landtag.sachsen.de ↗

Wolfram Günther

03.05.2024 Sitzungen 7/88

Es existiert bereits die Biomassenutzung für Biogasanlagen. Davon sind viele errichtet worden, und zwar vor allem unter den Rahmenbedingungen der Einspeisevergütung, wobei wir wissen, dass diese Fristen jetzt ausgelaufen sind. Wir haben uns in unserem Energie- und Klimaprogramm, das wir als Staatsregierung abarbeiten, darauf verständigt, dass wir ein großes Interesse daran haben, bestehende Biogasanlagen im gleichen Umfang beizubehalten. Das ist ein wichtiger Faktor im ländlichen Raum. Dabei müssen wir die geänderten Rahmenbedingungen beachten. Wenn es um Biomasse geht, geht es nicht nur um Energie, sondern auch um stoffliche Nutzung. Damit sind wir schnell wieder beim Zielkonflikt der Landnutzung. Was soll auf einem Quadratmeter Acker entstehen? In der vorangegangenen Debatte wurde ausgeführt, wie die Energieeffizienz einer PV-Anlage gegenüber dem Maisanbau ist, aus dem hinterher Strom gewonnen werden soll. Eine PV-Anlage ist um den Faktor 40 bis 60 effizienter. Deshalb wird es diese Anlagen weiter geben. Aber wir im Freistaat Sachsen setzen ganz klar – sowohl bei der CO - Bindung bei nachwachsenden Rohstoffen als auch deshalb, weil die landwirtschaftlichen Flächen nicht vermehrbar sind – auf die möglichst lange Nutzung von Rohstoffen. Hier nenne ich das Stichwort Kaskadennutzung. Wir wollen keine Pflanzen anbauen, um sie hinterher sofort zu verstromen, wir wollen vielmehr nur deren Reststoffe verstromen. Da sind wir im Freistaat Sachsen relativ weit vorn. Das betrifft zum Beispiel die Gülle in den Biogasanlagen. In diesen Anlagen verwenden wir nur zu einem ganz geringen Prozentsatz Biomasse direkt aus dem Anbau. Genau auf diesem Weg müssen wir weiterkommen. Wir müssen auch neue Möglichkeiten für den Anbau von nachwachsenden Rohstoffen bis hin zu Agroforstsystemen schaffen. Es geht auch um Faserprodukte, wenn man aus fossilen Rohstoffen aussteigt. Das betrifft nicht nur Leinen, sondern Hanfpflanzen und viele andere Pflanzen, aus denen sich Produkte herstellen lassen. Dort haben wir in Sachsen schon sehr rührige Unternehmen. Wir haben ein Textilinstitut, das aus solchen Fasern bereits Kunststoffe für den Automobilbau und andere Anwendungen ersetzen kann. Dort liegen große Zukunftschancen. Der Diskussion darüber, was auf der Fläche für Lebensmittel oder für andere Nutzungen angebaut wird, müssen wir uns weiter stellen. Natürlich brauchen wir unsere Landwirtschaftsflächen ganz wesentlich für Lebensmittel. Das ist der Zielkonflikt, in dem wir uns befinden und den wir permanent aussteuern müssen. Zweiter Vizepräsident André Wendt: Vielen Dank. Wir haben noch Zeit für eine kurze Frage und die darauf folgende kurze Antwort. Bitte schön, Kollege Winkler.

Protokoll ↗