Luise Neuhaus-Wartenberg
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Gleich vorweg will ich sagen, dass wir diesen Antrag begrüßen und ihm auch zustimmen werden. Warum tun wir das? Auch wir haben im Zusammenhang mit dem Lehrkräftemangel immer wieder darauf hingewiesen, dass vor allem die Fächer, die die Kreativität und musischen Fähigkeiten fördern, nicht unter die Räder geraten dürfen. Das wäre bei den gesellschaftlichen Entwicklungen im Land eine Katastrophe. Das liegt daran, dass wir einen Bildungsbegriff verfolgen, der allen jungen Menschen die Chance gibt, ihre Persönlichkeit und ihre Talente zu entfalten. Für uns ist die soziale, die kulturelle und die politische Bildung nicht weniger wichtig als die technische und die naturwissenschaftliche Bildung. Nur aufgeklärte und mündige Menschen werden den wirtschaftlichen Erfolg Sachsens in der Zukunft sichern und zugleich – darin bin ich sicher – für eine demokratische und weltoffene Kultur im Land streiten. Nun zu Ihrem Antrag. Das eine ist der Berichtsteil. Natürlich muss man erst einmal eine Analyse vornehmen. Das ist völlig klar. Dennoch muss ich sagen, dass der aktuelle Zustand nicht völlig unerwartet kam, da wir jahrelang zu sehr auf die MINT-Fächer gesetzt und die sogenannten kreativen Fächer zu wenig gefördert haben. Deshalb braucht man sich am Ende nicht zu wundern. In Ihrem Antrag fordern Sie unter anderem die Evaluation der Studiengänge für ein Lehramt in den Fächern Musik und Kunst. Dabei soll zum Beispiel auf die Aufnahmebedingungen, die Studienerfolgsquote und die berufliche Orientierung nach Studienabschluss eingegangen werden. Gleichzeitig soll ein Handlungskonzept gegen den Unterrichtsausfall entwickelt werden, indem für ein entsprechendes Lehramtsstudium bzw. eine entsprechende Lehrkraft geworben werden soll. Dabei kann ich gleich hinterherschieben, dass es vielleicht klug wäre, das nicht nur für diese Fächer zu tun, sondern sich ein solches Konzept für mehrere andere Fächer zu überlegen. Das wäre schlau, finde ich. Jenseits davon vermissen wir die eine oder andere konkrete Idee, wie das Anwerben von Kunst- und Musiklehrkräften aussehen soll. Die Einstellung von Ein-Fach- und DoppelFach-Lehrkräften für die Fächer Musik und Kunst an allen Schularten halten wir ebenfalls für sehr sinnvoll. Zumindest ist es eine Idee, um zügig Lehrkräfte zu gewinnen. Sabine Friedel ist bereits darauf eingegangen. Wenn nun – ich glaube, seit dem 15. März – die Kultusministerkonferenz genau das empfohlen hat – ich war ähnlich positiv überrascht wie Sabine Friedel –, dann finde ich, sollten wir in Sachsen schnell dazu kommen, das umzusetzen. In meiner Welt gehört es aber dazu, dass eine Lehramtsausbildung in einem Fach grundsätzlich auch für Quereinsteiger(innen) möglich sein muss. Das gilt für alle Fächer. Gegen die Forderung nach einer Teilzeitanstellung haben wir erst recht nichts, weil wir unbedingt alles versuchen und probieren müssen, was möglich ist und was geht. Ganz besonders freuen wir uns darüber, dass Sie erneut eine unserer Forderungen aufgegriffen haben. Sie erinnern sich, wie oft ich hier gestanden und dafür geworben habe, mit außerschulischen Partnerinnen und Partnern zusammenzuarbeiten. Nicht nur, was den Lehrkräftemangel angeht, sondern ganz prinzipiell bin ich der festen Überzeugung, dass diese Art des Unterrichts eine absolute Bereicherung wäre. Das gilt im Übrigen für alle Fächer, aber ganz besonders für den künstlerischen und musikalischen Bereich. Ja, Frau Firmenich hat es angesprochen und ich kann es nur zurückgeben, dass wir mit dem Herzen dabei sind und dabei Frau Kollegin Firmenich und Frau Kollegin Leithoff an unserer Seite wissen. Als Präsidentin des Sächsischen Chorverbandes kann ich ein Lied davon singen, was es bedeutet. Es ist vor allem die Möglichkeit, in eine andere Welt und über den Tellerrand hinaus zu blicken. Auch das muss Bildung leisten, heutzutage noch mehr, als wir es in der Vergangenheit gewohnt waren. Wir müssen zur Kenntnis nehmen: Jede Kooperation braucht Ressourcen, um die genannten Stellen zusammenzubringen und um eine Zusammenarbeit zu verstetigen. Im Handlungskonzept, welches mit dem Antrag entwickelt werden soll, müssen also finanzielle und personelle Ressourcen mitgedacht werden, damit diese Aufgaben auch umgesetzt werden können. Anders wird es nicht gehen. Was uns fehlt, sind sofortige Lösungen wie die bessere Anbindung des Referendariats an den Schuldienst. Zurzeit können angehende Musiklehrkräfte im Doppelfach-Studium nur an fünf Gymnasien in Sachsen ihr Referendariat ablegen. Damit das für alle allgemeinbildenden Schulen geöffnet wird, braucht es keine Entwicklung eines Handlungskonzepts; das kann doch eigentlich sofort umgesetzt werden. Selbst in Bayern – Sabine Friedel hat auch das schon gesagt – ist das Doppelfach besser an den Schuldienst angebunden, obwohl dort der Musik- und Kunstunterricht an den Grundschulen gerade massiv gekürzt wird bzw. gekürzt werden soll. Grundsätzlich müssen wir das Studium nicht nur inhaltlich anpassen – also Lehrinhalte, Lehrmethoden und Studieninhalte –, sondern auch strukturell schauen, was man verändern kann und vor allem auch verändern muss. Dafür brauchen insbesondere die Kommunen dringend Unterstützung, gerade im Hinblick auf das – ich sage das schlimme Wort – Herrenberg-Urteil. Was nicht geht, ist, dass wir im Jahr 2022 knapp 3 600 junge Menschen auf der Warteliste für einen Musikschulplatz haben, die Hälfte davon im ländlichen Raum. Die urbanen Zentren können möglicherweise ihre Bildungseinrichtungen halten. Aber was ist denn dann mit dem ländlichen Raum? Wir haben vor Kurzem darüber diskutiert. Ich muss nur in meinen Landkreis – Nordsachsen – schauen. Wenn sich nicht dringend und bald etwas ändert, dann brauchen wir kaum noch Musikschullehrkräfte auszubilden, weil es vermutlich gar keine Arbeitsplätze mehr dafür geben könnte. Auch darüber hat sich meine Fraktion bereits Gedanken gemacht. Im nächsten Wissenschaftsausschuss werden wir zu einem von uns gestellten Antrag anhören. Ohne die Förderung von Kreativität und ohne die Möglichkeit, eigene Ideen zu entwickeln und auszuprobieren, wird auch das Bild, welches junge Menschen von der Welt malen, immer pessimistischer. Das dürfen wir keinesfalls zulassen. Es geht natürlich auch um Wertschätzung in der Kunst- und Kulturszene. Gerade während der Coronapandemie haben wir gemerkt, dass dieser wertvolle Bereich unseres Lebens zu wenig beachtet worden ist. Leider scheint das an Stellen auch heute noch so zu sein. Was bleibt, ist, dass sich immer weniger junge Leute für einen sogenannten perspektivlosen Beruf entscheiden. Wir als Linksfraktion und insbesondere mein Kollege Franz Sodann kämpfen seit Jahren darum, dass wir in Sachsen endlich eine faire Vergütung in der Kunst- und Kulturszene haben. Im Übrigen kämpft er auch morgen schon wieder darum. Das Hohe Haus hätte die Gelegenheit, bei der Abstimmung über unseren Antrag zur fairen Vergütung mit Ja zustimmen. Ich finde, so schwer wäre das eigentlich gar nicht. Ich sage es noch einmal: Wir stimmen Ihrem Antrag zu. Haben Sie herzlichen Dank. (Beifall bei den LINKEN) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Gibt es weiteren Redebedarf vonseiten der Fraktionen? – Das scheint nicht der Fall zu sein. Herr Minister, Sie haben das Wort.
