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Ines Saborowski

CDU 20.03.2024 Sitzungen 7/85

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Es gibt wohl kaum eine Erfahrung im Leben einer Frau, die emotionaler ist als eine Geburt. Seit Beginn der Menschheit läuft eine natürliche Geburt, dieser ursprüngliche und bewegende Moment im Leben, weitgehend gleich ab; und trotzdem hat sich eine ganze Menge geändert, und zwar immer mit dem Ziel, dieses nachhaltig wirkende Ereignis besser zu machen. So wurde zu meiner Zeit noch das Baby relativ schnell von der Mama getrennt, in einem Säuglingszimmer versorgt und dann alle paar Stunden zum Stillen wieder zurückgebracht. Kurze Zeit später gab es dann Rooming-in. Die Neugeborenen und ihre Mütter durften die ganze Zeit zusammenbleiben. Das war ein großer Vorteil für Mutter und Kind; denn so wurden die frühe Bindung gestärkt und das Stillen gefördert. Auch haben Väter heute einen festen Platz im Kreißsaal zur seelischen Unterstützung der werdenden Mütter. Was lange Zeit ein No-Go war, ist heute eine Selbstverständlichkeit. Die Geburtsmethoden haben sich ebenfalls geändert: Vom schlichten Entbindungsbett über die Wassergeburt bis hin zur ambulanten Geburt ist heute vieles möglich. Viele werdende Eltern machen sich Gedanken, wie die Geburt wohl werden wird: Was ist richtig, was ist falsch und wie können wir uns optimal auf die Geburt vorbereiten? Dabei begegnet uns immer wieder ein Begriff: die selbstbestimmte Geburt. Doch was genau ist eine selbstbestimmte Geburt? Eine selbstbestimmte Geburt ist es dann, wenn die Mutter aktiv Entscheidungen über ihren Geburtsprozess trifft; egal, ob zu Hause, im Geburtshaus oder in einer Klinik. Sie entscheidet über die Anwesenheit medizinischen Personals, über verschiedene Schmerztherapien und viele andere Aspekte. Einfach gesagt: Jede Geburt würde somit für die Mama und das Baby so gestaltet werden, dass es unter individuellen Umständen am besten versorgt wird. Doch auch wenn das Wort „selbstbestimmt“ schon vieles aussagt, fragen sich viele Schwangere, wie genau und ob sie die Geburt wirklich selbst bestimmen können und ob sie das auch wollen. Gerade Erstgebärende sind oft sehr unsicher und lassen sich lieber von Erfahrungen leiten. Dies zeigt auch, dass die überwiegende Zahl aller Geburten in Deutschland vor allem in Kliniken stattfindet – es sind immerhin 98 %. Der medizinische Fortschritt bringt Sicherheit und Gewissheit in den Prozess der Schwangerschaft. So sterben heute kaum noch Mütter an den Folgen einer Geburt, und Erkrankungen des Babys können frühzeitig erkannt und behandelt werden. Wurden noch bei 90 % aller Geburten routinemäßig Interventionen durchgeführt, zum Beispiel das Legen eines venösen Zugangs, die Eröffnung der Fruchtblase, zu frühes Pressen statt aktives Mitschieben, ein Dammschnitt usw., ist es heute in vielen Krankenhäusern möglich, selbstbestimmt und sanft zu gebären. Dabei profitieren die Frauen und ihre Babys von den notwendigen medizinischen Möglichkeiten, die sie gegen eventuell auftretende Probleme bestens absichern. Damit jede Schwangere die für sich richtige Entscheidung treffen kann, ist es wichtig, sich rechtzeitig Gedanken zu machen, Wünsche zu äußern, aber auch Alternativen zu akzeptieren. Sie brauchen während der Schwangerschaft einen niedrigschwelligen Zugang zu medizinischem Fachpersonal, eine kompetente Schwangerschaftsberatung und -betreuung, zum Beispiel durch eine Hebamme. Zur Geburtsvorbereitung gehören die Aufklärung mit gut verständlichem Aufklärungsmaterial für die Schwangeren, eine Beratung bezüglich der Wahl des Geburtsortes und wer bei der Geburt dabei sein soll sowie die Entscheidung zwischen Kaiserschnittgeburt oder physiologischer Geburt. Ganz wichtig ist neben aller fachlicher Expertise: Eine Geburt benötigt vor allem Verlässlichkeit, Zugewandtheit und Zeit für die Betreuung. Ebenfalls darf die postnatale Versorgung von Mutter und Kind nicht vergessen werden. Sie gehört zu der allumfassenden, erforderlichen medizinischen Versorgung. Was wir noch tun können bzw. was wir in diesem Bereich auch schon gemacht haben, werde ich dann in einer zweiten Runde ausführen. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU und den BÜNDNISGRÜNEN) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Für die AfDFraktion Herr Abg. Schaufel.

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