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Luise Neuhaus-Wartenberg

Die Linke 21.09.2023 Sitzungen 7/77

Vielen Dank, Frau Präsidentin. Herr Gasse, nur zwei, drei Worte. Ich sage es immer wieder: Wir werden uns diesbezüglich nicht einig. Das ist nicht das Problem. Aber ich kann Ihnen nur sagen – und das meine ich ganz wohlwollend –, dass es wichtig ist, irgendwann einmal hier vorn zu stehen und zu sagen: Bestimmte Sachen sind nicht gut – wirklich nicht gut – und wir haben in der Vergangenheit auch Fehler gemacht. Ich glaube, das wäre ein sehr wichtiger Moment für die Leute, die dort draußen und in den Schulen unterwegs sind. Wir können uns weiter gegenseitig erzählen, dass das in Sachsen ganz prima sei und wir bei den Studien gut abschneiden usw. usf. Das Empfinden und die tatsächliche Realität sind aber – zumindest an nicht wenigen Stellen; ich würde sagen, an vielen Stellen – anders. Das müssen wir zur Kenntnis nehmen. Damit bin ich bei dem, was Christin Melcher und Sabine Friedel gesagt haben. Zu „Bildungsland 2023“ habe ich mich in diesem Hohen Haus bereits geäußert und gesagt, dass ich gut finde, dass wir in diesen Prozess gehen. Ich möchte nicht nur bekräftigen, was Sabine Friedel gesagt hat, sondern würde vielleicht sogar noch eins obendrauf setzen: dass nicht nur gemeinsam auf Augenhöhe entschieden wird, sondern dass die klugen Vorschläge, die von dort kommen, dann tatsächlich umgesetzt werden. Das ist meiner Meinung nach der große Zweifel, der gerade in Sachsen besteht. Nach dem Motto: Dann haben wir einmal wieder sehr viel darüber gesprochen – mal sehen, was dabei herauskommt; denn das bräuchte dann ja ganz viel Umdenken. Egal, ob Bildungsland 2030 oder am Wochenende der Protesttag etc.: Es gibt eine Menge Leute, die in Sachsen unterwegs sind und – wie ich finde – sehr konkrete und für bestimmte Teile des Parlaments wahrscheinlich auch sehr visionäre Vorschläge haben. Das mag sein. Trotz alledem halte ich es für einen Fehler, das immer wieder abzuwatschen und zu sagen: Das gehe nicht, wir hätten gerade völlig andere Probleme, das bräuchten wir gar nicht, wir müssten zusehen, dass die Grundversorgung hergestellt wird. Ich würde immer sagen: Nein, weil es sein kann, dass bestimmte Vorschläge, die angeblich so visionär sind, vielleicht sogar eher dazu führen, dass wir die Grundversorgung gewährleisten können. Sabine Friedel hat recht, wenn sie sagt, das jahrgangsübergreifende Lernen sei zu begrüßen. Ich würde hinzufügen: Es wäre angemessen, wir würden auch darüber nachdenken, bestimmte Fächer zusammenzulegen. Das machen andere Bundesländer mittlerweile; und zwar in den Naturwissenschaften. Wir könnten also sagen: Nein, es gibt nicht nur Mathe, es gibt nicht nur Physik und es gibt nicht nur Chemie, sondern wir unterrichten Naturwissenschaften. Natürlich: Wir müssen sehen, dass wir die multiprofessionellen Teams tatsächlich erweitern. Es ist richtig, dass es diese Institution an den Schulen gibt. Bis dato reicht aber vermutlich das Personal dafür noch nicht. Ich fange jetzt wieder damit an: Ich glaube, dass die Gemeinschaftsschule eine ganz bestimmte Form der sozialen Ungleichheit beseitigen würde. Dabei bleibe ich und das werde ich hier auch immer wieder sagen. Wir haben nachher die Befragung des Staatsministers; in dieser wird es um eine bestimmte Form der Digitalisierung gehen. Auch da ist die Frage – zumindest sind das sehr viele Fragen, die bei mir ankommen –, wie die Lehr- und Lernmittelfreiheit auf das Digitale, auf digitale Endgeräte erweitert werden soll. Wie wollen wir das finanzieren? Und weiter: Wir können zwar weiter über die Digitalisierung reden, aber sind unsere Lehrkräfte dafür überhaupt ausgebildet? Findet das bei denen im Studium statt? Wir müssen darüber reden, warum – auch wenn wir die Ausbildungsplätze erweitert haben, und ich fand es richtig, dass sie in Sachsen erweitert wurden – die Abbrecherquote beim Lehramtsstudium trotzdem relativ hoch ist. Wir müssen genau hinsehen, warum es eine Menge Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger gibt, die an unseren Schulen ankommen, sich das ein halbes oder ein Jahr antun und dann einfach weggehen. Das hat auch etwas damit zu tun, dass dort keine Betreuung stattfindet. Da müssen wir ran; dafür fehlt uns nämlich das Personal. Da wäre die Frage, ob es möglich ist, an der einen oder anderen Stelle kreativer und flexibler zu sein. Eine Idee wäre meiner Meinung nach, zu fragen, ob sich Lehrkräfte, die die Schule sehr wohlwollend verlassen haben und im Ruhestand sind, vorstellen können, ein Mentoring-Programm für Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger zu betreuen und ihren Erfahrungsschatz weiterzugeben. Das wären Dinge, die wir gern ändern würden. Die Lehramtsausbildung, na klar: Nicht nach Schularten zu studieren, sondern nach Schulstufen, das wäre richtig. Und wir können nicht immer nur darüber reden und sagen, wir wollen, dass unsere Lehrkräfte irgendwie noch weiter ausgebildet werden, dass sie sich immer wieder qualifizieren können, sondern wir müssen klipp und klar sagen, dass das erstens tatsächlich eine Anforderung ist und zweitens wie das gehen soll und wie das dann aussieht. Zu den Lehrplänen habe ich bereits etwas gesagt. Demokratie ist ganz wesentlich. Wir haben ein Problem. Medienkompetenz ist ganz wesentlich. Sächsische Studien sagen, dass junge Leute über keine Medienkompetenz verfügen. Da müssen wir ran. Das ist – da brauchen wir uns nichts vorzumachen – meiner Meinung nach definitiv Aufgabe der Schule. Danke schön. (Beifall bei den LINKEN, den BÜNDNISGRÜNEN und der Abg. Sabine Friedel, SPD) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Für die CDUFraktion Herr Abg. Gasse.

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