landtag.sachsen.de ↗

Wolfram Günther

21.09.2023 Sitzungen 7/77

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Manchmal erschrickt man wirklich, wie man selbst so eine Debatte für unsere Gärtnerinnen und Gärtner und alle Gartenbauer, die wir im Land haben, die wirklich diese Debatte verdient haben, wieder so missbrauchen kann, für so einen Quatsch. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN und der SPD) Ich möchte mal ein Zitat von Loriot über den Mops leicht abwandeln: Ein Leben ohne Gärtnern ist möglich, aber sinnlos. Ich bin auch deswegen froh, dass wir heute mal im Landtag über Gärtnern und Gartenbau sprechen, weil es vielen gar nicht klar ist, dass Sachsen ein Gartenland ist und nicht irgendeins, sondern es ist auch Gartenland Nummer eins in Deutschland. Das kann ich gern auch gleich belegen. Das verdanken wir all den fleißigen und kundigen Menschen, die in diesem Bereich tätig ist. Wir haben eine ganz lange Historie. Das ist schon ein wenig in der Debatte angeklungen. Wir haben, seit wir hier Landwirtschaft betreiben, auch Gärten an den Häusern. Wir haben eine lange Tradition von höchst wertvollen Bauerngärten, Schlossgärten, später auch Bürgerparks, Schlossparks, Nutzgärten. Wir haben eine ganze reiche Tradition. Diese Gärten haben über all diese Zeit sehr viele Funktionen erfüllt. Natürlich haben sich die Menschen auch daraus ernährt, sie haben sich aber auch schon immer darin erholt. Wir sitzen auf einem riesigen Schatz an historischen Anlagen, die bis heute überdauert haben. Vor allem erfüllen diese Gärten – und ich komme gleich noch auf einige, etwa die Kleingärten und Parks – weit über das hinaus, was auf den ersten Blick erscheint, dass man dort Grün hat, Versorgung und Blumen, wichtige Funktionen. Vor allem sind das sehr wichtige soziale Funktionen. Man trifft sich, etwa in den Kleingärten. Ich möchte mir unsere Gesellschaft gar nicht ohne die Kleingärten ausdenken, wo Menschen aus allen Bereichen des Lebens aufeinandertreffen und dort in ihrer Freizeit entspannt miteinander sprechen. Ganz oft fehlen in unserer Gesellschaft diese Orte, wo man ganz unabhängig von parteipolitischen Gefühlen und anderen Dingen zusammentrifft und sich entspannt. Genauso ist es mit den Parkanlagen. Das ist ein unglaublich sozialer Ort, weil auch Menschen, die es sich nicht leisten können, einen großen Privatgarten zu haben, einen Zugang haben, sich in wunderbar gestalteten Räumen aufzuhalten. Auch das macht unser Land aus, dass Parks nicht eingezäunt sind, dass dort jeder rein kann. Diese Gärten und Parkanlagen haben auch eine unglaublich wichtige Funktion für Biodiversität, für den Wasserrückhalt in der Fläche, für Luftreinigung, für CO -Bindung. Man weiß gar nicht, wo man aufhören soll bei all diesen Dingen. Es handelt sich im eigentlichen Sinne des Wortes um eine grüne Infrastruktur in unserem Lande. Diese Infrastruktur ist ganz fundamental für die Lebensqualität, aber das ist eben keine Infrastruktur, die man einfach hinstellt, sondern das ist lebendig. Und weil es lebendig ist, kann es auch nur da sein, weil es durch Menschen mit hoher Fachkunde gepflegt wird. Davon haben wir sehr, sehr viele in diesem Land. Das kann man jetzt gar nicht alles aufzählen. Warum sind wir Gartenland Nummer eins? Wir sind ja nicht nur die Wiege des Kleingartenwesens. Der Leipziger Arzt Moritz Schreber hat 1865 im Johannapark in Leipzig – das ist auch schon eine Weile her – den ersten Schreberplatz entwickelt; es ging auch nicht nur um Grün, sondern es ging dabei auch um Bewegung, also um Soziales. Es ging auch um Gesundheitsfragen, die dort ganz wesentlich mit dranstehen: Erst eine Spielwiese, und daraus sind dann diese Gärten entstanden; Familienbeete wurden angelegt, also das, was man heutzutage hat, oder Gemeinschaftsgärten – Urban Gardening hat eine ganz alte Wurzel in Leipzig. Weil wir diese Wurzel haben, sind wir da ganz weit vorn. Deutschlandweit haben wir die meisten Kleingärtner(innen) und Kleingärten. Und jetzt – die Zahl wurde schon einmal genannt – haben wir hier 184 000 Kleingärtnerinnen und Kleingärtner. Und um nur mal die Bedeutung klarzumachen: Nummer 2 in Deutschland ist Sachsen-Anhalt, die haben erst 86 000. So weit ist dieser Sprung nach vorn. Das sind etwa 9 000 Hektar, die dort bewirtschaftet werden – zwei Drittel sind in Kommunalbesitz –, auch mit ganz vielen Aufgaben. Wir haben auch die höchste Kleingartendichte mit 5 Gärten je 100 Einwohner. Das nächste Flächenland ist mit 1,2 Gärten je 100 Einwohnern Schleswig-Holstein. Also, ich sage das, um noch mal aufzuzeigen, welche Bedeutung dort drinsteckt: unsere Menschen, die ganzen sozialen und Ernährungsfragen. Wir haben das alles schon angesprochen. Deshalb haben wir uns auch im Koalitionsvertrag darauf verständigt, dass wir diesen Schatz hier weiter erhalten und unterstützen wollen, auch dieses wichtige Kulturgut. Und das tun wir auch. Wir arbeiten dort eng zusammen. So haben wir etwa in unserem Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie die Sächsische Gartenakademie, die ganz eng mit dem Landesverband der Kleingärtner zusammenarbeitet. Da geht es um Fortbildung, Lehrgänge, Vorträge, Publikationen. (André Barth, AfD, steht am Mikrofon.) Wir haben eine Studie „Bedarfsgerechte nachhaltige Entwicklung von Kleingartenanlagen in Sachsen“. Wir fördern den Wettbewerb „Gärten in der Stadt“. Wir haben eine Broschüre des SMEKUL „Unser Kleingarten“ aufgelegt, mit der wir auch Werbung für neue Mitglieder unterstützen wollen, denn wir wissen: Die Entwicklungen sind sehr unterschiedlich. Während in den Großstädten die Leute warten müssen, um an eine Parzelle zu kommen, ist es einfach im ländlichen Raum der Leerstand, der das große Problem aufmacht. Und: Ich bin vor allen Dingen auch dankbar – Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Gestatten Sie eine Zwischenfrage?

Protokoll ↗