Martin Dulig
Ich fühle mich fast herausgefordert, als ehemaliger oberster Bergmann das Steigerlied anzustimmen. Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Als mir vor über 40 Jahren mein Kantor eine Trompete in die Hand drückte, auf der ich heute noch spiele, las ich „B&S“. Ich habe eine „B&S-Trompete aus Markneukirchen. (Beifall CDU) Das Mundstück, auf dem ich spiele, ist von der Firma Werner Chr. Schmidt, ebenfalls aus Markneukirchen. Der Musikwinkel ist etwas Besonderes und einmalig auf der Welt. Ja, als gebürtiger Vogtländer bin ich stolz darauf, auch auf die Firma ROHEMA, die Europas einzige Manufaktur ist, die Taktstöcke herstellt. Oder GEWA, die Geschichte, in der Georg Walther aus Adorf durch die Kriegswirren nach Mittelfranken abgewandert und im Jahr 1990 zurückgekehrt ist. Das ist etwas Besonderes, was wir im Vogtland haben. Ja, und ich gebe zu: Wenn ich unterwegs bin, erfüllt es mich mit sächsischem Stolz, wenn ich irgendwo einen Herrnhuter Adventsstern oder erzgebirgische Volkskunst sehe. Ja, das ist Identität. Ich sage aber auch – das hat mich jetzt schon sehr verstört –: Heimat gehört nicht einer Partei. Heimat ist auch kein Ersatz für ein politisches Programm. Heimat ist eine Aufgabe, die man hat. Entweder nehmen es die Leute als für sie wichtig an, weil sie ihnen Sicherheit und Identität gibt, aber daraus politisch Kapital schlagen zu wollen, wer hier mehr oder weniger für die Heimat tut, das ist nicht richtig. Es geht eher darum, das, was wir an Stärken im Freistaat Sachsen haben – Tradition, Handwerk – auch zu unterstützen. Die Frage ist, was wir dafür tun können – ich schaue zu Katja Meier; uns ist es damals gelungen, gemeinsam und vor allem Katja Meier, eine Verordnung zum Schutz der geografischen Herkunft für „Glashütte“ durchzusetzen –, und dass man auch die Möglichkeiten hat, geografische Herkunftsbezeichnungen im internationalen Wettbewerb zu sichern. Das gilt genauso für das Erzgebirge, das sich einem Konkurrenzdruck aus Asien ausgesetzt fühlt. Die Frage ist nur: Adressieren wir das immer an die Politik? Am Schluss geht es auch um uns als Verbraucherinnen und Verbraucher und als Kundinnen und Kunden. Wir kaufen die Dinge ein. Deshalb ist es so wichtig, dass wir die Innovationen vorantreiben; denn Tradition allein ist noch keine Sicherheit. Das hat man zum Beispiel bei „Weltmeister“ gesehen, der weltberühmten Akkordeonfabrik aus Klingenthal, die im Jahr 2024 ihre Produktion einstellen musste. Die Akkordeons von „Weltmeister“ gelten noch heute als die besten. Trotzdem hat allein das nicht ausgereicht, dass ein solch renommiertes Unternehmen noch existiert. Es gibt also keine Bestandsgarantie dafür, nur, weil man Tradition hat, weil man vielleicht Weltspitze ist. Natürlich müssen die politischen Rahmenbedingungen stimmen, aber es geht auch darum, was wir als Verbraucherinnen und Verbraucher tun können, wie wir zum Beispiel Kinder und Jugendliche dazu anhalten, Musik zu machen und auch gern ein sächsisches Instrument zu nutzen. Ich setze dabei weiterhin auf das Projekt „JeKi“. Es geht auch darum, die Innovation voranzutreiben. Wir haben damals im Bundesrat durchgesetzt, dass man die Verordnung – als es darum ging, dass man Blei nicht mehr verbauen darf – hinterfragt. Es wäre für den Musikinstrumentenbau katastrophal gewesen, wenn sie plötzlich bestimmte Materialien nicht nutzen können. Natürlich geht es darum, verantwortungsvoll damit umzugehen, aber diejenigen, bei dem ich das Mundstück gekauft habe, die Firma Schmidt, haben jetzt einen neuen innovativen Chef an der Spitze: Max Hertlein. Max Hertlein hat die erste nickelfreie Trompete hergestellt, die auch mit mehreren Preisen versehen wurde. Das ist für mich die eigentliche Geschichte, wie sich Tradition und Innovation miteinander verbinden. So geht sächsisch. Vielen Dank. (Beifall SPD, CDU, BÜNDNISGRÜNE und Staatsregierung)
