Ines Kummer
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Vereint im Herzen Europas“ kommen ab übermorgen auch in der Host City Leipzig die Fans von überallher zusammen: vom Bosporus bis Lissabon. Die Fußball-Europameisterschaft kann hoffentlich zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts beitragen; denn sie ermöglicht es, Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen und Lebensweisen zusammenzubringen, um ihre Leidenschaft für Fußball zu feiern. Dazu passt das Motto der Fußball-EM: „United by Football. Vereint im Herzen Europas“. In Leipzig als einen Austragungsort für die Fußball-EM soll dieses Wir-Gefühl wieder hautnah erlebbar gemacht werden. Dafür hat sich Leipzig gut gerüstet. Vier Spiele werden in der sächsischen Metropole stattfinden, mit vielen Tausenden nationalen und internationalen Gästen. Es soll, so ist aus der Präsentation der Stadt Leipzig zu erfahren, ein nachhaltiges Großsportevent werden. Die UEFA hat in ihrem Leitbild definiert, dass während der Europameisterschaft Ressourcen geschont, unnötiges Abfallaufkommen aktiv vermieden und Entstehendes weitergenutzt werden soll. So hat Leipzig ein nachhaltiges Abfallbewirtschaftungskonzept auf den Weg gebracht. Es soll Bildungsarbeit zur Abfalltrennung durch sogenannte Green Volunteers und Sauberkeitsbotschafterinnen und - botschafter der Stadtreinigung geben. Wir BÜNDNISGRÜNE begrüßen die Durchführung von Großsportveranstaltungen, wenn sie, wie im Falle des angesprochenen Konzepts, nachhaltigkeitsorientierten Kriterien entsprechen. Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, Themen wie Herkunft, sexuelle und geschlechtliche Vielfalt oder Gleichberechtigung werden gerade auch in der Fußballwelt kontrovers diskutiert – wie die immer wiederkehrende Frage: Können Frauen wirklich Fußballspiele bei Männermannschaftsduellen pfeifen? Kurze Antwort: Ja, das können sie. Schade, dass Schiedsrichterinnen in der EM keine Chance bekommen, dies unter Beweis zu stellen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Rassismus im Fußball sowie Sexismus im Kontext Fußball sind keine neuen Phänomene. Eine Umfrage des Instituts Allensbach ergab, dass mittlerweile 40 % der deutschen Fußballfans Frauen sind. Umso nachdrücklicher möchte ich daher betonen, dass jegliche Form von sexualisierter Gewalt in und außerhalb von Fußballstadien nichts, aber auch gar nichts zu suchen hat. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN und vereinzelt bei den LINKEN – Beifall der Abg. Juliane Pfeil, SPD) Liebe Kolleginnen und Kollegen! Deutschland ist ein Einwanderungsland, auch oder gerade im Fußball. Neun Spieler der aktuellen Nationalmannschaft haben eine Migrationsgeschichte, und das ist gut so. Dabei geht es nicht nur um die Sichtbarkeit für die deutsche Mehrheitsgesellschaft, es geht auch um die Identifikation der Menschen mit Migrationsgeschichte mit uns, mit unserer Gesellschaft und mit dem, was uns ausmacht. Es geht um das Gefühl, akzeptiert zu sein auf dem Platz und im Alltag – überall. Der Fußball hat diese integrative Komponente. Der organisierte Sport ist die größte Bürgerbewegung auch hier in Sachsen. Allein in sächsischen Vereinen – wir hörten es schon – kicken fast 200 000 Fußballerinnen und Fußballer. Sachsen ist zu Recht Sportland. Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, Sport und gerade Fußball dürfen gesellschaftliche Themen nicht ausklammern. Keine andere Sportart hat eine so gewaltige Kraft, ein ganzes Land mitzunehmen und zu begeistern. Der Fußball hat Vorbildfunktion: Er kann zeigen, wie es gehen kann. Ich finde es sehr wichtig, dass der organisierte Fußball und die Politik dies erkannt haben. Fanprojekte zum Beispiel leisten einen immens wichtigen Beitrag. Sie sind für junge Fans da, machen Projekte zu Demokratie, Vielfalt und Antidiskriminierung. Der Sächsische Fußball-Verband hat eine Anlaufstelle für Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen, und es gibt ein Beratungs- und Bildungsangebot. Es war und ist uns BÜNDNISGRÜNEN ein Herzensanliegen, diese Projekte weiterhin zu unterstützen. Es gäbe noch so viel mehr zu sagen. Vieles haben wir schon gehört. Ich bin auch meiner Kollegin von den LINKEN dankbar für die oft sehr kritischen Worte, gerade auch zur UEFA. Es gibt noch viel zu sagen, zur Fan Zone zum Beispiel oder dazu, was Leipzig in Bezug auf Barrierefreiheit organisiert hat. Hier ist richtig viel in Bewegung gekommen. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ja, Fußball ist Leidenschaft. Nutzen wir diese, um die Werte der Toleranz und des Respekts zu leben. Die UEFA-Fußball-Europameisterschaft soll uns daran erinnern, dass man gemeinsam Großes erreichen kann. Viele von uns hier im Hohen Hause, so auch ich, sehen mit Vorfreude spannenden Begegnungen entgegen. Ich drücke unserer Nationalelf die Daumen. Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lassen Sie mich zum Schluss noch einmal ganz persönliche Worte an Sie richten. Das war wahrscheinlich meine letzte Rede hier im Hohen Haus. Ich möchte mich bei allen Kolleginnen und Kollegen aus den demokratischen Fraktionen bedanken, vor allen Dingen bei den fachpolitischen Sprecherinnen und Sprechern für die wirklich – gerade im Bereich Sport – überaus konstruktive und gewinnbringende Zusammenarbeit. Mir haben die letzten fünf Jahre insbesondere im Bereich Sport ganz viel an Zugewinn gebracht. Ich werde daraus ganz viel mitnehmen. Vielen herzlichen Dank auch Sie, Herrn Sportminister. Herzlichen Dank für die Zusammenarbeit! Danke schön! (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN, bei der CDU, bei den LINKEN sowie bei der SPD) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Jetzt erhält die SPD-Fraktion das Wort. Herr Abg. Panther, bitte.
