Luise Neuhaus-Wartenberg
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Was mit dem Antrag vorgelegt wird, ist kein neues Denken, sondern das sind zusammengebaute Ideen anderer Fraktionen, die wir in der letzten Legislaturperiode immer wieder miteinander diskutiert haben. Ich muss Ihnen aber sagen, dass wir dazu im Diskussionsprozess – und zwar auch schon in der letzten Legislaturperiode – schon ein ganzes Stückchen weiter waren; denn es gibt genügend Lehrkräfte, die in Sachsen studiert haben und uns fast jeden Tag mitteilen, was geändert werden müsste. Es gibt beispielsweise Ergebnisse aus Schul- und Studienversuchen – Christin Melcher und Iris Firmenich haben schon sehr viel dazu gesagt –, die zum Beispiel von der TU Dresden wissenschaftlich begleitet worden sind. Es gibt eine große Anzahl von Fachgesprächen, und ganz besonders wichtig für uns: Es gibt die Ergebnisse des „Bildungslandes 2030“ und – nicht zu vergessen, auch das stimmt – es gibt eine Vielzahl von Anträgen meiner Fraktion. Es liegen bereits konkrete Maßnahmen und Konzepte auf dem Tisch, die jetzt einfach umgesetzt werden müssen. Wir haben kein Analyse- und Maßnahmenproblem, sondern vielmehr ein Umsetzungsproblem, sodass wir mit der Umsetzung schneller und vermutlich auch konsequenter werden müssten. Dazu gehört Mut – im Übrigen auch Mut zum Scheitern – sowie eine breite Beteiligung und Kommunikation. Für uns braucht es außerdem einen anderen Fokus. Wir haben heute Mittag darüber gesprochen, dass demokratische Bildung, Medienkompetenz und Inklusion eben nicht mehr nur Randthemen im Studium sein dürfen, sondern sie mehr Beachtung finden müssen. Das zeigen Schulversuche und besonders gute Konzepte – das will ich an dieser Stelle auch mitteilen –, und zwar auch gute Konzepte an den Schulen in freier Trägerschaft. Das sind natürlich Themen, die die AfD-Fraktion nicht interessieren. Ich will Ihnen auch mitteilen, dass ein Lehramtsstudium sehr komplex aufgebaut ist und dass es sowohl unterschiedliche inhaltliche als auch strukturelle Voraussetzungen zu beachten gibt. Für uns entstehen in der Debatte, was als Erstes jetzt klug oder besser zu tun wäre, folgende Fragen: Ja, die Lehramtsausbildung muss praxisnah gestaltet werden. Aber welche Bereiche denn genau? Die Fachwissenschaft, die Bildungswissenschaft oder die Fachdidaktik sollten dafür dann weniger oder mehr Priorität haben. Die Antworten darauf sind sie schuldig geblieben. In welcher Form sollen die Praxisphasen genau stattfinden? Gibt es genug Personal an den Schulen, um die Studierenden auch betreuen zu können? Die Antworten auf diese Fragen sind im Übrigen auch Teil der Antworten, warum leider noch zu viele ihr Lehramtsstudium abbrechen. Außerdem möchte ich Ihnen mitteilen, dass ein Grund dafür ist, warum in Sachsen weniger Menschen auf Lehramt bzw. überhaupt studieren wollen – davor haben Rektoren und Rektorinnen und Wissenschaftler/-innen bereits gewarnt –, auch der Rechtsruck in der Gesellschaft ist. Dass wir darüber von Ihnen nichts hören, liegt logischerweise in der Natur der Sache. Wer mehr Studierende an die sächsischen Hochschulen holen will, der muss auch die Rahmenbedingungen außerhalb der Universitäten dafür schaffen. Dazu gehört ein weltoffenes und tolerantes Umfeld und auch solche Dinge, die wir nicht müde werden zu wiederholen: erschwingliche Miet- und Lebenshaltungskosten für die Studierenden und eine auskömmliche Studienfinanzierung im Allgemeinen. Bei dem, was wir heute den ganzen Tag von Ihnen schon hören durften, bleibt der Ansatz meiner Fraktion absolut richtig, und zwar alles dafür zu tun, Sie von relevanten politischen Entscheidungen fernzuhalten; ansonsten wird es nämlich dunkel in diesem Land. Wir lehnen diesen Antrag ab. Vielen Dank. (Beifall Die Linke – Zuruf AfD: Noch dunkler!) Vierter Vizepräsident Albrecht Pallas: Das war Kollegin Neuhaus-Wartenberg von der Fraktion Die Linke. Jetzt hätte Herr Berger die Möglichkeit. – Er möchte nicht davon Gebrauch machen. Damit haben wir die erste Runde der Aussprache abgeschlossen. Gibt es den Bedarf an einer zweiten Rederunde? – Es meldet sich erneut Herr Kuhnert von der Fraktion AfD zu Wort.
