Dr. Matthias Rößler
Das war Herr Staatsminister Schuster. Er sprach für die Staatsregierung. Ich sehe keinen weiteren Redebedarf mehr in der ersten Aktuellen Debatte. Sie ist damit abgeschlossen. Ich rufe auf Debatte eine sichere Zukunft geben – und Orchester beenden BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN allen unsere Theater- und Orchesterlandschaft wert ist und wie wir uns ihre Zukunft vorstellen. Deshalb der Reihe nach. Der Hilferuf wurde von der Staatsregierung gehört. Das Haus von Staatsministerin Klepsch ist dabei, mit den Einrichtungen sowie den Landkreisen und Kommunen Lösungen für die nächste Zeit zu finden. Das begrüßen wir BÜNDNISGRÜNEN ausdrücklich. Wir sind bereit, kurzfristige Aufstockungen vonseiten des Landtags zu bestätigen. Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte aber heute vor allen Dingen mit Ihnen diskutieren, was danach kommt. Bisher mussten die Theater und Orchester bei jedem Haushalt wieder zittern. Jedes Mal treffen sie auf die vage Hoffnung in Kreisen der Politik, dass alles so weiterläuft, weil es bisher auch irgendwie immer lief. Das ist aber ein Irrtum. Wir brauchen hier mehr Realismus und Ehrlichkeit. Ich bin zurzeit in Gesprächen mit den Intendantinnen und Intendanten sowie den Personalvertretungen. Ich glaube, diese müssen sich langsam verschaukelt fühlen, wenn immer wieder dieselben Verantwortlichen die tolle, reiche und vielfältige Theaterlandschaft loben und gleichzeitig bei der finanziellen Absicherung den Kopf einziehen. Was nützen die ganzen Bekenntnisse, wenn die permanente Unsicherheit und Planungslosigkeit dazu führt, dass die Beschäftigten resignieren? Viele sind auf dem Absprung. Da geht der Schauspieler nach Thüringen, weil dort längerfristige Planungen möglich sind. Die Buchhalterin geht zum nächsten Unternehmen, weil es dort eine bessere Bezahlung gibt. Das ist ein schleichender Prozess. Angesichts dessen frage ich uns alle: Wollen wir dabei weiter zuschauen oder packen wir das an? Ich höre so oft: Sollen die doch wirtschaftlicher arbeiten. Ob dahinter Hilflosigkeit, Zynismus oder Unwissenheit steht, sei dahingestellt. Es ist aber keine gute Idee. Fusionen und Personalrückbau haben wir in den vergangenen Jahrzehnten erlebt. Wo soll denn noch in Größenordnungen gespart werden? Wir müssen darüber reden, dass eben Tanz dort, Chor hier, Musiktheater da passiert und ganze Sparten eingespart werden müssen. Ich warne aber davor, hier betriebswirtschaftlich zu denken; denn kultur- und gesellschaftspolitische Konsequenzen dürfen wir dabei nicht außer Acht lassen. Was sind uns als Gesellschaft die Theater in der Heimat wert? Darüber müssen wir reden. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir kommunale Theater brauchen, und zwar als erreichbare Orte kultureller Teilhabe, als gemeinsame Erfahrungsräume, als lokale Ankerpunkte, bei denen kultureller Austausch sowie Kooperationen mit anderen Kulturprojekten und -einrichtungen stattfinden. Deshalb appellieren wir BÜNDNISGRÜNEN an die Verantwortung nicht nur in der Kulturpolitik, sondern von allen im Freistaat. Wir müssen, wir sollten verlässliche Partner der Kulturschaffenden sein. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN, der SPD und der Staatsregierung) Unseren Standpunkt haben wir als BÜNDNISGRÜNEFraktion in einem Positionspapier im August ausführlich dargelegt. Ja, wir wollen Planungssicherheit für die Theater und Orchester über den Doppelhaushalt hinaus. Wir bekennen uns dazu, die bestehenden Standorte in ihrer starken Vielfalt und in ihrem Personalbestand zu erhalten. Wir wollen aber auch die Innovationsfähigkeit stärken, damit breite Publikumsschichten erreicht werden. Viele Theater gehen in neue Formate, gehen in den Stadtraum, wie das Theater Görlitz/Zittau, haben eigene Jugendtheatersparten, wie das Theater Plauen/Zwickau, oder Theaterjugendklubs. Darüber müssen wir diskutieren. Das wollen wir heute machen. Ich freue mich sehr auf die Diskussion. Herzlichen Dank. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN, der SPD und der Staatsregierung)
