Dr. Rolf Weigand
Die reichen. Danke schön, Frau Präsidentin. Frau Neuhaus-Wartenberg, weil Sie mich persönlich angesprochen haben: (Luise Neuhaus-Wartenberg, DIE LINKE: Ja!) Wir alle haben in den letzten drei Jahren erlebt, dass die Schulen geschlossen waren. Wir mussten die Kinder zu Hause beschulen. Ich kann Ihnen sagen: Meine Kinder hatten mit mir als Lehrer zu Hause viel Spaß. Das hat tippitoppi geklappt, weil wir etwas Praxis in die ganze Sache hineingebracht haben. (Marco Böhme, DIE LINKE: In den drei Jahren zu Hause?) Ich kann mir vorstellen, dass viele Eltern das ganz toll machen. Niemand will hier die Schulpflicht komplett abschaffen und das System sich und den Eltern selbst überlassen. Ich habe gesagt: Wir haben die 70 % der Lehrer, die in Dresden oder Leipzig bleiben wollen. Auch wenn dort an einzelnen Schulen Lehrermangel herrscht, müssen wir trotzdem ehrlich auf die Karte schauen. Lehrermangel im ländlichen Raum ist ein riesengroßes Problem. Wir müssen Bildungsgerechtigkeit im gesamten Land herstellen. Da muss ich schauen. Wie ich es mit Polizeibeamten mache, so muss ich es auch mit Lehrern machen: Ich kann sie mit dem Mittel greifen – das sagt übrigens auch der Landesschülerrat – und schicke den einen oder anderen Lehrer – das heißt ja nicht sofort alle – in den ländlichen Raum. Ich kann es aber nicht verantworten, zu sagen, in Leipzig fallen nur 5 Stunden in der Woche aus, doch im Erzgebirge ist eine halbe Woche nichts los in der Schule. Das ist kein vernünftiger Umgang mit Lehre und Bildung in diesem Land. Das muss man anders auf die Füße stellen. Zweitens habe ich gesagt, wir müssen in der Fläche ausbilden; auch das ist eine Lösung. Und ich habe zum Schluss gesagt, ich würde es durchdenken – „durchdenken“ heißt nicht, es heute oder morgen umsetzen –, zu einer Bildungspflicht zu kommen. Das sagen mir übrigens auch viele Eltern aus vernünftigen Elternhäusern: In einer 28-Mann-starken Klasse, die wir in Sachsen leider haben und in den nächsten Jahren immer noch haben werden, geht mein Kind unter; ich bin selbst besser in der Lage, den Unterricht zu Hause durchzuführen. Wir sollten es ordentlich abprüfen. Das bedeutet nicht: Alle machen irgendwas zu Hause, und wir überlassen die Kinder den Eltern. – Nein, das heißt für mich: Wir durchdenken das einmal. Wir können dazu gern eine Anhörung im Landtag machen und das vernünftig miteinander im Fachausschuss diskutieren: Wie könnte so etwas aussehen, wenn Eltern im Einzelfall sagen, dass sie es sich gut vorstellen können, ihr Kind zu Hause zu unterrichten? (Zuruf des Abg. Rico Gebhardt, DIE LINKE) Dann muss das im System möglich sein. Jedenfalls bin ich dazu bereit, das zu durchdenken oder wenigstens einmal zu diskutieren. (Petra Čagalj Sejdi, BÜNDNISGRÜNE: Es gibt eine Schulpflicht in Deutschland!) Einmal im Monat oder im Quartal muss eine Lernstandserhebung über die Schule stattfinden, damit wir die Kinder nicht aus dem System verlieren und nach zehn Jahren sagen: Oh, die haben ja gar nichts beigebracht bekommen. – Das ist es, was ich zu durchdenken habe, ohne zu 100 % zu sagen: Alles Freilerner! Alle dürfen machen, was sie wollen! – Nein, das bedeutet es nicht. Es heißt aber gleichzeitig, dass Bildung auch zu Hause möglich sein soll. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD – Sabine Friedel, SPD, steht am Mikrofon.) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Eine Kurzintervention; Frau Abg. Friedel.
