landtag.sachsen.de ↗

Ralf Böhme

BSW 12.02.2025 Sitzungen 8/7

Sehr geehrter Herr Präsident! Geehrte Damen und Herren! Beim Blick auf die Überschrift, die die Kolleginnen und Kollegen der SPD für ihre Aktuelle Debatte gewählt haben, habe ich zunächst etwas gestutzt. Auf der einen Seite steht der Begriff DFB, auf der anderen Seite Ehrenamt. Die Darlegung des Kollegen Pallas hat mir nicht ganz klargemacht, ob es gewollt oder unfreiwillig war. Jeder hat ja seine eigenen Bilder im Kopf. Beim DFB ist es bei mir eher eine starre bürokratische Struktur mit wenig charismatischen Funktionären, die sich im Glanze eines gekauften Sommermärchens sonnen. Glücklicherweise hat sich aber auch dort in den letzten Jahren einiges geändert. Auf der anderen Seite sind mir beim Ehrenamt – und das kann ich insbesondere als Vorstand eines Fußballvereins sagen – diese unglaublich engagierten Trainerinnen und Trainer, Betreuerinnen und Betreuer, Platzwarte und alle anderen vor Augen, die mit einem unglaublichen Einsatz den Verein bei uns am Leben halten, den Kindern und Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung ermöglichen und möglicherweise eine sportliche Karriere nebenbei mit vorbereiten. Nicht zuletzt sind sie nicht nur in diesen Rollen wichtig, sondern sie sind mitunter teilweise Familienersatz, Psychologe, Lebensberater oder Gesundheitsberater. Die Bedeutung des Ehrenamtes in Deutschland erschließt sich auf den ersten Blick: Fast jeder dritte Deutsche ist in einem Ehrenamt tätig. Das bezieht sich natürlich nicht nur auf den Sport, sondern auch auf die Kultur, soziale Bereiche oder die Umwelt. Ohne Ehrenamt gäbe es in Deutschland kein Training im Fußball, im Judo, im Fechten oder wo auch immer. Es gäbe weniger Freizeitangebote für Kinder. Es gäbe weniger Unterstützung beispielsweise für Rentner und für Zuwanderer. Es gäbe auch weniger Hilfe im Fall von Katastrophen, beispielsweise Fluten. Ohne Ehrenamt, ohne Menschen, die sich im Ehrenamt engagieren, ist es absehbar, dass es weniger gesellschaftliche Stabilität gibt und dass die Gesundheitsrisiken innerhalb der Bevölkerung steigen. Das betrifft insbesondere das Ehrenamt im Sport. Dieses Engagement wird regelmäßig anlässlich von Tagen des Ehrenamts gewürdigt, auch in Sonntagsreden. Aber es ist notwendig, die Flankierung des Ehrenamts und die Motivation dafür in Deutschland deutlich auszubauen. Ebenso ist es erforderlich, der Tendenz des auch im Ehrenamt fehlenden Nachwuchses entgegenzuwirken; denn nicht nur bei Unternehmen beobachten wir, dass der Generationenübergang beispielsweise von einem etwas älteren Vereinsvorstand zu den jungen Leuten im Verein nicht ohne Probleme verläuft. Wir haben in Deutschland einige Maßnahmen, die wir relativ leicht für die Stärkung des Ehrenamtes anbringen könnten. Wir empfehlen zum Beispiel eine Erhöhung des Freibetrages für die Ehrenamtspauschalen, (Beifall BSW) eine Anrechnung auf die Rente und ein Bonusprogramm des Bundes für die Inanspruchnahme von Angeboten und Leistungen von Kommunen und Bundesländern. Wir empfehlen eine Vereinfachung von Rechtsvorschriften. Das heißt, auch hierbei geht es um eine Verringerung der Bürokratie. Wir wünschen uns, mit allen Fraktionen in Bezug auf eine Neuregelung der Haftungsfrage oder zumindest eine Überarbeitung der Haftungsregelungen im Vereinsvorstand ins Gespräch zu kommen. Denn wie wir alle wissen, gibt es Investitionsprojekte, die in Vereinen vorgenommen werden. Es gibt Investitionen, und da ist es nicht hilfreich, wenn im Hintergrund eine Bedrohung durch mögliche Haftung bei kleinen Versäumnissen oder kleinen Fehlern droht. Uns das vor Augen haltend, sollten wir die finanziellen Unterstützungen – Zweiter Vizepräsident André Wendt: Die Redezeit ist abgelaufen.

Alle Reden von Ralf Böhme Protokoll ↗