Volkmar Zschocke
Frau Präsidentin1 Meine Damen und Herren! Heute geht es nicht um Forstwirtschaft; heute reden wir über Gärten. Ich will in der zweiten Runde vor allem die enormen Leistungen der Landschaftsgärtnerinnen und -gärtner für Klimaschutz und Klimaanpassung in den Mittelpunkt stellen. Ich glaube, der Begriff „Klimafetisch“ ist eine Beleidigung von deren Expertise auf diesem Feld. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN, den LINKEN, der SPD und des Staatsministers Wolfram Günther) Der überwiegende Teil der sächsischen Bevölkerung wohnt in urbanen Siedlungsgebieten. Allein ein Drittel lebt in den drei kreisfreien Städten. Nach drei Hitzesommern und einer schlimmen Pandemie ist uns allen sehr bewusst, dass Gärten, Parks und grüne Stadtlandschaften nicht nur schön, sondern existenziell für uns Menschen sind. Meine Vorredner sind darauf eingegangen: Wir haben seit Jahren in Sachsen vermehrt atmosphärische Bedingungen, die längere Hitze- und Trockenphasen begünstigen. Für die Natur, die Parks, die Gärten und das Stadtgrün ist das eine erhebliche Belastung. Das sieht man nicht nur im Großen Garten. Überall in den Grünanlagen gibt es abbrechende Äste, kahle Baumkronen und vertrocknete Wiesenflächen. Tausende Kleingärtnerinnen und Kleingärtner, aber vor allem die Gartenbaubetriebe haben Strategien für diese neuen Herausforderungen entwickelt. Darauf möchte ich etwas näher eingehen. Gerade im Sommer heizen sich die Städte zusätzlich auf. Dort kann es schnell bis zu 10 Grad wärmer werden als im Umland. In urbanen Räumen wirken diese Hitzeperioden besonders stark, weil aufgeheizte Straßen und Gebäude die Hitze bis in die Nacht hinein abgeben und deshalb die Quartiere kaum auskühlen können. Diese Dauerhitze – das haben wir hier schon diskutiert – kann zu gesundheitlichen Gefahren führen. Diese werden unmittelbar gemindert, wenn ein Park oder ein Garten das Wohnumfeld abkühlen. Selbst kleine innerstädtische Grüngürtel reduzieren die steigenden Temperaturen. Park- und Gartenanlagen, aber auch begrünte und renaturierte Bäche und Kanäle sorgen dann für Frischluft. Die Gärten und Grünanlagen sind ideale Regenspeicher. Regenwasser aus den umgebenden versiegelten Flächen kann gezielt dahingeleitet werden, damit es dort versickern kann. Das unterstützt – das ist wichtig in den Stadträumen – die dezentrale Wasserspeicherung und die Grundwasserneubildung. Die Gartenbaubetriebe beherrschen diese Techniken; sie legen Senken und Mulden an, die bei der Versickerung helfen. Dadurch wird das Kanalnetz unmittelbar und direkt entlastet. Zur Expertise der Landwirtschaftsgärtnerinnen und -gärtner gehört auch das Thema Dach- und Fassadenbegrünung. In unseren Siedlungsgebieten gibt es wirklich noch enormes ungenutztes Potenzial, um die Folgen des Klimawandels, aber auch der Versiegelung zu mildern. Der Beitrag zur Abkühlung und zum Überflutungsschutz ist da wirklich erheblich. Garten- und Landschaftsbaubetriebe beherrschen auch die intelligente Kombination von Solarenergienutzung und Dachbegrünung; das lässt sich integrieren. Außerdem stellen sie sich den Herausforderungen beim Erhalt der Artenvielfalt. In naturnah angelegten Gärten können sich Tiere und Pflanzen zurückziehen, die in der oftmals ausgeräumten Agrarlandschaft kaum noch Lebensraum finden. Gärten und Grünanlagen sind überlebensnotwendig für über 2 500 Tierarten geworden, darunter allein 650 Schmetterlings- und 100 Vogelarten. Ähnlich wie beim Waldumbau geht es im Gartenbau zunehmend um die Frage: Welche Pflanzen haben im Klimawandel eigentlich Bestand? Das müssen hitze- und trockenstabile Bäume und Sträucher sein, Bäume, die auch mit den besonderen Untergründen und Wachstumshemmnissen in einer Stadt klarkommen. Dazu möchte ich deutlich sagen: Nicht nur die Branche, sondern vor allem auch die Kommunen brauchen mehr Unterstützung vom Freistaat beim Erhalt des wertvollen Stadtgrüns, bei der Weiterentwicklung in Zeiten des Klimawandels, beim Gartenbau, bei regionalem Saat- und Pflanzgut bis hin zur Gewinnung und Ausbildung von Nachwuchskräften für grüne Berufe in diesem ganzen Feld. Auch der Bund stellt sich dieser Verantwortung mit dem Bundesprogramm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ oder dem Aktionsprogramm „Natürlicher Klimaschutz“. Doch all diese Programme sind begrenzt. Stichwort Landesgartenschauen: Aus unserer Sicht wäre eine stärkere Ausrichtung auf die Herausforderungen des Klimawandels und des Artenschutzes angezeigt, denn das investierte Geld soll einen dauerhaften ökologischen Mehrwert für die Ausrichterkommune schaffen und nicht nur Beton oder breite versiegelte Wege oder unnötige Bodenverdichtung hinterlassen. Meine Damen und Herren! Wir haben eine gemeinsame Verantwortung, das Gartenland Sachsen im besten Sinne klimafit zu machen, – Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Bitte auf die Zeit achten.
