Sabine Friedel
Vielen Dank, Frau Präsidentin. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Ausführungen meiner Vorrednerinnen, Frau Firmenich und Frau Melcher, tragen dazu bei, dass ich mir viele Worte sparen kann und nur noch ein, zwei Ergänzungen machen möchte. Sie haben ausführlich über die Wichtigkeit von künstlerischer, musischer, ästhetischer Bildung gesprochen, dass sie hilft, Kreativität zu entwickeln, dass sie hilft, Sozialverhalten auszubilden. Ich möchte noch einen dritten Punkt hinzufügen, weil auch das immer eine große Debatte in der Bildungspolitik ist. Musische, künstlerische, ästhetische Bildung – kurz gesagt: kulturelle Bildung – hilft auch in der emotionalen Entwicklung von Menschen. Wir wissen alle selbst, wie es uns geht, wenn wir Musik hören, wie wir Musik mit bestimmten Emotionen verbinden, wie es auch hilft, sich mit Kunstwerken auseinanderzusetzen. Wenn wir relativ oft die Klage hören, dass eine ganze Reihe von Kindern nicht in der Lage wäre, sich emotional zu regulieren, dann liegt das vielleicht auch daran, dass sie nicht genügend Anknüpfungs- und Berührungspunkte mit kulturellen Sinneseindrücken haben. Deshalb ist es völlig richtig, was Frau Firmenich schon sagte: Wenn wir ganzheitliche Bildung wollen, dann gehören Fächer wie Musik, Kunst und Sport ganz klar dazu und auch fest in die Stundentafeln. Ich bin ebenfalls sehr froh, dass wir in Sachsen bei aller Debatte um die basalen Kompetenzen und um die Kernfächer nicht den Weg gehen, der in Bayern diskutiert wird, und in der Stundentafel Musik und Kunst weiter hintanstellen, um Mathematik und Deutsch zu stärken, sondern, dass wir deutlich machen: Das sind Fächer, die einen festen Platz haben. Deshalb ist es auch wichtig und richtig, dass wir – Frau Melcher hat es als Kernstück des Antrags betrachtet – überlegen, wie wir es schaffen, den Unterricht sicherzustellen. Das heißt auch, sicherzustellen, dass die theoretisch in der Stundentafel verankerten Stunden praktisch auch wirklich gehalten werden. Dabei ist das Stichwort Ein-Fach-Lehramt das Stichwort für die Lösung der Probleme. Ich möchte den Schirm ein wenig größer spannen, und ich sage das hier nicht zum ersten Mal: Deutschland geht nicht nur in der Frage des gegliederten Schulsystems einen Sonderweg. Weltweit lernen Kinder von der 1. bis zur 10. Klasse zusammen und gehen danach entweder ins Abitur oder in die Berufsausbildung. Nur in Deutschland, in Österreich und der Schweiz trennt man bereits nach der 4. Klasse. Aber das ist nicht die einzige Besonderheit dieser drei Länder. Die zweite Besonderheit ist, dass nur in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz Lehrkräfte zwei Fächer haben müssen. Überall sonst auf der Welt gibt es Mathelehrer oder Chemielehrer oder Musiklehrer, aber keine Lehrer für Mathe-Bio oder Chemie-Physik. Natürlich können Lehrkräfte auch in anderen Ländern der Welt zwei, manchmal drei oder sogar vier Fächer unterrichten, weil sie sich das Wissen in diesen Fächern angeeignet haben. Aber die Erstausbildung als Lehrkraft konzentriert sich auf ein Fach und auf das pädagogische Wissen. Der Sonderweg, den Deutschland seit vielen Jahrzehnten gemeinsam mit Österreich und mit der Schweiz wählt, führt auch dazu, dass wir einen solchen Lehrermangel haben. Nicht umsonst empfehlen Institutionen wie die Bertelsmann Stiftung bereits seit vielen Jahren, sich der Ausbildung Ein-Fach-Lehramt – also, nur einem Fach – zuzuwenden, weil das auch die Möglichkeit bietet, den bildungswissenschaftlichen Bereich im Lehramtsstudium zu stärken. Das ist dringend notwendig, damit Lehrkräfte sich besser mit Kindern auseinandersetzen und individuelle Förderung auch wirklich leisten können. Insofern ist es eine tolle Sache, dass die Kultusministerkonferenz seit ein paar Wochen etwas gemacht hat, was man vorher nie für möglich gehalten hätte: Sie hat sich dafür ausgesprochen, den Weg ins Ein-Fach-Lehramt zu nehmen. Ich kann mich noch erinnern, als ich vor vielen Jahren hier mit Bildungspolitik anfing. Ich hatte lange Diskussionsrunden, in denen es immer – selbst wenn mein Gesprächsgegenüber manchmal sagte, dass es vielleicht sinnvoll mit nur einem Fach sei – am Ende darum ging, dass die Kultusministerkonferenzvorgaben das nicht zulassen. Nun hat sich der Wind gedreht, und deshalb ist der Punkt II 2 b in unserem Antrag Ein-Fach-Lehrkräfte einzustellen, wirklich ernst gemeint. Sachsen sollte Vorreiter werden. Wenn die Kultusministerkonferenz schon eine Reform auf den Weg bringt, dann sollten wir auch die Ersten sein, die diese guten Möglichkeiten nutzen und damit auch den Mut haben, dasselbe wie bei den Seiteneinsteigern zu machen. Darin waren wir bundesweit Vorreiter. Wir haben als eines der ersten Bundesländer nicht nur Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger eingestellt, sondern wir haben sie vorher qualifiziert, bevor wir sie in die Schulen geschickt haben. Wir haben ihnen eine berufliche Qualifizierung im Laufe ihrer Lehrtätigkeit angeboten. Dieses Vorreiterdasein, das Sachsen sich damit erworben hat, könnten wir auch im Bereich Ein-Fach-Lehrämter machen. Musik und Kunst sollten dabei der erste Schritt sein; dem dient der Antrag. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD, der CDU, den LINKEN und den BÜNDNISGRÜNEN) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Und für die AfD Herr Kühne, bitte.
