landtag.sachsen.de ↗

Martina Jost

AfD 21.03.2024 Sitzungen 7/86

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Damen und Herren Abgeordnete! Das meiste ist eigentlich bereits in den Diskussionsbeiträgen gesagt worden. Warum sprechen wir über Alleinerziehende? Zunächst, weil es leider immer mehr von ihnen gibt. Die Zahlen sind steigend und in der Regel entscheiden sich Mann und Frau nicht freiwillig dafür, alleine Kinder großzuziehen. (Zuruf der Abg. Sarah Buddeberg, DIE LINKE) Es ist bitter, wenn ein Viertel der sächsischen Familien inzwischen alleinerziehend ist und davon 45 % von Armut bedroht sind. Diesen Problemen – das haben wir gehört – widmet sich die Politik zu Recht. Das muss sie auch tun. Ein Blick – Frau Buddeberg, Sie haben es gerade erklärt – auf die Webseite vom Frauennetzwerk „ALISA – Alleinerziehend in Sachsen“ zeigt übersichtlich Informationen für Alleinerziehende zu rechtlicher und finanzieller Unterstützung sowie zu den Beratungsangeboten. Dort findet man auch die Ergebnisse Ihres Runden Tisches. Es gibt umfangreiche Unterstützungsangebote. Es ist eine Querschnittsaufgabe, Frau Gockel hat es erwähnt. Ein frei bestimmtes Leben für Alleinerziehende hängt immer von der ökonomischen, von der finanziellen Unabhängigkeit ab. Sicher kann man dort noch vieles tun. Diese ganzen Punkte, auch die Rahmenbedingungen, sind alle schon genannt worden. Heute Morgen sind – das hat nur mittelbar etwas damit zu tun – die Zahlen zum Rückgang der Geburtenrate herausgekommen. Sie waren seit 2009 noch nie so schlecht, innerhalb von zwei Jahren kam dieser Absturz. Es wurden auch die Bedingungen für Familien genannt: Es sind die Inflation, der Wohnraummangel etc., wir haben das gestern alles besprochen. Das sind ungünstige Bedingungen und diese treffen natürlich auch auf Alleinerziehende zu. Ich würde das gern von einer anderen Seite beleuchten; es ist ein wichtiger Aspekt, der noch nicht genannt wurde: Warum entscheiden sich Paare dazu, sich zu trennen, (Zuruf des Abg. Rico Gebhardt, DIE LINKE) wenn Kinder davon betroffen sind? Die Vielfalt der Lebensentwürfe als Begründung ist doch einfach zu wenig, wenn dabei Armut entsteht. (Zuruf der Abg. Luise Neuhaus-Wartenberg, DIE LINKE) Zahlen, Daten und Fakten zu Wirklichkeiten von Alleinerziehenden sind nötig. Wie viele getrennte Paare leben bereits wieder in Beziehungen? Wie sind die Modelle der Kinderbetreuung? Das ist alles genannt worden. Hier ist Ursachenforschung gefragt; denn wir müssen diesem gesellschaftlichen Phänomen soziologisch auf den Grund gehen. Sie ahnen es schon – fangen Sie nicht gleich wieder an zu schreien –: Aus unserer Sicht ist neben der freien Entscheidung des Einzelnen ein positives Bild der Familie zu zeichnen. Wir müssen junge Leute wieder dazu animieren, die Verantwortung in der Familie, auch für Kinder, gemeinsam zu übernehmen. (Sabine Friedel, SPD: Und wie?) DIE LINKE macht diese Debatte auf, aber es ist doch genau das Ergebnis ihrer Politik und des Zeitgeists. Seit Jahrzehnten streben insbesondere linke politische Strömungen eine Gesellschaft von Individualisten an. Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung stehen an erster Stelle. Das Ergebnis beklagen sie nun. Ja, Partnerschaft ist anstrengend. Das wissen wir alle. Und sie gelingt auch nicht immer. Aber glauben Sie mir, keine alleinerziehende Frau oder kein alleinerziehender Mann möchte das auf Dauer bleiben. (Luise Neuhaus-Wartenberg, DIE LINKE: Woher wissen Sie das?) Nein, es wird immer wieder nach einem Familienmodell gestrebt; denn zu zweit ist es einfacher ein Kind oder Kinder großzuziehen und die Verantwortung zu teilen. Da sind wir dann wieder bei einer Familie. Also: Zeichnen wir ein positives Bild von Familie! Stabile Familienverhältnisse sind die beste Voraussetzung für unsere Kinder, sicher aufzuwachsen. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Die BÜNDNISGRÜNEN und die SPD haben keine Redezeit mehr. Deswegen frage ich noch einmal die Linksfraktion. – Frau Abg. Schaper.

Alle Reden von Martina Jost Protokoll ↗