Roberto Kuhnert
Vielen Dank. Nobody is perfect. – Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sie haben es gesagt, und Sie wissen es auch, dass wir bereits seit 2022 das Ziel, die Lehrerausbildung grundsätzlich zu reformieren, verfolgen. Damals waren es insbesondere die Förderschulen, die massiv mit dem Lehrermangel zu kämpfen hatten. Der Grund: Es gab viel zu wenig Bewerber und am Ende noch weniger Absolventen, die an unseren Förderschulen tätig werden konnten. Inzwischen sind es vor allem Oberschulen, denen die Lehrer fehlen. Aber gerade diese beiden Schulformen brauchen unsere stärkste Unterstützung – nicht nur, weil dort mehr als die Hälfte unserer Kinder nach der Grundschule lernt, sondern weil dort unsere zukünftigen Bäcker, Maurer, Friseure, Elektriker, Pflegekräfte und noch viele mehr zur Schule gehen. Selbstverständlich brauchen wir die Akademiker, die Ärzte, die Oberstufenlehrer, die Ingenieure und den Berufsstamm unserer Juristen, den ich nicht vergessen möchte. Was die einen erdenken und entwickeln, können die anderen erschaffen. Es geht doch nur Hand in Hand. Die Verwissenschaftlichung der Lehrerausbildung hat jedoch das pädagogische Handeln in den letzten Jahrzehnten aus dem Blickfeld und den Bezug zur Realität verloren. In Klassenzimmern herrschen andere Gesetze als im Hörsaal einer Universität, besonders mit Blick auf eine immer heterogener werdende Schülerklientel. Es ist unbestritten, dass Bildungswissenschaften ihre Daseinsberechtigung haben. Fakt ist: Kinder und Jugendliche brauchen keine Wissenschaftler als Lehrer. Kinder und Jugendliche brauchen und verlangen nach willens- und charakterstarken Persönlichkeiten mit Durchsetzungsvermögen, nach Führungsqualitäten auf der einen Seite, nach Persönlichkeiten mit menschenfreundlicher Gesinnung auf der anderen Seite, einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und sozialem Einfühlungsvermögen. Genau deshalb ist der Lehrerberuf kein Beruf im herkömmlichen Sinne, sondern in erster Linie eine Berufung – also eine besondere Befähigung, die jemand als Auftrag empfindet. Daher sollte es ein besonderes Anliegen der Lehrerausbildung sein, Menschen aus der Mitte unserer Gesellschaft zu gewinnen, die sich dazu berufen fühlen, Lehrer werden zu wollen und entsprechendes Potenzial mitzubringen. Selbstverständlich sehen wir die Maßnahmen der Lehrergewinnung der letzten Jahre: die Verbeamtung, der Seiteneinstieg, Landzuschlag für Referendare. Das sind alles kleine Bausteine, die nicht ausreichen. Nicht nur aus unserer Sicht muss die Lehrerausbildung deutlich flexibler, Tagesordnungspunkt Finanzielle Spielräume Gleichwertige Drucksache 8/2680, Hierzu können die Fraktionen Stellung nehmen. Die Reihenfolge in der ersten Runde lautet: BSW, CDU, AfD, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Die Linke und der fraktionslose Abgeordnete. Ich sehe als Abgeordnete der BSW-Fraktion Frau Kollegin Knebel das Wort ergreifen. Sie haben das Wort, bitte schön.
