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Conrad Clemens

21.05.2025 Sitzungen 8/13

Sehr verehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren Kollegen Abgeordneten! Herr Kuhnert, Sie haben in Ihrem ersten Redebeitrag gesagt, Sie möchten jetzt ungern in meinen Schuhen stecken. Nun sind meine Schuhe keineswegs so schön und können mithalten mit den purpurnen Schuhen von Herrn Wurzler. (Heiterkeit im Saal) Ich möchte aber trotzdem sagen, dass ich mich sehr wohl in meinen Schuhen fühle und fest davon überzeugt bin, dass die Schritte, die ich jetzt in diesen Schuhen gehe, um die Unterrichtsversorgung in Sachsen zu verbessern, wichtig sind, auch wenn sie Herausforderungen mit sich bringen. (Sebastian Wippel, AfD: Haben Sie Siebenmeilenstiefel?) Aber der Job als Kultusminister hat auch gute Tage. Dazu gehört die aktuelle Lage rund um unsere Bewerberzahlen. Deshalb möchte ich gleich der düsteren Beschreibung in Ihrem Antrag widersprechen. Wir haben in diesem Verfahren 2 300 Bewerberinnen und Bewerber. Das ist eine Rekordzahl. Wir haben über 950 grundständig ausgebildete Lehrkräfte und über 800 Seiteneinsteiger, die sich für den Job als Lehrerin oder Lehrer in Sachsen interessieren und bewerben. Deshalb möchte ich einen herzlichen Dank aussprechen. Hier tragen die Entscheidungen Früchte, die in diesem Haus, im Sächsischen Landtag, vor vielen Jahren getroffen wurden, nämlich die Studienplatzzahlen zu erhöhen, die Verbeamtung einzuführen, um damit erstens mehr Bewerberinnen und Bewerber zu haben und zweitens den Lehrerberuf attraktiver zu gestalten. Herzlichen Dank an Christian Piwarz, meinem Vorgänger, und an alle Abgeordneten. Es war richtig, diese Entscheidungen damals zu treffen. (Starker Beifall CDU und Staatsregierung) Trotzdem bleiben Herausforderungen, die in der Debatte auch angesprochen wurden. Die Hälfte aller Bewerbungen gibt es für Leipzig und Umgebung. Das ist eine große Herausforderung. Wir haben bei den Abiturientinnen und Abiturienten eine beeindruckende Zahl von 18 %, die sich vorstellen können, Lehrerin oder Lehrer in Sachsen zu werden. Natürlich stellen sie sich erst einmal vor, dass sie dann in ihrer Schule in Aue oder Löbau arbeiten. Dann schauen sie nach, wo sie das studieren können. Dann sehen sie, dass das nur in Leipzig, Dresden oder noch weiter weg möglich ist. Dann sind sie nicht mehr 17 oder 18 Jahre alt, sondern 25 oder 26. Dann ist es so, dass wir in den Einstellungsverfahren um jeden Kilometer mit den Absolventen verhandeln und darum kämpfen, dass sie sich vorstellen können, wieder im ländlichen Raum tätig zu werden. Diese Herausforderung werden wir auch in anderen demografischen Situationen erleben. Deshalb haben wir Maßnahmen ergriffen. Wir haben mehr Dezentralisierung in unserer Lehrkräfteausbildung. Die dezentralen Lehrerausbildungsstätten wurden von Iris Firmenich angesprochen. Das ist ein Erfolgsrezept. In Annaberg-Buchholz und Löbau steigen die Zahlen. Wir merken, dass Menschen dadurch stärker an ihre Heimatregion gebunden sind oder neue Regionen entdecken. Wir haben eine neue Möglichkeit, Lehrkraft zu werden, in Freiberg eingeführt, das Projekt „KomZuMINT“, für das ich hier werben möchte. Das ist genau das, was hier diskutiert wurde. Damit gibt es neben dem Studium an einer Universität in fünf Jahren die Möglichkeit für Abgänger einer Oberschule, erst zwei Jahre am BSZ und danach drei Jahre an der TU Bergakademie Freiberg zu studieren. Dann hat man die Möglichkeit, nach fünf Jahren als Oberschulabgänger an einer Schule den Seiteneinstieg zu machen und an einer Oberschule oder anderen Schule im Bereich MINT zu unterrichten. Das ist ein Erfolgsprojekt. Es haben sich – obwohl das ein völlig neuer Studienweg ist – schon rund 20 Personen dafür entschieden. Ich hoffe, es werden noch ein paar mehr. Die Theorie-Praxis-Verzahnung der TU Dresden ist angesprochen worden. Wir werden sie nicht nur weiterführen, sondern wollen sie ausbauen, damit mehr Studierende mitmachen und an mehr Schulen diese Praktika durchgeführt werden können. Wir wollen es aus dem Landkreis Görlitz heraus in den Landkreis Bautzen führen, aber auch in anderen Bedarfsregionen diese Studenten einsetzen. Wir wollen überprüfen, ob dieser neue Weg, zu sagen, man macht nicht nur sein kurzes Blockpraktikum, sondern man ist ein ganzes Schuljahr an einer solchen Schule, nicht auch in unserer LAPO I so verändert werden sollte, dass wir das grundsätzlich ermöglichen. Ich habe diese 50 Personen getroffen, die an diesen Oberschulen in Ostsachsen im Einsatz sind. Sie sind begeistert von dieser Erfahrung, die Schulen ein ganzes Schuljahr so zu begleiten. Ich denke, das ist etwas, von dem wir lernen können und von dem wir mehr brauchen. Wir wollen aber auch auf die Weiterentwicklung der Qualität unserer Lehrkräftebildung setzen. Es hat ein Netzwerktreffen gegeben, ein großes Treffen mit 500 Akteurinnen und Akteuren, bei dem wir darüber gesprochen haben, dass wir die drei Phasen der Lehrkräftebildung stärker miteinander verbinden wollen: die erste Phase des sehr fachlich orientierten Studiums, die zweite Phase des Referendariats und die dritte Phase der Fortbildung im Beruf. Die stärkere Verzahnung der drei Phasen ist ein wichtiges Ziel im Projekt „Bildungsland Sachsen 2030“, das gemeinsam mit den Lehrkräften und vielen Akteuren erarbeitet wurde. Das wollen wir in den kommenden Monaten verstärken. Ich sage zu, dass wir binnen des nächsten Jahres eine Novellierung der Lehramtsprüfungsordnung I und II in Angriff nehmen und uns damit dafür einsetzen, dass unsere Lehrkräftebildung auf einem modernen und guten Stand ist. Wir haben eines der erfolgreichsten Bildungssysteme in Deutschland. Dafür brauchen wir kluge Lehrkräfte. Dafür wollen wir uns weiter einsetzen. Ich danke für die Debatte. Ich kann Ihnen zusichern, dass wir das machen werden, auch wenn Ihr Antrag hier möglicherweise keine Mehrheit in diesem Landtag findet. Vielen Dank. (Beifall CDU, SPD und Staatsregierung) Vierter Vizepräsident Albrecht Pallas: Das war Staatsminister Conrad Clemens, der für die Staatsregierung das Wort ergriffen hatte. Es gibt jetzt die Möglichkeit des Schlusswortes. Ich sehe, dass der AfD-Abgeordnete Kuhnert dafür das Wort ergreifen will. Herr Kollege, Sie haben das Wort.

Protokoll ↗