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Sophie Koch

SPD 26.03.2025 Sitzungen 8/10

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Wir stellen uns einmal kurz folgende Situation vor: Zwei Leute, ich schaue mich einmal im Raum um, Herr Kollege Gasse und ich, bekommen denselben Job angeboten. Wir gehen Flyer verteilen, sagen wir einmal ungefähr 500 Stück, stehen den ganzen Tag draußen auf der Straße in der Kälte, leisten die gleiche Arbeit. Aber am Ende des Tages bekommt Herr Kollege Gasse 84 Euro und ich 100 Euro. Wie fühlt sich das an? Unfair, oder? (Heiterkeit Die Linke) Leider ist das aktuell die Realität für viele Frauen in Deutschland. Sie arbeiten gleich viel, sie leisten gleich viel, aber sie bekommen deutlich weniger und das nicht nur wegen unfair verteilter Löhne. Aktuell liegt der sogenannte Gender-Pay-Gap bei circa 16 %. Übertragen bedeutet das: Frauen haben bis zum 7. März dieses Jahres, dem Equal Pay Day, ohne Bezahlung gearbeitet. Fast 2,5 Monate ohne Lohn. Wir können ja mal fragen, wer das hier so machen würde. Das ist keine statistische Spielerei. Das sind strukturelle Ungerechtigkeiten und diese haben Folgen für die eigene Unabhängigkeit, für die Familien und für die Rente. Und ja, wir machen Fortschritte bei dem Thema. Vor zehn Jahren zum Beispiel war der Equal Pay Day noch am 19. März – die Lohnlücke schrumpft also, aber das Tempo reicht auf gar keinen Fall. Aber hey, wir haben auch schon gehört, dass in Sachsen diese Lohnlücke in manchen Zahlen kleiner ist. Da könnte man jetzt sagen, das klingt nach einem Grund zur Freude, oder? Leider nein. Denn in Sachsen kommt das Problem hinzu, dass der Lohnunterschied zwischen Ost- und Westdeutschland einfach sehr groß ist; denn im Schnitt verdienen die Menschen hier in Sachsen 600 Euro brutto weniger als ihre Kolleginnen und Kollegen in Westdeutschland. Und auch da fragt man zu Recht: Ist das fair? Nein. Um diese Ungerechtigkeit zu beseitigen, brauchen wir zahlreiche Maßnahmen. Mehr Lohntransparenz ist eine davon. Das Entgelttransparenzgesetz ist ein wichtiges Instrument, mit dem Frauen ihr Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit durchsetzen können; denn wer nicht weiß, was der Kollege verdient, der kann kaum für gleiche Arbeit den gleichen Lohn einfordern. Deshalb ist es wichtig, dieses Entgelttransparenzgesetz weiterzuentwickeln, zum Beispiel durch die Möglichkeit einer Verbandsklage, damit zukünftig Betroffene nicht mehr allein vor Gericht gehen müssen, sondern dass das zum Beispiel Gewerkschaften übernehmen können. Ich bin mir sicher, dass eine Novellierung kommen wird, weil uns die angesprochene EUTransparenzrichtlinie dazu zwingt, das Ganze bis nächstes Jahr in Bundesrecht umzusetzen. Eine eigene Bundesratsinitiative braucht es daher unserer Auffassung nach nicht. Wir brauchen allerdings einen höheren Mindestlohn, mehr Tarifverträge für Sachsen, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, eine Aufwertung von frauendominierten Berufen. Gleichzeitig soll es auch für Mädchen und junge Frauen attraktiver werden, sogenannte männerdominierte Berufe zu ergreifen. Ich freue mich zum Beispiel sehr auf den Girls‘ Day, der nächste Woche stattfindet. Und ich freue mich vor allem sehr darauf, dass der Sächsische Landtag nächste Woche deutlich weiblicher wird. Die Debatte heute zeigt: Mehr denn je muss gelten: Gleiches Geld für gleiche Arbeit, für Ost, für West, für Frauen und Männer. Vielen Dank. (Beifall Laura Stellbrink, SPD – sowie vereinzelt BSW und Die Linke) Dritter Vizepräsident Prof. Dr. Jörg Scheibe: Das war Kollegin Sophie Koch von der SPD-Fraktion. Es folgt jetzt Kollegin Katja Meier von den BÜNDNISGRÜNEN. Bitte schön.

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