Antonia Mertsching
Die Staatsregierung muss sich also ihrer wichtigen Rolle bewusst werden und alle sorbischen Interessenvertretungen respektieren und anhören. Auch inhaltlich haben wir als LINKE Kritik am SorbenBericht. Im AWK fand eine Anhörung zu dem Bericht statt. Die Sachverständigen hatten – – Hier läuft keine Uhr mehr. Ich rede weiter. – Die Sachverständigen hatten einige kluge Hinweise an die Staatsregierung gerichtet. Die Sachverständige Jadwiga Mahling, Pfarrerin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, hat vor allem drei Punkte stark gemacht, die ich hier wiedergeben möchte: Erstens, die Sprache. Im Bericht heißt es, dass die Immersionsmethode – bei der Erzieherinnen und Erzieher also konsequent sorbisch sprechen – die effektivste Methode der frühen Sprachentwicklung ist. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es wichtig, dass es ein Qualitätsmanagement für die Label „Witaj“ und „2plus“ gibt. Denn nur, wenn das pädagogische Fachpersonal mindestens das Sprachniveau B2 oder C1 nachweisen kann, kann die Einrichtung den Namen Witaj oder 2plus tragen. Um den Anreiz für den Erwerb und die Anwendung guter sorbischer Sprachkenntnisse zu erhöhen, sollte die entsprechende Zusatzqualifikation des Fachpersonals zudem höher entlohnt werden. Kleinere Gruppen, ein beständiges Coaching des Personals und die Begleitung der Elternschaft oder die Vernetzung und Verbindung der sorbischen Schulen wären weitere wichtige Ansätze. Zweitens, die Braunkohle. Der Strukturwandel in der Lausitz ist ein komplexer Prozess. Fakt ist, dass das sorbische Siedlungsgebiet durch die in Sachsen immer noch favorisierte Braunkohleverstromung weiter zerstört wird. Durch die Förderung der eigentlich längst unrentablen Braunkohle werden noch immer Dörfer im sorbischen Siedlungsgebiet zerstört. Die dadurch resultierende Entwurzelung der Menschen bedingt hohe psychische Belastungen und schränkt das Siedlungsgebiet der Sorbinnen und Sorben weiter ein, zerstört weiter ihre Kultur und die Gemeinschaft. Drittens, die Frauen. Insgesamt haben Frauen oft auch repräsentative Funktionen für das sorbische Volk, vor allem durch ihre Trachten. Gleichzeitig stellen diese Trachten ein bestimmtes Rollenbild dar. (Dr. Matthias Rößler, CDU: Was?) Andererseits gelten die Frauen auch als Garant für den Spracherhalt in der Familie. In sorbischen Institutionen sind Frauen teilweise auch in Führungspositionen tätig, aber auf der kommunalen Ebene im Siedlungsgebiet sind Frauen kaum in Entscheidungspositionen zu finden. Da ist also noch Luft nach oben. Wir fordern deshalb im nächsten Bericht einen gesonderten Absatz zum Bild der Frau und zur Diversität bei verschiedenen Lebensentwürfen im Sorbischen. Zudem müssen, wie bereits erwähnt, die kritischen Berichte neuer sorbischer Akteure angehört werden. Der Serbski Sejm wird im Bericht zwar erwähnt. Was allerdings nicht erwähnt wird, ist, dass es keinerlei Kontaktaufnahme seitens der Ministerin oder der restlichen Staatsregierung mit dem Sejm gab. Mehrere Bitten des Sejms um Gespräche wurden vom Ministerium abgelehnt. Die Zuarbeit des Sejms zum SorbenBericht wurde schroff zurückgewiesen. Das muss im nächsten Bericht anders werden. Zu guter Letzt zum Entschließungsantrag der Koalition: Wir werden dem Entschließungsantrag zustimmen. Allerdings geht er uns in vielen Punkten leider nicht weit genug. Wir fordern bei dem Bericht mehr Mitbestimmung auch der anderen sorbischen Akteure, außerdem eine bessere Transparenz bei der Erstellung des Berichts und wer daran wo mitgearbeitet hat sowie eine bessere Entlohnung der qualifizierten sorbischen Lehrer(innen) und Erzieher(innen). Wutrobny dźak. (Beifall bei den LINKEN) Dritte Vizepräsidentin Luise Neuhaus-Wartenberg: Vielen Dank an Toni Mertsching für die Fraktion DIE LINKE. Für die BÜNDNISGRÜNEN erteile ich nun das Wort an Frau Čagalj Sejdi. Kurz noch für Sie und alle, die im Nachgang noch sprechen, folgende Information: Uns ist gerade die Uhr an dem wunderbaren Automaten – links und rechts – ausgefallen. Machen Sie sich aber keine Sorgen, wir stoppen hier ganz genau die Zeit. Bitte schön, Frau Čagalj Sejdi.
