Dr. Rolf Weigand
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Obwohl es im Titel eigentlich heißt „Schule als Ort des Spaßes“, ist die Debatte doch zum Thema Lehrermangel zurückgekehrt. Es wurden verschiedene Lösungen diskutiert. Bei der CDU, Herr Gasse – jedenfalls in der ersten Rederunde –, hat man das Gefühl: Etwa im Jahr 2026 kommt der Geburtenknick, auf den es hinauslaufen wird, in der Schule an; wir wursteln einfach etwas weiter, dann ist die Schule entlastet und wir bekommen das irgendwie hin. Ein bisschen weiterwursteln – wie die letzten 30 Jahre. Gerade standen Sie hier und haben gesagt – es wirkte jedenfalls so –: Uns hat die Alterspyramide überrascht. Ehrlich? Ich meine, seit dem Jahr 2000 ziehen die Geburten in Sachsen an. Das ist mittlerweile 23 Jahre her. Meine Kinder in der Grundschule können ausrechnen, wann dann Lehrer gebraucht werden bzw. wann man beginnen müsste, die Ausbildung hochzufahren. Wenn man 23 Jahre später immer noch über Lehrermangel nachdenkt, dann hat man die Sache irgendwie verpennt. Wenn Sie dann kommen und sagen, wir müssen digitale Lösung stärker nutzen, dann lade ich Sie einmal in den ländlichen Raum ein. Das Thema digitale Lösungen werden wir bei der Befragung des Staatsministers gleich noch einmal aufgreifen. Aber kommen Sie doch einmal raus in den ländlichen Raum. Wo haben wir denn überall Glasfaser an den Schulen anliegen, damit das funktioniert? Da sieht es nämlich ziemlich dünn aus. Auch da ist die Lösung, die sie anbieten, eine Halbwahrheit, die im ländlichen Raum – gerade dort, wo wir Lehrermangel haben – keine Lösung ist. LINKE, GRÜNE und SPD wollen alles etwas ausdünnen. Man hat ein wenig das Gefühl, Halligalli solle gemacht werden. Wir haben etwas andere Vorstellungen, wie wir den Lehrermangel jetzt und effektiv bekämpfen können: Erstens. Wir müssen die verbeamteten Lehrer in die Mangelregionen versetzen. (Beifall bei der AfD) 70 % wollen in Leipzig und Dresden bleiben. Raus aus den Städten, raus aufs Land, raus aus dem LaSuB, wo Hunderte von Lehrern sind! Das, was geht, raus aufs Land, aufs Dorf! Das fordert übrigens auch der Schülerrat. (Zuruf des Abg. Rico Gebhardt, DIE LINKE) Zweitens. Die Lehrer noch viel stärker – Sie haben es begonnen, wir haben es jahrelang gefordert – in der Fläche ausbilden! Wir brauchen die Pädagogischen Hochschulen. Es wurde gerade diskutiert, warum so wenig Lehrer hinten rauskommen. Sie haben jahrelang immer das Rohr größer gemacht, aber nicht angeschaut, wie verstopft es ist. Die Verstopfung besteht darin, dass viele Lehramtsstudenten zwischendrin abbrechen, weil sie sich für den falschen Beruf entschieden haben. Wir brauchen vorab, wie in Mecklenburg-Vorpommern, Eignungstests, damit die jungen Menschen vorher entscheiden können, ob es etwas für sie ist. Dann bekommen wir mehr durch das System. Drittens. Wir brauchen mehr Praxis im Unterricht – das fordern wir auch. Das Handwerk ächzt. (Sabine Friedel, SPD: Ich denke, wir haben Halligalli gesagt?) Wir hatten diese Woche die Diskussion. Wir brauchen mehr Praxis im Unterricht. Dafür haben wir uns starkgemacht, Frau Friedel. Wir haben im Fachausschuss bereits miteinander darüber diskutiert, (Sabine Friedel, SPD: Sie haben gerade gesagt, wir haben Halligalli gemacht!) dass die Wirtschaft gestärkt werden müsse. Mit mehr Praxis im Unterricht motivieren wir die Kinder und können die Lehrer zum Teil entlasten, weil sie sich nicht mit Fächern auseinandersetzen müssen, bei denen Fachexperten viel besser sind, (Zuruf des Abg. Markus Scholz, BÜNDNISGRÜNE) weil sie aus der Praxis kommen und weil wir die Kinder nicht mit Demokratie überhäufen müssen, sondern sie für das wirkliche Leben lernen. Das ist die Wirtschaft. Das ist das, was Sachsen zukünftig braucht. (Rico Gebhardt, DIE LINKE: Im Kindergarten?) Viertens. Wir müssen auch über eine ehrliche Bildungspflicht in diesem Land nachdenken. Unsere Kollegen in Brandburg haben damit bereits begonnen. Wir dürfen den Unterricht zu Hause nicht verteufeln, (Sabine Friedel, SPD, steht am Mikrofon.) wenn dort ordentlich unterrichtet wird. Auch darüber sollte man nachdenken, das sollte im Freistaat zumindest geprüft werden. Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Gestatten Sie eine Zwischenfrage?
