Christin Melcher
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Der Antrag der AfD-Fraktion verspricht eine flexible, praxisnahe und attraktive Lehrerbildung. Doch hinter diesen Schlagworten verbirgt sich eine gefährliche Eisenbahnstraße, eine Schmalspurausbildung, die wissenschaftliche Tiefe und pädagogische Reflexion nahezu aushebeln will. Lehrkräfte sind mehr als reine Ausbildende, sie vermitteln nicht nur Fakten, sondern sie schaffen einen Bezug zu komplexen Zusammenhängen, entwickeln Urteilsfähigkeit und fördern das kritische Denken. Wenn wir die universitäre Ausbildung beschneiden und durch eine sogenannte seminaristische Fachlehrerausbildung ersetzen, opfern wir genau das Fundament, auf dem gute Unterrichtsqualität beruht. Eine pädagogische Hochschule nach AfD-Vorbild würde Wissenschaft, Fachlichkeit und Praxis künstlich trennen, ganz anders als unser bewährtes Modell, das all diese Elemente partnerschaftlich miteinander verzahnt. Auch würde aus meiner Sicht eine zentrale Ein-DachHochschule die regionale Vielfalt und Kooperation zwischen den Hochschulen, Universitäten und Schulen ausschließen und so vermutlich verhindern, dass die Fachkräfte in den verschiedenen Regionen Sachsens ankommen. Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Mehr Praxisanteile“ klingt erst einmal verlockend; doch ohne angemessene Reflexionsphasen droht Aktionismus ohne Erkenntnisgewinn. Unsere angehenden Lehrkräfte brauchen den Raum, um Unterrichtserfahrung theoretisch aufzuarbeiten und mit wissenschaftlichen Erkenntnissen in Beziehung zu setzen. Nur so kann echte Professionalität im Unterricht entstehen. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir BÜNDNISGRÜNE lehnen den Antrag der AfD-Fraktion ab. Die Lehrkräfteausbildung ist aus unserer Sicht kein Sprint, sondern ein Marathon. Wir dürfen sie nicht zum Experimentierfeld schneller Ideologielösungen machen. Statt eines Schnellprogramms brauchen wir eine Lehrkräfteausbildung, die wissenschaftliche Exzellenz, pädagogische Tiefe und echte Praxisvernetzung in Einklang bringt. Deshalb setzen wir auf die erfolgreichen modellhaften Projekte. Frau Firmenich hat sie vorhin schon angeführt. Ich möchte auf ein weiteres Projekt eingehen, und zwar auf eines in Ostsachsen an der TU Dresden, das die Praxisphasen und die universitäre Begleitung intelligent miteinander verzahnt: mit guten Ergebnissen, mit weniger Abbrechern, mit mehr Qualität im Unterricht und mit einer stärkeren Bindung der Studierenden an den Beruf. Lassen Sie uns mehr solche Projekte unterstützen, denn sie schaffen tatsächlich Lösungen. Vielen Dank. (Beifall BÜNDNISGRÜNE, SPD und Luise Neuhaus-Wartenberg, Die Linke) Vierter Vizepräsident Albrecht Pallas: Das war Kollegin Christin Melcher von der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Nun ist Die Linke an der Reihe. Es ergreift Kollegin Neuhaus-Wartenberg das Wort; bitte schön.
