Thomas Prantl
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kollegen! Ich hatte in meinem ersten Redebeitrag geendet mit Ihrer unrühmlichen Blockadehaltung beim Thema Schulgarten und möchte in der fachlichen Würdigung des Gartenlands Sachsen noch einiges ergänzen. In Lehre und Forschung kann sich Sachsen sehen lassen: Entweder im Studium an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden, Standort Pillnitz, oder im Rahmen einer überbetrieblichen Ausbildung für Gärtner werden in Sachsen in einer guten, praxisorientierten Bildung die Gärtner für die Zukunft ausgebildet, oder in den Fachschulen für Agrartechnik und Gartenbau in Dresden-Pillnitz, wo Meister und Techniker in allen Sparten des Gartenbaus ausgebildet werden. Halten wir also das hohe fachliche Niveau, vermeiden wir eine Ideologisierung dieser Berufszweige und bieten wir unseren jungen Gärtnern eine gute berufliche Perspektive in ihrer sächsischen Heimat. Mit unserem renommierten Standort Pillnitz erlangte auch die Kunst des sächsischen Gartenbaus internationale Beachtung durch die Pillnitzer Obstsortenzüchtungen. Die Pillnitzer Apfelzüchtung seit Mitte der Siebzigerjahre brachte einige international geschätzte Apfelsorten hervor. Überzeugt haben die sogenannten Pi- und Re-Sorten durch ihre optimale Kombination von Fruchtqualität, Ertrag und Mehrfachresistenzen gegenüber biotischen Schaderregern und ihrer hohen Toleranz gegenüber abiotischen Stressfaktoren. Dank dieser akribischen Züchtungsarbeit steht im sächsischen Obstbau heute ein Sortiment zur Verfügung, das eine umweltverträgliche, regionale Produktion von Äpfeln in Sachsen ermöglicht. Grundstein und Fundament ist die Obstgenbank des Julius-Kühn-Instituts, wiederum am Standort Pillnitz, welche 800 Sorten von Äpfeln, Birnen, Süß- und Sauerkirschen sowie Erdbeeren sammelt und konserviert, für Züchtung und Landschaftspflege. Unsere sächsische Gartengeschichte wird vor allem in unseren historischen Parkanlagen sichtbar und erlebbar. Dass der Muskauer Park seit 2004 auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes steht, ist maßgeblich Fürst Hermann von Pückler-Muskau zu verdanken, der beiderseits der Neiße ein Meisterwerk des klassischen Landschaftsgartens erschaffen hat. Einzigartig ist wiederum das im Elbtal mit seinen Weinbergen liegende Schlossensemble Pillnitz, welches barocke und fernöstliche Architektur vereint und in englischen, holländischen und chinesischen Gärten exotische Pflanzen präsentiert. Der unbestrittene Besuchermagnet ist eine über 250 Jahre alte Kamelie, die in den Wintermonaten durch ein fahrbares Glashaus geschützt ist. Im Schatten der berühmten Kamelie wächst in einem blau-weiß gestrichenen Kübel dagegen die eigentliche Sensation: ein 300 Jahre alter Bitterorangenbaum, der im Jahr 1717 gepflanzt wurde und der letzte Überlebende aus einer 2 000 Stück umfassenden Sammlung von August des Starken ist – sensationell diese sächsischen Gartenschätze. (Beifall bei der AfD-Fraktion) Sachsens Schlösser und Parks spiegeln das Kommen und Gehen der Epochen Barock, Rokoko, Romantik wider und wurden in mühevoller Arbeit bewahrt. Hierzu unsere Wertschätzung und Anerkennung für die aufwändige Erhaltung und die großen Leistungen für die Entwicklungen unserer sächsischen Gartendenkmale. Herzlichen Dank an die Gärtner! Aber, werte BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, wenn Sie heute über die Verantwortung grüner Schätze in Zeiten des Wandels sprechen wollen, müssen auch Sie feststellen, dass nicht alle Gärten den Wandel der Zeit überlebt haben. Richtig? Im über viele Jahre rot-grün regierten Berlin wandelte sich der Görlitzer Park vom Bürgerpark und Naherholungsgebiet zu einem Brennpunkt von Drogenkriminalität und Verbrechen, (Franziska Schubert, BÜNDNISGRÜNE: Liegt denn Berlin in Sachsen?) keine Familien, die ihre wohlverdiente Entspannung im Grünen genießen, sondern patrollierende Polizisten. – Nein, Frau Schubert, Berlin liegt nicht in Sachsen. Das als Antwort. (Franziska Schubert, BÜNDNISGRÜNE: Ach!) Patrollierende Polizisten, Dealer und Kriminelle prägen heute das Bild eines ehemaligen Volksparks in Berlin. Vom deutschen Bürgerpark zur No-go-Area – das ist die Endstation grüner Schätze, wenn sie dem Ungeist einer grünen Regierung zum Opfer fallen. Werte Kollegen! Lassen Sie uns hieraus etwas lernen. Sachsens Parkanlagen gehören unseren Bürgern. Wir lassen derartige Fehlentwicklungen in Sachsen nicht zu. (Zuruf der Abg. Antonia Mertsching, DIE LINKE) Vielen Dank. (Beifall bei der AfD) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Wünscht die Linksfraktion noch einmal das Wort, Frau Mertsching? – Nein. Die SPD-Fraktion? – Gibt es überhaupt noch Redebedarf vonseiten der Fraktionen? – Die BÜNDNISGRÜNEN, bitte.
