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Roberto Kuhnert

AfD 21.05.2025 Sitzungen 8/13

Danke. – Vor allem ist es unseren Kindern gegenüber unredlich, wenn wir als Erwachsene Dinge von ihnen verlangen, die wir selbst nicht im ausreichenden Maße erbringen, Dinge wie Willenskraft, Anstrengung, Leistungsbereitschaft. Wir müssen flexibler werden, um neue Lehrer zu gewinnen. Wir müssen attraktive Angebote schaffen, junge Menschen für diesen großartigen Beruf zu begeistern, und wir wollen, dass jede Schule ein Ort ist, an dem gern gelehrt und gelernt wird. Sehr geehrte Damen und Herren! Mit unserem Antrag schreiben wir der Staatsregierung Folgendes ins Hausaufgabenheft: Bitte prüfen Sie neue Möglichkeiten, um in der gesamten Lehreraus- und -fortbildung deutlich flexibler zu werden und dabei unsere breite Hochschullandschaft zu nutzen! Notieren Sie sich bitte folgenden Merksatz: Wer die Krise des deutschen Bildungssystems bewältigen will, der muss grundlegend bei der Lehrerausbildung ansetzen. Was hieße das konkret? Wir wollen erstens wissen, inwieweit eine seminaristische Fachlehrerausbildung grundsätzlich in Sachsen entwickelt werden kann. Welche rechtlichen, finanziellen und strukturellen Bedingungen brauchen wir dafür? Für welche Fächer und welche Schularten könnte dies angeboten werden? Diese Form der Lehrerbildung ist nicht neu – ganz im Gegenteil, sie ist altbewährt und hat Tradition. Damals wurde sie noch als Volksschullehrerausbildung bezeichnet, manche von Ihnen kennen das noch aus früheren DDR-Zeiten, sogenannte Institute für Lehrerbildung. Das waren Fachschulen, an denen Unterstufenlehrer für die Klassen 1 bis 4 ausgebildet wurden, für die kein Abitur Voraussetzung war. Insgesamt 20 Fachschulen dieser Art etablierten sich in der damaligen DDR, die sich bis zum Ende dieser durchaus bewährten. Aber auch Bundesländer wie Bayern und Baden-Württemberg bilden noch heute Fachlehrer in den Fächern Werken, Kunst, Musik, Sport, Informationstechnik für Grund- und Mittelschulen, aber auch für Förderschulen aus. Mit einem Realschulabschluss kann man in zwei bis vier Jahren seinen Vorbereitungsdienst an einer Schule absolvieren. Im Übrigen gibt es hier einen Eignungstest, den wir bereits seit Jahren einfordern. Gerade, weil uns die Verbindung von Praxis und Theorie in der Lehrerausbildung wichtig ist, wollen wir – zweitens –, dass die duale Hochschule für die Entwicklung dualer Lehramtsstudiengänge mit einbezogen wird. Die Akademisierung der Lehrerausbildung begann vor hundert Jahren. Neben vielen sinnvollen Verbesserungen hat dies aber auch dazu geführt, dass heute die Pädagogik oft nur als reine Wissenschaft betrachtet wird und der tatsächliche Umgang mit dem Kind, das Erziehen und Leiten, viel zu kurz kommt. Damit komme ich zum dritten Punkt: Wir wollen, dass der Lehrplan des universitären Lehramtsstudiums an die tatsächlichen Anforderungen in den einzelnen Schularten angepasst wird. Was heißt das? Lehramtsstudenten berichten immer wieder, dass zwar fachliche Tiefe vermittelt wird, aber der Bereich der Didaktik viel zu kurz kommt. Selbst Verbände kritisieren, dass im Studium vielfach Wissen vermittelt wird, das wenig mit den Inhalten der Lehrpläne an Schulen zu tun hat – obwohl kein Grundschullehrer Integrale berechnen muss. Damit erklärt sich auch das Problem der viel zu hohen Abbruchquoten, insbesondere in den MINT-Fächern. Wir fordern daher – viertens – zu prüfen, welche Maßnahmen notwendig sind, um die noch immer viel zu hohen Abbruchquoten deutlich zu senken. In einem Artikel des „Spiegel“ vom 28. November 2024 heißt es –Zitat –: „Laut Analyse des Stifterverbandes für die deutsche Wirtschaft e. V. brechen mehr als 40 % der Studierenden die Ausbildung noch vor dem Referendariat ab.“ Natürlich wird am Anfang gerade in Mathematik, Physik oder Chemie ausgesiebt. Aber können wir es uns wirklich leisten, dass von 90 Studienanfängern am Ende nur 15 ihren Abschluss in Physik haben – und das, obwohl wir in Sachsen Schüler haben, die ein Jahr lang keinen Physikunterricht hatten? Vielleicht sollte endlich ein Unterschied zwischen zukünftigen Lehrern und wissenschaftlich tätigen Mathematikern, Physikern und Chemikern gemacht werden. Daher wiederholen wir auch hier unsere Forderung in Punkt 5 unseres Antrages: zukünftig die gesamte Aus- und Weiterbildung von Pädagogen unter einem Dach zu vereinen. Gerade im Zuge der geplanten Lernzielorientierung für die Vorschule und den verstärkten Einsatz von pädagogischen Fachkräften an Förderschulen kann hier der gesamte Bildungsbereich vom Kindergarten bis zur Berufsschule abgedeckt werden. Eine pädagogische Hochschule wäre selbstverständlich nicht abgekoppelt von den eigentlichen Hochschulen, aber sie würde sich ausschließlich auf die Bildung unserer Kinder konzentrieren. An unsere Kollegen von der CDU sei mir ein Hinweis an Sie im Besonderen erlaubt: Sie sollten nicht unbeachtet lassen, dass unter Ihren Kollegen dieser Vorschlag nicht so abwegig betrachtet wird; denn auch in anderen Bundesländern gibt es bereits diese pädagogische Hochschule, die sich voll und ganz auf die Lehrerbildung inklusive Forschung konzentriert. (Gerald Eisenblätter, SPD: Wo denn?) In Bayern und Baden-Württemberg zum Beispiel. (Gerald Eisenblätter, SPD: Da werden sie zurückgebaut!) Sehr geehrte Damen und Herren! Zu guter Letzt möchten wir nach all den vorherigen Vorschlägen einen uns besonders wichtigen zügig umsetzen. Deshalb fordern wir die Staatsregierung auf, bereits mit Beginn des kommenden Wintersemesters die Praxisanteile über das gesamte Lehramtsstudium hinweg deutlich zu erhöhen. Natürlich geht das nicht sofort und überall, aber es gibt bereits ein Pilotprojekt der TU Dresden, welches im Raum Görlitz/Zittau sowohl von Lehramtsstudenten als auch von Schülern sehr gut angenommen wird. Dies kann aber nur der erste Baustein sein, denn jetzt geht es darum, weiterzubauen, flächendeckend und strukturübergreifend. In den Bereichen Grundschule, Oberschule, Förderschule, Gymnasium und Berufsschule – natürlich vordergründig in den Fächern Mathematik, Deutsch, Chemie, Physik, Musik, Sprachen etc. –, und das auch in der ostsächsischen Region in den Städten Görlitz, Bautzen, aber auch in anderen Bereichen des Landes, in Plauen, Annaberg-Buchholz etc.: Überall sollen angehende Lehrer mit ihren zukünftigen Schülern in Kontakt kommen und gemeinsam lernen. Es freut uns sehr, dass sich die Staatsregierung zumindest vorerst auf die Weiterfinanzierung des Projekts verständigen konnte. Aber wie gesagt: Es soll nur ein Anfang sein. Ich denke, unsere Vorschläge habe ich ausreichend erläutert. Es liegt nun an Ihnen, ob wir ein „Weiter-so“ oder neu denken wollen. Ich bitte Sie daher um Zustimmung zu unserem Antrag. Vielen Dank. (Beifall AfD) Vierter Vizepräsident Albrecht Pallas: Der Abg. Kuhnert von der AfD-Fraktion hat den Antrag eingebracht, und wir setzen jetzt in der Aussprache fort. Es folgt die CDU-Fraktion mit Frau Kollegin Firmenich; bitte schön.

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