Sabine Friedel
Vielen Dank, Herr Präsident. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die AfD-Fraktion will in ihrem Antrag im Punkt II.1 die frühkindliche Bildung verbindlich verankern. Ich frage mich: Wo war die AfD am 1. Juni 2023? Damals haben wir genau das hier im Parlament gemacht. Wir haben das sächsische Kitagesetz novelliert. Darin finden Sie einen sehr großen, völlig neu gestalteten Absatz zum Bildungsauftrag in den sächsischen Kitas. Wir haben diese Novelle am 3. März im Schulausschuss öffentlich angehört. Wo war die AfD? Es ist Ihnen offenbar nicht mehr erinnerlich. Oder: Wir haben diese Kitanovelle am 22. Mai im Schulausschuss beraten und zur Beschlussfassung ans Plenum empfohlen. Wo war denn die AfD? (Zuruf des Abg. André Barth, AfD) Vielleicht hatte Herr Weigand so viel Wahlkampf im Kopf, dass er Ihnen davon nicht berichten konnte, aber auch hier gilt: Ein Blick ins Gesetz erleichtert die Tatsachenfindung in diesem Fall. Die frühkindliche Bildung ist im sächsischen Kitagesetz seit dem 1. Juni 2023 verankert. Im zweiten Punkt fordern Sie eine Aufwertung der Kernfächer Deutsch und Mathe in der Grundschule. Von meinen Vorrednerinnen und Vorrednern wurde es schon angesprochen. Haben Sie in den letzten ein, zwei Wochen einmal Zeitung gelesen? Ist Ihnen aufgefallen, dass genau das gerade im Kultusministerium passiert ist, dass sich die Schulen schon seit einigen Wochen darauf vorbereiten? (Zurufe von der AfD) Möglicherweise nicht, aber vielleicht kam auch der Wahlkampf dazwischen. Ich komme zum dritten Punkt: Sie beantragen, dass es sofort verbindliche Mindeststandards zum Übergang auf weiterführende Schulen geben soll. Die gibt es schon seit 1992 in unserem Schulgesetz. Wo war die AfD? – Nein, damals waren Sie tatsächlich noch nicht da, das stimmt. Aber Sie hätten seither 30 Jahre Zeit gehabt, sich mit unserem Bildungssystem vertraut zu machen und zur Kenntnis zu nehmen, dass es zum einen nicht nur die Möglichkeit gibt, ein Schuljahr zu wiederholen, wenn man die verbindlichen Standards nicht erfüllt, sondern dass es zum anderen eine Bildungsempfehlung gibt, die einen durchaus sortierenden Charakter hat. Weiterhin will ich mit einem Gerücht aufräumen. Herr Peschel, Sie sagen: Immer mehr gehen aufs Gymnasium, und das sei alles so schlimm. Schauen Sie sich bitte einmal die Wirklichkeit an! Letzte Woche gab es eine Pressemitteilung des Kultusministeriums zum Thema Bildungsempfehlung. Wenn Sie die durchlesen, dann entdecken Sie: Von denen, die eine Empfehlung fürs Gymnasium haben, gehen 19 % trotzdem auf die Oberschule. Von denen, die eine Empfehlung für die Oberschule haben, gehen nur 6 % trotzdem aufs Gymnasium. Wir haben einen Run auf die Oberschule und nicht auf die Gymnasien. Wenn wir bei Tatsachen sind, noch ein anderer Punkt zu der Frage, wie es sich besser hinbekommen lässt, dass Berufsvorstellungen von jungen Menschen in die MINTRichtung gehen: (Jan-Oliver Zwerg, AfD, steht am Mikrofon.) Es gibt eine Menge Untersuchungen dazu – ich führe den Gedanken noch zu Ende, Herr Zwerg, dann gern; denn das bringt uns Redezeit –, dass sich junge Mädchen zum Beispiel viel stärker für MINT-Berufe interessieren – wenn man sie so benennt, wie sie Mädchen gegenüber zu benennen sind. Wenn gefragt wird, willst du einmal Ingenieurin werden, dann sagen viel mehr junge Mädchen Ja, als wenn man sie fragt: Willst du mal Ingenieur werden? Wenn wir immer nur von dem Ingenieur und der Krankenschwester reden und nicht wenigstens ab und an einmal von der Ingenieurin und dem Krankenpfleger, (André Barth, AfD: Und dem Krankenbruder!) dann bildet sich diese Sprache in der Realität ab wie heute. Zweiter Vizepräsident André Wendt: An Mikrofon 5 Kollege Zwerg mit der Zwischenfrage, die bereits zugelassen ist. Bitte schön, Herr Kollege.
