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Wolfram Günther

GRÜNE 22.05.2025 Sitzungen 8/14

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich freue mich, dass wir im Landtag über Dinge wie Heimat und Tradition sprechen. Ich stünde nicht hier, wenn es das nicht gäbe; denn das sind Motivationen, die mich überhaupt in den Politikbetrieb gebracht haben. Die Zerstörung unserer Heimat hat mich in den Achtzigerjahren in der DDR politisiert, weil ich es nicht ertragen habe, (Zuruf AfD) was dort neben Fragen der Freiheit mit unserer Natur und unserem baukulturellen Erbe passiert ist. Ich betrachte mich als berufsmäßigen Heimatschützer. (Gelächter AfD) Ich möchte mir diesen Begriff auch nicht nehmen lassen. Es ist ein Unterschied, ob man Wortblasen herauspresst, ob man den Begriff „Heimat“ missbraucht – eigentlich in einer Übersetzung, dass man Menschen bedrohen und sie vertreiben will – oder ob man den Begriff „Heimat“ so interpretiert, dass man Heimat tatsächlich erhalten will, was unsere Besonderheit ausmacht. Es ist ein Begriff, der einladend ist für Menschen, die zu uns kommen, sie an dem teilhaben lässt, was unsere Heimat ist, ihnen hier ein Heim gibt, in dem sie sich engagieren können. (Beifall BÜNDNISGRÜNE – Zurufe AfD) Was mich aber ein wenig ärgert, liebe CDU, ist: Ihr habt dieses Thema heute auf die Tagesordnung gesetzt und diesen Begriff „Heimat“ hier wohlfeil gesetzt, aber ich habe ein wenig den Eindruck, dass ihr das nur gemacht habt, weil ihr inhaltlich gerade genau das Gegenteil tut und das damit ein bisschen zugekleistert werden soll. Man kann darauf verweisen, dass man sich für das immaterielle Erbe einsetzt, wenn man aber bei den Hütten- und Knappenvereinen, den Bergmannsvereinen – besonders in der UNESCO-Weltkulturerberegion Erzgebirge – die Mittel um 35 % kürzt, dann ist dies das Gegenteil von Unterstützung. Wenn man die Mittel für die institutionelle Förderung des Sächsischen Chorverbandes um 10 % kürzt – genau wie bei anderen Kulturvereinen –, dann ist dies das Gegenteil von Schutz und Erhaltung. Genauso ist das bei der Zuwendung für das Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde, das für das Immaterielle Kulturerbe zuständig ist. Ich will sie gar nicht alle aufzählen. Diesbezüglich wird gerade ein großes Zerstörungswerk angerichtet. (Zuruf AfD: Hört, hört!) Auch beim gebauten kulturellen Erbe ist es so: Wenn wir bei unseren großen Denkmalschutzprogrammen die Mittel um 40 % kürzen, dann wird das mit Sicherheit nicht dem Erhalt unseres kulturellen Erbes dienen. (Zuruf AfD: Dann stimmen Sie doch unserem Änderungsantrag zu!) Unsere Heimat besteht aus dem, was wir tun, was wir leben, aus unseren Baudenkmalen, und sie besteht auch aus unserer Kulturlandschaft und den wertvollen Naturräumen. Manchmal muss man sich auch klarmachen, was man hat. Wenn wir in Mitteleuropa, auch in Mitteldeutschland, bestimmte Arten – beispielsweise den Rotmilan, den es weltweit gibt; 42 % seines Vorkommens ist in Mitteldeutschland – (Zuruf AfD: Noch!) – nicht schützen, dann gefährden wir sie für die gesamte Welt. (Zurufe AfD) Das verliert man oft ein bisschen aus dem Blick. Die Dinge, die unsere sächsische Heimat ausmachen, gibt es genau hier; und wenn wir sie hier nicht schützen, dann sind sie für die Welt verloren. (Zurufe AfD: Also dann! – Wir schützen uns vor den GRÜNEN!) Vor dem Hintergrund, dass das Umweltministerium mit fast tödlicher Konsequenz alles abbaut, was Heimat und Natur irgendwie schützt, als wären es die größten Gegner, und solch eine Debatte auflegt, muss ich hier vorn wirklich sehr ruhig bleiben. (Zurufe AfD) Zum Handwerk, zu dem Sie ausgeführt haben. Man könnte zum Lebensmittelhandwerk kommen. Wir haben in der letzten Legislaturperiode mit Kräften versucht, in einer Welt gesichtsloser Lebensmittelproduktion, in der wir von Discountern Lebensmittel bekommen, die sie auf dem Weltmarkt eingekauft haben, regionale Wertschöpfungsketten aufzubauen. Es ist wichtig, unserem Essen wieder ein Gesicht zu geben und den dafür arbeitenden Menschen eine volkswirtschaftlich relevante Einkommensquelle zu erschließen. Vor diesem Hintergrund alle Instrumente, die die regionale Wertschöpfung unterstützen wollen, einzustampfen, ist das Gegenteil von Heimatschutz. (Staatsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch: Das stimmt doch gar nicht!) Die Lippenbekenntnisse im Wahlkampf zu unserem Handwerk und die Gleichstellung von Ausbildung im Handwerk und akademischer Ausbildung nach dem Motto: „Meisterbonus machen“ habe ich im Haushaltsentwurf nicht gesehen. Ich habe auch sonst keine Instrumente gesehen – Thüringen macht durchaus Dinge vor –, wie man es auf Augenhöhe bringen könnte. Auch das sind also reine Lippenbekenntnisse.

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