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Christian Piwarz

03.05.2024 Sitzungen 7/88

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Der vorgelegte Antrag hat die Fachebene in meinem Haus und auch mich – vorsichtig gesagt – überrascht. Nachahmung ist bekanntlich die höchste Form der Anerkennung, und dass wir der frühkindlichen Bildung und dem Übergang vom Elementarbereich in die Schule besondere Aufmerksamkeit schenken, ist alles andere als neu. Sie haben in Ihren Antrag integriert, was ich Ihnen seit Monaten über unsere Arbeit, über unsere Vorhaben transparent und umfassend berichtet habe. Gleichzeitig schaffen Sie es einmal mehr, dabei Ihre fachlichen Defizite darzustellen. Sie vermengen bereits Beschlossenes mit absurden Vorstellungen über die pädagogische Praxis in der Kindertagesbetreuung. Ihr Antrag und Ihre Forderungen sind vor allem eines: eine Ohrfeige für Tausende pädagogische Fachkräfte im Freistaat Sachsen. (Beifall bei der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN und der SPD) Diese geben tagtäglich ihr Bestes. Sie leisten eine wunderbare Arbeit, betreuen, bilden und erziehen gemeinsam mit den Eltern unsere Kinder. Sie aber sprechen diesen Pädagogen jegliche Professionalität und jegliches pädagogische Feingefühl ab. (Zuruf von der AfD: Blödsinn!) Sie stellen frühkindliche Bildung so dar, als würden bzw. müssten sich die Erzieherinnen und Erzieher den Kindern unterordnen. Ich bin wohlweislich kein Freund von gänzlich offenen Konzepten, aber Sie schießen in Ihrer vereinfachten Darstellung wieder weit über das Ziel hinaus. Dann charakterisieren Sie unsere Kinder auch noch als lustlos und desinteressiert. Das Prinzip der kindlichen Neugier scheint Ihnen völlig neu und das Nutzen derselben für die pädagogische Arbeit fremd zu sein. Wenn Sie sich schon nicht die Mühe gemacht haben, sich ein realistisches Bild von der täglichen pädagogischen Praxis in unseren sächsischen Einrichtungen zu machen, dann hätte ich wenigstens erwartet, dass Sie bezüglich der aktuellen Maßnahmen der Staatsregierung auf dem Laufenden sind, und vielleicht auch, dass Sie Ihren Job machen und wissen, was im Sächsischen Landtag beraten und beschlossen wird. Schon mit unserem Entschließungsantrag, Drucksache 7/13483, wurde formuliert und in diesem Hohen Hause beschlossen, dass der Sächsische Bildungsplan weiterentwickelt wird. Dabei sollen die praxisnahe Anwendbarkeit und die zeitgemäße Ausgestaltung berücksichtigt werden, und es soll in altersadaptierter Form dem ganzheitlichen Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungsauftrag kindgerecht Rechnung getragen werden. Genau das tun wir. Zuletzt habe ich dazu im März in der Plenardebatte ausgeführt. Im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung und mit dem Fokus auf den gesamten Bildungsweg kommt gerade dem Übergang vom Elementar- zum Primarbereich eine besondere Rolle zu. Wir sind weiterhin Spitzenreiter in den bundesweiten Vergleichstests; aber auch in Sachsen erzielen die Schülerinnen und Schüler rückläufige Ergebnisse bei den basalen Kompetenzen. (Unruhe) Der Ansatz, auf diese Ergebnisse auch mit einer Stärkung des Bildungsauftrags im frühkindlichen Bereich zu reagieren, ist richtig. Genau deshalb wird dieser Ansatz in meinem Haus längst verfolgt. Dass ich dafür einstehe, dass im vorschulischen Bereich eine Kultur der verpflichtenden Bildungsinhalte etabliert wird, ist vielseitig kommuniziert und Ihnen bekannt. Die Weiterentwicklung des Bildungsplans wird dem Rechnung tragen. Derzeit arbeiten ausgewiesene Wissenschaftler der frühkindlichen Bildung an einer Expertise, welche einen umfassenden Blick auf den Übergang von der Kita in die Grundschule richtet. (Anhaltende Unruhe – Glocke des Präsidenten) Hierbei werden wissenschaftliche Erkenntnisse der kindheitspädagogischen, entwicklungspsychologischen und schulärztlichen Perspektive berücksichtigt. Unser Blick wird darauf gerichtet sein, zu bestimmen, welche Kompetenzen und Rahmenbedingungen dem Kind einen guten Start in den Primarbereich ermöglichen und wie Eltern und Fachkräfte das Kind dabei bestmöglich begleiten können. Die aus dieser Expertise abgeleiteten Handlungsempfehlungen fließen dann in den Fortschreibungsprozess des Sächsischen Bildungsplans ein. Damit unsere Kinder und Jugendlichen beste Bildungschancen haben, arbeiten das Staatsministerium für Kultus und die Koalitionsfraktionen kontinuierlich an der Weiterentwicklung unseres Bildungssystems, das heißt: gezielte Förderung von Anfang an. Dafür überprüfen wir – wie beschrieben – den Kita-Bildungsplan und binden in die Weiterentwicklung Wissenschaft, Praxis und Öffentlichkeit ein. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die AfD-Fraktion folgt mit diesem Antrag ihrem durchaus bekannten Muster politischer Piraterie. Sie greifen Dinge auf, die bereits laufen, und verkaufen dann die harte Arbeit anderer als ihre eigene. (Gelächter bei der AfD –

Protokoll ↗