Torsten Gahler
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Ich spreche hier nicht nur als Abgeordneter des Sächsischen Landtags, (Rico Gebhardt, DIE LINKE: Ach!) sondern auch als Lehrbeauftragter mit 27 Jahren Lehrerfahrung an der Berufsakademie Sachsen. (Susanne Schaper, DIE LINKE: Schlimm! – Lachen des Abg. Frank Richter, SPD) Ich habe meine ersten Vorlesungen noch in Holzbaracken auf der Weinbergstraße und der Heideparkstraße halten dürfen. Trotz schwieriger räumlicher Ausstattung und technischer Anbindung in den Anfangsjahren waren schon damals der Leistungswille der Studenten und der erhöhte persönliche Einsatz durch das BA-Personal und die Lehrbeauftragten spürbar. Der unbedingte Leistungswille der Studenten führte häufig zu zusätzlichen unbezahlten Vorlesungen, weil der Wissensdurst groß war. Es haben sich viele davon einen Vorteil für das spätere Berufsleben versprochen. Dieser trat dann auch tatsächlich ein. Gerade im Fachbereich Steuern und Prüfungswesen war sichtbar, dass bei der späteren beruflichen Karriere die häufig schwierige Steuerberaterprüfung zu meistern war und dort angestanden hat. Doch hier zeigte sich der Vorteil des dualen Studiums; denn die Kenntnisse aus der Praxis, die intensiven Vorlesungsinhalte und deren permanente Prüfung führten dazu, dass Absolventen der BA weitaus höhere Bestehensquoten hatten und haben – und das im speziellen Vergleich mit Absolventen von FHs und Unis. Da ich das Glück hatte, auch in anderen Studienrichtungen zu unterrichten, beispielsweise in der Wirtschaftsinformatik und im Bankwesen, kann ich Erfahrungen aus der Verzahnung mit der Industrie und dem Bankwesen einbringen. Speziell in der Wirtschaftsinformatik war das Zusammenspiel von Theorie und Praxis sichtbar, da viele nicht nur sofort in den Unternehmen übernommen wurden, sondern selbst Unternehmen gründeten. Genau dieser Gründergeist ist heute notwendiger als jemals zuvor. Viele meiner Absolventen sind heute in der Steuerberatung, der Wirtschaftsprüfung oder in Unternehmen tätig. Manche sind Bürgermeister, Politiker, Bühnenbildner oder Tanzlehrer. Mit einem Abschluss der BA kann man alles werden. Ab und zu schaue ich mir die News von German Tax Desk in London an – dort referiert ein ehemaliger Student in seiner Rolle als Senior Partner einer der größten Steuerkanzleien der Welt über die Irrungen und Wirrungen des deutschen Steuerrechts – oder ich treffe mich mit inzwischen erfolgreichen Unternehmern, welche für die gute Ausbildung immer noch dankbar sind. Wir begrüßen daher ausdrücklich, dass die BA nun auch formell als vollwertiges Mitglied in die sächsische Hochschulfamilie aufgenommen wird. (Beifall bei der AfD) Was zeichnet die BA oder bald Duale Hochschule besonders aus? Im Vergleich zu einem Studium an der Uni oder HTW wissen die allermeisten BA-Studenten worauf sie sich einlassen und warum sie genau dort studieren wollen. Sie entscheiden sich bewusst für ein Studium an der BA. Sie wollen ein kompaktes, strukturiertes Studium. Sie wollen eine enge Verzahnung von Praxis und Theorie. Die Anwesenheitspflicht wird nicht als Nachteil, sondern vielmehr als Vorteil für einen zügigen akademischen Abschluss gesehen. Für die sächsische Wirtschaft ist es ein absoluter Gewinn. Anders als an den meisten Hochschulen kommen über 70 % der Studenten aus Sachsen, und sie bleiben später auch in Sachsen. Dazu kommt eine Vermittlungsquote von 90 %. Die Absolventen der BA sind nicht nur akademisch gut qualifiziert, praxiserfahren und zügig fertig, sondern sie sind als Fach- und Führungskräfte sofort vermittelbar. Welche andere Hochschule kann diese Quote im Durchschnitt erfüllen? Durch ihre Standorte in Bautzen, Breitenbrunn, Glauchau, Plauen oder Riesa werden junge Menschen auch außerhalb der großen Städte zum Bleiben im Freistaat animiert. (Beifall bei der AfD) Ein Grund dafür, warum die BA so erfolgreich ist, ist die enge Verzahnung mit der sächsischen Wirtschaft und die Konzentration auf nachgefragte Studiengänge, und es gibt keine Fantasiestudiengänge im Gegensatz zu anderen Hochschulen. Eine immer stärkere Diversifizierung von Studienangeboten, ausgelöst durch die Bologna-Reform, birgt jedoch die Gefahr von Überspezialisierung, fehlender Vergleichbarkeit von Abschlüssen und Qualitätseinbußen. Das hat sogar die Staatsregierung erkannt. Ich erinnere da an die SWOT-Analyse im Rahmen der Fachkräftestrategie 2030. Allerdings finde ich es bedauerlich, dass der Übergang vom allseits anerkannten Diplom hin zum Bachelor im Rahmen des Bologna-Prozesses an der BA erfolgte. Unser Studiengang Steuer- und Prüfungswesen war einer der letzten, die das Diplom aufgegeben haben, was ich persönlich stark bedauere. Während des Bologna-Prozesses war man daran interessiert, mit 210 statt 180 Credits als Intensivstudiengang anerkannt zu werden. Das wäre durch die vielen Studieninhalte berechtigt gewesen. Dies wurde jedoch nicht anerkannt und akkreditiert. Trotz dessen, dass die BA bedarfsorientiert agiert, kann auch sie den aktuellen Bedarf an Absolventen nicht decken. Wir wissen alle, dass vor allem die Demografie in Sachsen zu niedrigeren Studentenzahlen beiträgt; dennoch steigt die BA im Vergleich zu allen anderen Hochschulen und steht besser da. Im Fall der BA wird die gesetzliche Aufwertung den Zustrom an Studenten für ein duales Studium in Sachsen hoffentlich erhöhen. Wenn diese im Anschluss auch in Sachsen bleiben, wäre das ein riesiger Erfolg. Apropos Zustrom: Besonders erfreut war ich immer über meine Studenten aus dem Ausland. Meine erste Frage an sie war immer: Warum studierst du ausgerechnet deutsches Steuerrecht? Es ändert sich permanent, gilt nur in Deutschland und viele Deutsche verzweifeln bereits daran. Die Antworten waren sehr unterschiedlich: vom Wunsch in Sachsen und Deutschland eine Anstellung zu bekommen bis hin zum Wunsch der Selbstständigkeit war alles dabei. In Erinnerung wird mir immer einer meiner ersten Studenten bleiben, der mit den Worten seiner Vorstellung in den Neunzigerjahren begann: Mein Name ist Dima. Ich komme aus der Ukraine. Das ist ein Land. Es war kurz nachdem sich die Ukraine von der Sowjetunion unabhängig gemacht hat. Inzwischen kann er auf eine erfolgreiche Karriere als Steuerberater mit eigener Kanzlei in Dresden zurückblicken. Oder wie Bolormaa aus der Mongolei mir die Frage beantwortete: In Ulan-Bator gibt es jedes Jahr nur eine Klasse, die als Controller/Wirtschaftsprüfer zugelassen und ausgebildet wird. Das sind die höchstbezahlten Jobs in der Mongolei, aber der deutsche Abschluss wird anerkannt. Deshalb studiere ich an der BA. Dima, Bolormaa und viele andere eint der Leistungswille, der Wille Theorie und Praxis zu verbinden und innerhalb einer kurzen Zeit einen anerkannten Abschluss zu erwerben. An der BA treffen Leistungswille, passendes Lehrangebot und die geeigneten Ausbildungsbetriebe aufeinander. Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Damit komme ich zu einem Punkt, der auch in der Anhörung diskutiert wurde und den die Linksfraktion mit ihrem Änderungsantrag thematisiert – die Vergütung. Die Gehälter in den einzelnen Studiengängen sind sehr unterschiedlich. Jedoch haben wir keinen Arbeitsgeber-, sondern inzwischen einen Arbeitnehmermarkt. Der Fachkräftemangel führt automatisch zu höheren Vergütungen, sonst bekommt man keine Studenten. Wir haben in den technischen Studienrichtungen teilweise Lehrvergütungen, die sonst nur Vollzeitarbeitern vorbehalten sind. Wir halten die staatliche Regulierung in der Wirtschaft für nicht zielführend. Auch wenn ich mich wiederhole: Angebot und Nachfrage regeln den Preis, in dem Fall die Vergütung. Damit komme ich zu einem letzten Punkt, der Anwesenheits- und Prüfungsverpflichtung an der Dualen Hochschule. Aus Sicht manch eines Unistudenten ist es wahrscheinlich eine Horrorvorstellung, regelmäßig zu Vorlesungen, Seminaren oder Praktika gehen zu müssen. Ein strukturiertes Studium mit Teilnahmepflicht an Lehrveranstaltungen oder Prüfungen erfordert Ehrgeiz und Disziplin. Es ist aus unserer Sicht absolut richtig, die Teilnahme an Lehrveranstaltungen und Prüfungen zu verpflichten. Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Mit dem Gesetz zur Weiterentwicklung der BA zur Dualen Hochschule Sachsen findet diese nun endlich die Anerkennung, die sie sich über Jahre längst verdient hat. Die Wirtschaft in Sachsen wird in den kommenden Jahren weit mehr zu stemmen haben, als wir heute wissen. Das duale Studium kann einen wichtigen Beitrag zum Erfolg der sächsischen Wirtschaft leisten. Sachsen braucht gut ausgebildete und leistungsbereite junge Menschen. Diese finden wir auch in Sachsen; wir müssen sie aber auch hier halten, ihnen Perspektiven bieten – gerade im ländlichen Raum. (Beifall bei der AfD) Zum Schluss möchte ich einigen Protagonisten der Vergangenheit danken: Herrn Prof. Kröppelin, der seit der Gründung der BA 1991 bis 2012 Direktor der Staatlichen Studienakademie Dresden war und zudem bis zu seinem Ruhestand den Vorsitz der Direktorenkonferenz der Berufsakademie innehatte. Durch sein Wirken wurde die BA auf das richtige Gleis gesetzt. Herr Prof. Hofmann, der als Prof. Kröppelins Stellvertreter stets streitbar war, aber immer zum Wohle der BA handelte, auch wenn er mir 1998 noch bescheinigte, dass das Internet, Web oder anderes modernes Zeug kein Mensch brauche, während Prof. Sachse und Prof. Zipfel dies damals schon erkannten und mit mir nach Nutzungsmöglichkeiten suchten. Ganz besonders möchte ich Frau Prof. Ulrike Fritschler für ihr außerordentliches Engagement für die BA und vor allem für das Wohl und die Karrieren ihrer Studenten danken. Ich möchte noch eine kleine Einlassung machen: Die Duale Hochschule Sachsen wäre noch viel früher möglich gewesen, hätten Politik und Konkurrenz das nicht verhindert. Wir waren bereits in den 2010er-Jahren soweit, den Antrag auf die Duale Hochschule zu stellen. Das wurde damals von der Politik verhindert. Ich weiß nicht mehr, wer damals in der Regierung war, es könnte die CDU gewesen sein. Abgesehen davon stimmen wir dem Gesetz gern zu. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Kollege Gahler sprach für die AfD-Fraktion. Nun spricht Kollegin Gorskih für die Fraktion DIE LINKE. Bitte schön.
