Valentin Lippmann
Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wenn eine bedeutende, noch dazu in Leipzig gegründete Institution 125 Jahre alt wird, ist das zweifelsohne immer ein Grund zu feiern. Zugleich bergen derart gigantische Jubiläen die Gefahr, dass zu sehr auf Erreichtes zurückgeblickt und zu wenig nach vorne geschaut wird. Deswegen ist die Debatte hier und heute durchaus angemessen. Ich finde, gerade jetzt lohnt sich – im Folgenden komplett Sportmetaphern-frei – ein Blick auf die Forderungen des DFB zur Bundestagswahl, die eine Vorstellung davon ermöglichen, wo der Verband hinwill, wo der deutsche Fußball hinwill oder auch generell, was für den Sport in Deutschland wichtig ist. Es findet sich zunächst die Forderung nach modernen und neuen Sportstätten; Kollege Pallas hatte es bereits angesprochen. Auch in Sachsen ist der Investitionsstau beträchtlich. Der dem Landtag letzten Monat übersandte Sportstättenbericht weist einen Investitionsstau von über 370 Millionen Euro auf. Dabei will ich auch festhalten, dass wir es mit einer erheblichen Dunkelziffer zu tun haben dürften, da eine Reihe von Vereinen sich schlicht nicht zurückgemeldet hat. Wahrscheinlich sind es eher 500 Millionen Euro, wenn man das hochrechnet. Die Vereine haben realen Bedarf und erwarten, dass etwas getan wird. Im Koalitionsvertrag – das muss man konstatieren – steht ja drin, dass man ein sächsisches Investitionsprogramm für den Sportstättenbau auflegen will. Allerdings – und da nehme ich Sie sehr gern beim Wort – bin ich an dieser Stelle auf den Haushaltsentwurf gespannt. Nach den Äußerungen von heute Morgen habe ich so eine böse Vorahnung, wo das endet. Werte Kolleginnen und Kollegen! Moderne und neue Sportstätten müssen auch nachhaltig sein. Auch hierbei haben wir in Sachsen einen erheblichen Nachholbedarf. Nach der aktuellen Sportförderrichtlinie werden Zuwendungen zwar auch unter Berücksichtigung von Klimaschutz und Energieeffizienz gewährt. Punkte, um im Förderranking priorisiert zu werden, erhalten Zuwendungsempfänger allerdings nur dann, wenn bei einer energetischen Sanierung eine Reduzierung des Energieverbrauchs durch einen Sachverständigen nachgewiesen wird. Das wäre definitiv ein Bereich, für den man über weniger Bürokratie zur Entlastung der Vereine reden könnte. Dabei ist Klimaschutz noch viel mehr als das. Klimaanpassungsmaßnahmen, Dachbegrünung, Nutzung von Regenwasser, Warmwasseraufbereitung mit Solarthermie, eine Umrüstung auf LED, Multifunktionalität, die Einbindung der Sportstätten in die Stadtteile und ihre Erreichbarkeit durch den ÖPNV sind alles Punkte, die erhebliche Verbesserungen, was die Nachhaltigkeit betrifft, mit sich bringen und zukünftig stärker in den Fokus der Förderung geraten werden. Wir BÜNDNISGRÜNEN haben schon in der letzten Legislaturperiode dafür gestanden, dass mehr Kriterien der Nachhaltigkeit bei der Sanierung und dem Neubau von Sportstätten berücksichtigt werden. Der DFB schlägt derweilen eine Energieberatung für Vereine vor. So können Vereine individuell im Rahmen ihrer finanziellen Mittel Verbesserungen herbeiführen. Vor allem kleineren Vereinen bringt das einen wirtschaftlichen Vorteil. Bei so einem Projekt, das man definitiv auch weit über den DFB ausweiten kann, wären wir BÜNDNISGRÜNE sofort dabei. Wie bereits angesprochen: Ohne Ehrenamt gibt es auch keinen Fußball. Im deutschen Fußball engagieren sich über 1,8 Millionen Menschen ehrenamtlich. Ohne diese Helferinnen und Helfer wären Training und Fußball nicht möglich. Nicht nur der Bund, der steuerliche Entlastung für Ehrenamtliche und Vereine beschließen kann und sollte, sondern auch Sachsen muss die ehrenamtliche Arbeit, gerade im Sport, weiter anerkennen. Das Programm „Ehrenamt stärken im Sport“ war in der letzten Legislaturperiode ein voller Erfolg. Es war ein Programm, das auch auf Vorschlag meiner Fraktion in den Haushalt gelangt ist. Hier muss es definitiv trotz aller Sparerfordernisse weitergehen, da es im Sport mittlerweile ein elementarer Bestandteil der Ehrenamtsförderung ist und sich großer Beliebtheit erfreut. (Beifall Christin Melcher, BÜNDNISGRÜNE) Werte Kolleginnen und Kollegen, wenn man nach vorn blickt, zeigt der DFB, dass er durchaus nicht nur die Zeichen der Zeit verstanden hat – weit mehr als manche Parteien in diesem Hohen Hause –, aber das reicht bei Weitem nicht aus. Der DFB und auch der deutsche Fußball sind längst nicht dort, wo sie sein könnten. Die Diversität im Fußball wird zwar versprochen, aber bei Weitem nicht konsequent umgesetzt. Vielfalt und Antidiskriminierung sind im Amateurfußball und auch in den Gremien des DFB nach wie vor viel zu rar. Die Mitte-Studie 2022/2023 adressierte nach wie vor bei Fußballfans hohe Zustimmungswerte zu menschenfeindlichen und rassistischen Aussagen. Hier setzen bekanntermaßen Fanprojekte an. Sie unterstützen junge Fans in ihrer Persönlichkeitsentwicklung, sie stärken die demokratische Bildung und organisieren eine selbstbestimmte Fankultur. Der DFB übernimmt zu 50 % die Finanzierung der Fanprojekte. Das gerät aber gerade jetzt in eine entscheidende Schieflage. Die Kommunen und der Freistaat übernehmen zusehends die Sach- und Personalkosten. Diese Schieflage muss auch mit Blick auf das Damoklesschwert drohender Einsatzkosten der Polizei beseitigt werden, aber auch, weil der DFB hier in einer gesellschaftlichen Verantwortung steht. Die Neuorientierung und die Neuverhandlung der Förderrichtlinie sollten hier dringend Anlass sein, dass auch der DFB über diese Verantwortung nachdenkt. (Beifall BÜNDNISGRÜNE und SPD) Ein letzter Punkt in aller gebotenen Kürze anlässlich der Zeit, die mir noch zur Verfügung steht: Fußball ist nach wie vor eine Männerdomäne. Es bestehen viele strukturelle Defizite, die dazu führen, dass Frauen sowohl in Entscheidungsgremien als auch als Spielerinnen, Trainerinnen und Schiedsrichterinnen zu wenig Anerkennung genießen und nicht die gleichen Möglichkeiten haben wie Männer. Ihnen fehlen die Netzwerke und Mentoren. Der Frauenfußball erhält weniger Finanzmittel. Der Frauenfußball braucht eine stärkere Unterstützung der Politik. Ich möchte damit schließen, dass ich hoffe, dass es nicht bis zur 150-JahrFeier dauert, bis der DFB dann endlich von einem gleichberechtigten Frauenfußball in Deutschland reden kann. Vielen Dank. (Beifall BÜNDNISGRÜNE und SPD) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Kollege Lippmann sprach für die Fraktion BÜNDNISGRÜNE. Für die Fraktion Die Linke spricht nun Kollege Nam Duy Nguyen. Bitte schön, Sie haben das Wort.
