Heiko Gumprecht
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kollegen Abgeordnete! 125, 6,7 Millionen, 24 000, 4 und 3 – jetzt schauen Sie mich an und denken: Was will der mit den Zahlen? Vor 125 Jahren wurde der DFB gegründet, er hat 6,7 Millionen Mitglieder, in ihn sind 24 000 Fußballvereine integriert. Wir konnten vier Weltmeistertitel und drei Europameistertitel gewinnen. Ich denke, das ist ein Grund, stolz zu sein. So ein Erfolg kommt aber nicht von ungefähr. Ich persönlich freue mich auch darüber, dass man den Irrweg – „Die Mannschaft“ – korrigierte und wir wieder stolz auf eine deutsche Nationalmannschaft sein können. Der DFB ist der größte Dachverband der Welt und steht stellvertretend für die vielen erfolgreichen deutschen Sportverbände, wie den Deutschen Schwimm-Verband, den Deutschen Leichtathletik-Verband oder den Bob- und Schlittenverband. Darauf können wir mehr als stolz sein, doch wir dürfen uns nicht darauf ausruhen. Deshalb bin ich dafür dankbar, dass die SPD-Fraktion diese Debatte heute eingebracht hat – nicht nur, weil ich selbst Trainer im Ehrenamt bin, sondern auch, weil mein Kind an einem Leistungsnachwuchszentrum trainiert und ich um die Schwierigkeiten weiß. Der Grundstein für Erfolg wird in kleinen Vereinen mit unzähligen ehrenamtlichen Trainern und Helfern gesetzt. Aber nicht Medaillen oder Titel sind der vordergründige Gewinn für unsere Gesellschaft. Der vordergründige Gewinn besteht darin, dass hinter jeder Sportlerin und hinter jedem Sportler, welche ihren Sport ernsthaft betreiben, ein zukünftiger Leistungsträger unserer Gesellschaft steht. Vereine tragen dabei selbstverständlich nicht nur zur Stärkung des Einzelnen bei, sondern sind auch für die Bildung des gemeinschaftlichen Zusammenhalts und des sozialen Friedens existenziell. Selbstverständlich sind auch Medaillen und Titel wichtig. Wichtig deshalb, weil hinter jeder Medaille, hinter jedem Titel ein Vorbild steckt, dem die jungen Sportler nacheifern. Es ist wichtig, bereits in der Grundschule den Sport über GTA – also über Ganztagsangebote – zu fördern. Jedes fünfte Kind in Deutschland ist heute nicht mehr in der Lage, einen Purzelbaum zu schlagen. Rund 10 % der Kinder zwischen drei und 17 Jahren sind übergewichtig, 6 % davon sogar adipös. Diesem Trend gilt es entgegenzuwirken; denn dieser Trend wird letztendlich zur Belastung der gesamten Gesellschaft. Die Einbindung ehrenamtlicher Trainer in die GTA beinhaltet drei Vorteile: Erster Vorteil. Die Kinder und Jugendlichen werden von Fachkräften im Bereich Bewegung und Sport betreut. Zweiter Vorteil. Die ehrenamtlichen Trainer können gezielt eine Vorauswahl talentierter Kinder und Jugendlicher treffen und den Vereinen oder Nachwuchszentren zuführen. Dritter Vorteil. Das Ehrenamt als Trainer wird durch GTA finanziell gewürdigt. Letztendlich entsteht so eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. GTA können aber nur dort eine Verstärkung der Vereine und des Ehrenamtes ausmachen, wo die Gegebenheiten dafür vorhanden sind. Einer der weiteren Faktoren für eine gute Vereinsarbeit ist das Sponsoring. In Zeiten einer schwächelnden Wirtschaft sind staatliche Zuschüsse umso notwendiger, um das Überleben der Vereine zu sichern. Einschnitte in die Förderung von Vereinen und dem Ehrenamt aufgrund klammer Kassen ist deshalb eine Absage zu erteilen. Das gilt natürlich nicht für Ideologie-Vereine. (Valentin Lippmann, BÜNDNISGRÜNE: Was sind denn Ideologie-Vereine? – Zuruf Sören Voigt, CDU) Medaillen hingegen werden in den sächsischen Leistungszentren geschmiedet. Die Situation in Sachsen sieht im Moment so aus, dass ehemalige Leistungsträger und Medaillengewinner, die in den Leistungsnachwuchszentren hauptamtlich arbeiten, vom Ausland abgeworben werden oder in andere Bundesländer abwandern. Sie wandern deshalb ab, weil sie dort einen gesicherten und planbaren Lebensunterhalt finden. Zweiter Vizepräsident André Wendt: Die Redezeit ist abgelaufen.
