Ferdinand Wiedeburg
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die CDU beehrt uns heute mit einer Debatte zu Tradition, Handwerk und Heimat – an sich drei wunderschöne Themen. Dabei geht jemandem wie mir natürlich das Herz auf – und das, obwohl keine Wahl vor der Tür steht. Also muss der Anlass ein komplett anderer sein. Kunsthandwerk aus dem Erzgebirge ist seit Kurzem offiziell Immaterielles Kulturerbe. Das erfüllt mich, das erfüllt uns mit Stolz. (Beifall AfD) Traditionelles Handwerk nützt nicht nur der Wirtschaft, es nützt auch dem Tourismus und unserer Kultur. Diese Verdienste liegen allerdings nicht bei der CDU, sondern ganz allein bei den Handwerkern, die mit Einsatz, Geschick und Engagement diese Werte und diese Kunst schaffen. (Beifall AfD) Das ist Heimat, das ist sächsische Kultur, und dem gilt unser ganzer Dank. Und nein, wir als AfD reden nicht alles schlecht. Wir kritisieren nur dort, wo etwas nicht klappt, wo es nicht hinhaut; denn wir sind Opposition und müssen die Regierung kontrollieren. (Beifall AfD) Nun stellt sich die Frage: Was tut der Freistaat für Tradition und Heimat? In Sachsen zum Beispiel gibt es eine Förderrichtlinie namens „Heimatpflege und Laienmusik“. Damit werden unter anderem Sitten, Bräuche, Mundart, altes Handwerk, traditionelles Liedgut usw. gefördert. Jetzt raten Sie einmal, wie viel Geld dafür ausgegeben wird. 5 Millionen, eine Million, 500 000 Euro? Nein, ich sage es Ihnen: Lächerliche 100 000 Euro sind für diese Förderung veranschlagt. (Jörg Urban, AfD: Hört, hört!) Das mag vielleicht für eine Privatperson viel Geld sein, aber im sächsischen Haushalt ist das eine lächerliche Summe. Zum Vergleich: Für die freie Szene der Stadt Leipzig wurden im letzten Haushalt 4,5 Millionen Euro veranschlagt; (Roberto Kuhnert, AfD: Wahnsinn! Wahnsinn! – Zurufe CDU) 45-mal so viel für die freie Szene einer Stadt. Das ist Ihre Traditionspflege. Natürlich können in Sachsen Tradition und Heimat auch auf anderen Wegen gefördert werden. Nur ist dabei oft nicht sichergestellt, dass das Geld auch an den richtigen Stellen ankommt. Was wir brauchen, ist eine stärkere Landesförderung. Die AfD-Fraktion hat schon im Jahr 2022 beantragt, die Mittel jährlich auf 2,5 Millionen Euro zu erhöhen. (Beifall AfD) Diesen Antrag hat die CDU selbstverständlich abgelehnt. Also: Wie ernst meint es die CDU mit Heimatpflege? Man tut sich auch dort schwer mit dem Heimatbegriff. Die „Zeit“ titelte bereits 2019, der Begriff „Heimat“ sei nicht zu retten. Er ist ausgrenzend und antiemanzipatorisch. Die „taz“ spricht sogar von einem neurechten Fetisch um Heimat. Eigentlich unglaublich. (Sören Voigt, CDU: Lesen Sie denn keine Zeitungen?!) Das sind zwar alles keine CDU-nahen Einrichtungen, aber die CDU hat ein Problem, dass sie von allen geliebt werden möchte. (Zuruf Valentin Lippmann, BÜNDNISGRÜNE) – Herr Lippmann, Sie hätten mich wirklich enttäuscht, wenn Sie jetzt nichts geantwortet oder dazwischengerufen hätten. (Valentin Lippmann, BÜNDNISGRÜNE: Da sehen Sie mal, ich will Sie nicht enttäuschen!) Das sind eigentlich Medien auf der linken Seite des politischen Spektrums, und mit denen will die CDU regieren und braucht sie als Koalitionspartner. (Zurufe von der CDU – Unruhe) Deshalb tut sie konkret wenig – –
