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Gerald Eisenblätter

SPD 21.05.2025 Sitzungen 8/13

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ich muss ehrlich gestehen: Ich war gespannt, ob ich heute eine neue Idee höre, die mich fesselt. Aber bereits beim Lesen des Antrags, insbesondere der Begründung, war mir klar: Die AfD-Fraktion wärmt mal wieder ihre alten Forderungen auf, schreibt einfach „neu“ darüber und gibt dann sogar noch in der Begründung zu, einen Teil abgeschrieben zu haben. So weit, so gut. (Zuruf Sebastian Wippel, AfD) Werte Damen und Herren der AfD-Fraktion, ich frage mich wirklich, was Sie in den letzten Wochen und Monaten so gemacht haben. Die kürzlich veröffentlichten Bewerberzahlen für das nächste Schuljahr, der Einstellungsstopp für Lehrkräfte in Brandenburg, der auch für Sachsen Auswirkungen hat, die Diskussion zur Sicherung der Unterrichtsversorgung oder aber die Fortschritte bei der Weiterentwicklung der Lehrerbildung sind offenbar an Ihnen vorbeigegangen. Nun gut, ich kann Ihnen versichern, dass CDU und SPD selbst wissen, was sie im Koalitionsvertrag vereinbart haben. Natürlich arbeiten wir aktiv daran, dies Schritt für Schritt umzusetzen. Aber zurück zu Ihrem Antrag. Im Gegensatz zu Ihnen bekennen wir uns zur universitären Lehrerausbildung. Ja, diese ist nicht perfekt, aber am Grundsatz einer wissenschaftlichen Lehrerausbildung sollten wir unbedingt festhalten. Wir haben mit der letzten Hochschulgesetznovelle die Zentren für Lehrerbildung gestärkt und bekommen jetzt die Rückmeldung, dass diese Maßnahme in der Praxis spürbar wird. Die Lehrerbildung wird im Kanon der Fakultäten inzwischen auf Augenhöhe wahrgenommen, ein wichtiger Schritt, um die nächsten Reformen auch effektiv umsetzen zu können. Offenbar sind wir uns im Hohen Hause hier alle einig, dass wir mehr Praxis im Lehramtsstudium wollen. Aber auch die Stärkung von pädagogischen und didaktischen Ausbildungsteilen scheint hier mehrheitsfähig. Welchen Weg man hier geht, ob Praxissemester oder eine andere Theorie, Praxisverzahnung oder die Einrichtung eines dualen Masters of Education, werden wir gemeinsam diskutieren und dabei sowohl Schulpraxis als auch die Wissenschaft hören. Herr Kuhnert, Sie fragen die Staatsregierung, welche weiteren Maßnahmen notwendig sind, um die Abbruchquote zu senken. Ich verrate Ihnen einmal eine Maßnahme: Spezielle Seminarangebote und Lehrveranstaltungen für Lehramtsstudierende, gerade in den Naturwissenschaften, werden helfen, den Studienerfolg zu steigern. Ich selbst habe Chemie gemeinsam mit künftigen Lehrer/-innen studiert und als studentische Hilfskraft an der praktischen Lehrerausbildung im Labor mitgewirkt. Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung sagen: Die gemeinsame Vorlesung zur allgemeinen und anorganischen Chemie ist nicht das Problem, aber eine eigene Gruppe der Lehramtsstudierenden im Laborpraktikum mit zugehörigem Seminar und Übung, die ist enorm wichtig. Hier sind zugegebenermaßen Dinge verlorengegangen, weshalb die Hochschulen, auch in ihrem eigenen Interesse einer Qualitätssicherung, umsteuern müssen. Das ist im Übrigen eine Maßnahme, die Sie auch im Koalitionsvertrag finden und leider nicht abgeschrieben haben. Gern möchte ich mich noch einmal zu Ihrer Idee der pädagogischen Hochschule äußern. Wollen Sie wirklich auf der grünen Wiese noch drei oder vier Hochschulen gründen? Mit welchem Mehrwert ohne Interaktion zu anderen Disziplinen? Wollen Sie dann die Ausbildungszeit womöglich verkürzen und eine Schmalspurausbildung etablieren? (Roberto Kuhnert, AfD: Ja!) – Ja? Okay. Wird am Ende ein wissenschaftlicher Abschluss erworben? Ich habe da Fragezeichen. Im Übrigen: Der wissenschaftliche Abschluss ist eine Grundbedingung, um im Besoldungs- und Tarifrecht über eine A 13, E 13 zu sprechen, oder schaffen Sie damit die nächste abgehängte und an Sachsen gefesselte Lehrergeneration? Das Wort „Pädagogische Hochschule“ klingt auf den ersten Blick gut. Dass Sie alle Konsequenzen bis zum Ende durchdacht haben, bezweifle ich allerdings, denn dieser Pfad ist und bleibt ein Holzweg. Wir brauchen Reformen der bestehenden Studiengänge und Ergänzungen an den drei lehrerbildenden Universitäten. Frau Firmenich hat viele Beispiele ausgeführt. Ich möchte Sie nur kurz nennen: Mit den Kooperationsstudiengängen, dem Modellstudiengang Stufenausbildung oder der Primarstufe Plus sind die Weichen bereits gestellt. Ich werde in diesem Zusammenhang auch nicht müde zu erwähnen, dass die Ausbildung eines Lehrers oder einer Lehrerin sieben Jahre dauert. Daher werden wir die Früchte dieser Modellstudiengänge erst ab dem Jahr 2030 ernten. Apropos Zeitlauf: Ihre Forderung – Herr Wurzler hat es gerade gelobt –, die Praxisanteile zu Beginn des Wintersemesters 2025/26 zu erhöhen, klingt gut, ist aber leider praxisfern. Wieder einmal gaukeln Sie schnelle und einfache Lösungen vor; dabei ist es schlicht nicht möglich, so etwas binnen vier Monaten umzusetzen. Sie treten damit die akademischen Gremien, die Wissenschaftler/-innen und die Ausbilder/-innen mit Füßen. Eine Studien- und Prüfungsordnung anzupassen, dauert in der Regel ein Jahr. Wenn zuvor noch die Lehramtsprüfungsordnung durch das Kultusministerium geändert werden müsste, wird noch mehr zeitlicher Vorlauf benötigt. Damit sind wir schon bei dem Punkt: Das Herausschreien von Forderungen macht unseren Freistaat kein Stück besser. Ihr Antrag bietet keine neuen Ideen. Vieles findet sich im Koalitionsvertrag wieder oder ist bereits in Umsetzung bzw. gelebte Praxis. Den Rest lehnen wir, wie gerade ausgeführt, inhaltlich ab, sowie Ihren Antrag insgesamt. (Beifall SPD) Vierter Vizepräsident Albrecht Pallas: Das war Kollege Eisenblätter von der SPD-Fraktion. Wir setzen die ersten Runde der Aussprache mit Frau Kollegin Melcher von der Fraktion BÜNDNISGRÜNE fort. Bitte schön.

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