Dr. Ingolf Huhn
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Dass Chemnitz Kulturhauptstadt ist, ist eine tolle Sache. Wir haben im Vorfeld lange mitgebangt, bevor es entschieden war, und haben lange geschaut: Bekommen wir es denn wirklich hin? Es ist seit 26 Jahren das erste Mal, dass die Kulturhauptstadt im Osten ist. 1999 war es in Weimar. Ob sie in der nächsten Zeit mal wieder in den Osten kommt, ist nicht zu sehen. Also, wir haben jetzt eine Chance, die Chemnitzer haben jetzt eine Chance und machen, glaube ich, was Anständiges daraus. Das ist toll losgegangen. Es gab ja immer mal die Frage: Ist die Bevölkerung genügend dabei? Wollen die Leute das wirklich? Wir hatten kleinere Irritationen; aber es ist großartig losgegangen, und wir schauen mit großen Augen darauf, wie das jetzt weitergeht. Deswegen ist ein wenig die Frage, warum wir jetzt diese Debatte haben. Ist das strittig? Nein, strittig ist das nicht. Haben wir über das Geld zu entscheiden? Nein, die Gelder sind bestätigt, sind geflossen. Ich verstehe, Frau Gockel, was Sie meinen: dass man den Debattenprozess über das, was danach ist, noch einmal ein wenig begleiten will. – Richtig entscheiden können wir es nicht, auch da können wir allenfalls Ratschläge geben oder mit draufschauen. Landtagsentscheidungen werden dazu nicht stattfinden. Dass wir trotzdem noch einmal darüber reden, ist eine schöne Sache. Gab es denn Probleme? Am Anfang war die Frage, ob die Chemnitzerinnen und Chemnitzer dabei genügend einbezogen sind. Es gab die Frage dieser Apfelbaumlinie; da hat sich herausgestellt, das ist nicht rasenpraktisch, vor allem nicht, weil es Apfelbäume sind. Man kann schauen, wenn man aus dem Erzgebirge kommt: Ist die Einbeziehung der Kulturhauptstadtregion denn so gelungen, wie man das gewollt hat? Mit beispielsweise PURPLE PATH sind tolle Sachen entstanden – wobei: Dass jemand diesen Pfad nun wirklich geht, ist auch nicht so zu erwarten. Es sind also 38 Einzelprojekte. Ich sage gleich: Im kirchlichen Bereich haben wir schon am ersten Advent das Kulturhauptstadtjahr eröffnet, das war nun wirklich das Erzgebirge; denn dort sitzt die Weihnachtstradition. Da sind wir relativ frühzeitig reingegangen, auch mit der europäischen Bergpredigt. Es gibt das Amt des Bergpredigers in vielen europäischen Ländern, in Sachsen ist es in Annaberg beheimatet. Man kann auch schauen: Was ist die Verbindung zu der zweiten Kulturhauptstadt? Wir sind ja nicht die einzigen, sondern wir haben zwei. Ist die richtig stabil? Das ist spannend. Das ist eine geteilte Stadt. Das gab es, glaube ich, noch nie. Gorizia/Nova Gorica, das war – wer geschichtlich interessiert ist, weiß es – die alte habsburgische Hauptstadt einer Grafschaft Görz am rechten oberen Ende der Adria. Dort ist die Landesgrenze dazwischen. Die sind – ein schönes Projekt – gemeinsam europäische Kulturhauptstadt. Was bedeutet es, Kultur und Gesellschaft nachhaltig zu verbinden? Nachhaltigkeit gibt es auch bei Olympischen Spielen und Fußballweltmeisterschaften. Da fragt man: Was ist mit den Bauten? Bauten gibt es nicht so viele. Da ist das Besucherzentrum in der Hartmannfabrik. Ich habe verstanden, was Sie meinen. Sie wollen, dass das, was da an Gemeinschaftlichkeit entsteht, in der Zukunft weitergeht. Toll wäre es. Toll wäre es auch, wenn das, was bei den Kürzungen im Kulturbereich zu erwarten ist, auch beim Theater Chemnitz und bei vielen anderen Kultureinrichtungen, nicht nur eine Schonfrist durch das Kulturhauptstadtjahr bekommt, und dann gesagt wird: Wir machen es danach. Dann ist das ja vorbei. Nachhaltigkeit heißt auch, das weiter zu stützen. Übrigens sind die Idee zur Kulturhauptstadt und die ersten Anfänge dazu aus dem Theaterbereich gekommen. Das war nicht nur Generalintendant Christoph Dittrich, sondern auch der jetzt gerade in ganz hohem Alter verstorbene, großartige Schauspieldirektor Hartwig Albiro hat das mit angestoßen und dafür gesorgt, dass das in Gang kommt. Jetzt kommt noch ein kleiner Werbeblock. Es gibt ein eigenes kirchliches Programm dazu. Chemnitz ist ein Zentrum der Ökumene. Dort funktioniert Ökumene wirklich grandios, und zwar nicht nur zwischen evangelischer und katholischer Kirche, sondern auch mit den Freikirchen. Dort gibt es am letzten Augustwochenende ein Kulturkirchenfest. „C the Unseen“ ist das Motto des Kulturhauptstadtjahres. Es ist viel gefragt worden: Was ist mit nicht englischsprachigen Menschen? In den Kirchen haben wir das aufgenommen und haben gesagt, wenn es um das Sehen geht, dann heißt der Bibelvers: „Geht hin und seht!“ aus Markus 8,36. Auch dieses Fest kann man besuchen. Das ist ein kleiner Teil des Kulturhauptstadtjahres, aber einer, für den ich werben möchte. Danke, dass Sie mir zugehört haben. – 17 Sekunden, ich bin ganz gut. (Beifall BSW und Martin Dulig, SPD) Dritter Vizepräsident Prof. Dr. Jörg Scheibe: Danke, Herr Dr. Huhn, für die Pünktlichkeit. Als Nächstes hören wir Herrn Martin Dulig von der SPD-Fraktion.
