen zu einem Land, in dem dieses Feuer brennt, nicht mit Hochglanzbroschüren oder mit Schlagzeilen, sondern mit Respekt, mit Verlässlichkeit sowie mit echter Förderung für Kultur, Handwerk und Engagement! Wir stehen für eine Heimat, die allen gehört. Vielen Dank. (Beifall Die Linke und BÜNDNISGRÜNE)

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