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Marika Tändler-Walenta

Die Linke 01.02.2024 Sitzungen 7/83

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Der Titel der Aktuellen Debatte „Breitensport und Spitzensport – Sachsen zeigt, wie es geht“ erinnert eher an einen Werbeoder Wahlkampfslogan. Doch das sei Ihnen, werte Kolleginnen und Kollegen der CDU-Fraktion, gegönnt. (Sören Voigt, CDU: Werbung für Sport!) Ja, Prestigeprojekte wie die Rennschlitten- und Bobbahn in Altenberg – eine Strecke, die als eine der anspruchsvollsten und gefährlichsten der Welt gilt und am Wochenende 7 000 Besucher(innen) anzog – sind gut für die Region und sind gut für Sachsen. Doch auch diese Prestigeprojekte täuschen nicht über den Zustand der sächsischen Sportlandschaft hinweg. Für uns gehören der Freizeit- und Breitensport, der Leistungssport und die Nachwuchsförderung zusammen; denn es ist ganz logisch: Ohne Breitensport wäre kein Spitzensport möglich. In der kommunalen Sportförderung haben jedoch der Breitensport und der Sport im Verein im Mittelpunkt zu stehen. Damit sind wir schon beim großen Elefanten im Raum: dem Investitionsstau in Milliardenhöhe in sächsischen Sportstätten. Dieser beläuft sich auf schätzungsweise 1,5 Milliarden Euro. Marode Sportstätten, geschlossene Schwimmhallen oder Außensportanlagen, die seit Jahrzehnten keine Sanierung erleben durften, sind hierfür die besten Zeugen. Ich sage Ihnen auch, wer die sächsische Sportlandschaft in Zeiten multipler Krisen aufrechterhalten hat: Das waren die Sportvereine selbst. Das waren umtriebige Vereinsaktive, engagierte Sportler(innen), Ehrenamtliche in allen Bereiche, ein Netzwerk aus städtischen Akteuren, Unternehmen sowie die Menschen vor Ort in den Kommunen und Kreisen. Auch die Problemlagen der Vereine sind mittlerweile bekannt: Schwankungen der Mitgliederzahlen, Nachwuchsprobleme – insbesondere innerhalb der Vereinsstrukturen –, Belegungszeiten und Hallengebühren, und nun kommen auch noch die durch die Inflation gestiegenen Kosten für die Vereine hinzu. Die Hilferufe vonseiten der Kommunen und der Vereine sind uns zur Genüge bekannt. So erreichte den Ministerpräsidenten und auch Sie, Herr Innenminister Schuster, im Oktober letzten Jahres ein offener Brief vom Präsidenten des Kreissportbundes Zwickau, in dem er auf den Mangel an Sportstätten hingewiesen hat. Dabei hat er betont, dass nun ein kritischer Punkt für die Vereine erreicht ist. Die Forderung lautet, den Investitionsstau um jährlich mindestens 10 % abzubauen sowie eine deutliche Erhöhung der derzeitigen Förderquote zur finanziellen Entlastung aller Gemeinden und Kommunen zu beschließen. Als LINKE sind wir überzeugt, dass wir dem nur mit einem Sonderinvestitionsprogramm Sport begegnen können; denn wir sprechen bei einem Investitionsstau von 1,5 Milliarden Euro nicht von Neubauten, sondern lediglich von der Instandhaltung der bestehenden Sportstätten. Daher benötigen wir ein solches Programm – und das am besten sofort. (Beifall bei den LINKEN) Ein weiteres Thema, das hier angesprochen gehört – obwohl Sie sich sicher eigentlich einen Applaus abholen wollten –, ist das Thema Inklusion. Um flächendeckende Barrierefreiheit an den Sportstätten zu erzielen, braucht es noch einen langen Weg. Eine Koordinierungsstelle in Sachsen, zum Beispiel beim Reha- und Behindertensportverband, wäre ein Anfang. Wir als LINKE sagen ganz klar: Inklusiv im Regelsport muss das gemeinsame Ziel sein. (Beifall bei den LINKEN) Auch bei den Themen Antidiskriminierung im Sport oder Sportunterricht muss die Staatsregierung deutlich mehr Engagement zeigen. So scheiden bis zum Jahr 2027 540 Sportlehrer(innen) aus diesem Beruf aus. Von den gekürzten Mitteln im Bereich Integration durch Sport möchte ich erst gar nicht anfangen. Eines möchte ich Ihnen noch mitgeben, weil wir in diesem Jahr die EM vor der Tür haben: Solange es im Spitzensport für viele Sportarten – vor allem für den Breiten- und Schulsport – an Geld fehlt, solange die Rahmenbedingungen für die Vereine nicht stimmen, solange Inklusion und Integration durch Sport nicht engagierter vonseiten der Landesregierung betrieben werden, lehnen wir Großsportveranstaltungen ab – ob nun Olympia oder EM. (Beifall bei den LINKEN) Ganz nebenbei ein kleiner Hinweis: Durch eine Kleine Anfrage meines Bundestagskollegen André Hahn kam heraus, dass in keinem – in keinem! – (Zuruf von der AfD: Doch! In einem!) der zehn Stadien der diesjährigen Fußball-EM die Anzahl der geplanten Rollstuhlplätze den rechtlichen Vorgaben von einem Prozent der Besucher(innen)zahlen entspricht. – So viel zur Teilhabe für Menschen mit Behinderungen. Ob nun in Altenberg oder anderswo: Sport verbindet und war schon immer auch politisch. Sport basiert auf gemeinsamen Werten; er beruht auf Frieden und auf der Gleichwertigkeit aller Menschen. Daher haben sich in ganz Sachsen Sportlerinnen und Sportler, Sportfunktionäre, Sporttreibende und auch viele Fußballfans organisiert und vor allem positioniert – zuletzt Dynamo Dresden. Ich appelliere in diesem Sinne an alle Vereine in diesem Land, ebenso starke Worte zu finden wie der nun scheidende Präsident der Eintracht, Peter Fischer, schon im Jahr 2017: Wer die AfD wähle, eine Partei, in der es rassistische und menschenverachtende Tendenzen gibt, könne kein Mitglied in unserem Verein sein. Denn wenn jemand dem Verein beitrete, stimme er oder sie zu, die Werte der Frankfurter Eintracht zu beachten und zu leben: (Holger Hentschel, AfD: So viel zu „Sport bildet“!) Keine Diskriminierung, kein Rassismus und kein Antisemitismus. In diesem Sinne: Sport frei! (Beifall bei den LINKEN)

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