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Thomas Löser

GRÜNE 21.03.2024 Sitzungen 7/86

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Thema „Holz“ begeistert, es ist beeindruckend. Das Bauen mit Holz spannt den Bogen von mittelalterlichen Fachwerkhäusern, die heute noch bewohnt werden, bis hin zu HighTech-Konstruktionen von großen Hallen mit riesigen Spannweiten, von einfachsten Konstruktionen, die man schon mit Kindern nachbauen kann, bis hin zu hochkomplexen Holz-in-Holz-Verbindungen, die nur die erfahrensten Zimmerleute beherrschen. Holz ist ein regional verfügbares, umweltfreundliches und CO - bindendes Material mit vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten vom Zaunpfahl bis zur kostbaren Intarsie. Wir BÜNDNISGRÜNE bekennen uns ganz klar zur sächsischen Holzbauinitiative, die wir dankenswerterweise in den letzten vier Jahren in der Koalition vorangebracht haben und die von Staatsminister Schmidt und dem Staatsministerium für Regionalentwicklung mit großem Engagement getragen wird. (Beifall bei der CDU) Es ist kein Geheimnis, dass in der Koalition immer wieder einmal Späne gemacht werden. Beim Holzbau bleibt das erfreulicherweise aus, da ziehen wir an einem Strang. Ich darf an dieser Stelle meinen Dank an die Staatsregierung und an die geschätzten Kolleginnen und Kollegen hier im Sächsischen Landtag aussprechen. Ganz besonders freut mich die positive Entwicklung, die das Holzbaukompetenzzentrum dank der im Haushalt verankerten Förderung nehmen konnte. Dort werden wesentliche Akteurinnen und Akteure vernetzt, wegweisende Projekte unterstützt, und vor allem tragen die Veranstaltungen herausragende nationale und internationale, aber auch sächsische Beispiele für gelungene Architektur mit Holz in die Öffentlichkeit. Der nächste Sächsische Holzbautag steht auch schon an, und ich freue mich auf die neuen Impulse. Wir hatten die Staatsregierung beauftragt, in Zusammenarbeit mit der Koalition selbst als Bauherr öffentlicher Bauten stärker auf den Einsatz von Holz zu setzen. Erste Projekte sind inzwischen abgeschlossen. Als ein besonders schönes Beispiel für eine exklusive staatliche Baumaßnahme ist mit Sicherheit das Gestüt in Moritzburg gut bekannt, das es sich anzuschauen lohnt. Passend war die Wahl von Holz als Baustoff auch bei der Lehrwerkstatt des Sachsenforstes in der Dresdner Heide. Die Gestaltung war so überzeugend, dass das Projekt den ersten Platz beim letzten sächsischen Holzbaupreis erzielen konnte, für den aktuell auch wieder der Aufruf läuft. Es gibt in Sachsen noch weitere spannende Projekte. Sie sind gerade angesprochen worden. Mit großer Aufmerksamkeit verfolgen alle Interessierten in diesem Bereich das Holzhochhaus, das gerade in Leipzig-Paunsdorf mit sehr vielen Etagen entstehen soll und das überwiegend als Sozialwohnungsbau geplant wird. Anderswo auf der Welt, zum Beispiel in Norwegen oder in Österreich, sind Hochhäuser mit Holztragwerken schon länger etabliert. Für uns in Deutschland ist das noch nicht alltäglich. Umso mehr freue ich mich, dass wir in Sachsen damit jetzt deutlich vorangehen. Holzkonstruktionen eignen sich in ganz besonderer Weise auch für die Vorfertigung von Elementen, also von ganzen Decken oder Wänden, die komplett mit allen gewünschten Oberflächen, seien es Fliesen oder gespachtelte Platten und mit den nötigen Installationen für Kabel oder Wasserleitungen bis hin zu Fußbodenheizungen, vorgefertigt auf die Baustelle gebracht werden und dann in kürzester Zeit montiert werden können. Hier in Dresden haben wir das am Schilfweg mit einem Schulgebäude ausprobiert, das dringend als Ausweichstandort für die Sanierung anderer Schulen benötigt wurde. Und das hat sehr gut geklappt. Es ist nicht nur vorzeitig fertig geworden, sondern die Architektur und die Qualität der Innenräume sind sehr ansprechend und überzeugend. Neben Holz als Material für tragende Strukturen, aber auch im Ausbau für Bodenbeläge oder ganz klassisch für Fenster oder Türen, möchte ich noch auf eine andere wichtige Materialgruppe eingehen, nämlich nachwachsende und naturnahe Baustoffe wie Stroh, Lehm oder Hanf. Einzeln oder auch in sinnvoll gewählten Kombinationen können sie für die Wärmeisolierung oder den Ausbau von Gebäuden eingesetzt werden. Das Potenzial dieser Baustoffe muss dringend aus der Nische geholt werden, in der sie bis jetzt noch steckt. Wir verwenden zurzeit – das kennen Sie – für den Trockenbau vor allem Gipskartonplatten oder Dämmstoffe aus erdölbasierten Rohstoffen, die in der Herstellung vor allem energieintensiv sind und am Ende ihrer Lebenszeit als Sondermüll Probleme bereiten und auf Deponien landen. Das kann man heutzutage mit Trockenbauplatten aus Lehm und Dämmungen aus Holzwolle und Hanffasern ersetzen. Auf der Baumesse letzte Woche hier in Dresden waren zahlreiche erprobte Anwendungen des sächsischen Handwerks zu sehen. Wir BÜNDNISGRÜNE wollen diese Bauwende, eine Ausrichtung der Bauindustrie beim Neubau und der Sanierung dieser Bestände auf Klimaneutralität und den Schutz unserer Lebensgrundlagen. Natürlich bedeutet das, dass wir uns von mancher Gewissheit der Vergangenheit und Gegenwart abwenden müssen, um Ressourcen mit Weisheit zu verwenden und negative Folgen, zum Beispiel Bauschutt als Sondermüll, nicht auf kommende Generationen abzuwälzen. Es bedeutet aber auch eine fortwährende Evaluation unserer Bauweise. Wenn man den Begriff der Bauwende nicht mag, kann man gern von Bauevolution oder von Baurevolution sprechen. Erst vor wenigen Tagen durfte ich an der Preisverleihung des Sächsischen Baupreises für das Bauen der Zukunft teilnehmen. Nachhaltig, innovativ und zirkulär waren die Leitkriterien für viele wirklich beeindruckende Ideen aus ganz Sachsen. Unter anderem wurde ein neu entwickelter Verbundziegel vorgestellt, der komplett aus Ziegelbruch – also aus alten Ziegelsteinen, die zerhackt werden – gebildet wird und die gleichen Anforderungen wie der Originalziegel erfüllt. In dieser Richtung müssen wir weiterkommen und deshalb haben wir den vorliegenden Antrag eingebracht. Wer schon einen Blick in die Stellungnahme der Staatsregierung geworfen hat, konnte sehen, dass vieles schon auf einem guten Weg ist. Ich werbe deshalb um Zustimmung für unsere Initiative. Halten wir das Thema weiter auf der Agenda und geben wir der Sache Rückenwind. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN und der CDU) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Kollege Löser sprach für die Fraktion BÜNDNISGRÜNE. Kollege Winkler spricht nun für die SPD-Fraktion.

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