Jan Hippold
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Jetzt haben Sie mich doch noch mal herausgefordert. Man kann es zum Teil nicht anhören. Ich beginne mal mit Ihnen, Herr Hütter: Verbrennerverbot. Also ich denke, ich habe mich in der Debatte – das können Sie gerne im Protokoll nachlesen – ganz klar geäußert. Das Verbrennerverbot war grundsätzlich falsch, (Vereinzelt Beifall bei der CDU) weil aus meiner Sicht der Bürger, der Kunde selber entscheiden sollte, was die richtige Technologie für ihn ist. (Jörg Urban, AfD: Aber die CDU trägt es doch mit! – Weitere Zurufe von der AfD) Darüber hinaus – gut, dass Sie Herrn Homann die Frage gestellt haben, ob er sich schon mal damit auseinandergesetzt hat und weiß, wie und aus was ein Elektro-Auto besteht; wahrscheinlich wussten Sie, dass ich eins fahre und haben mir deshalb nicht diese Frage gestellt –: (Zuruf des Abg. Sebastian Wippel, AfD) Wenn ich mir angehört habe, was Sie gerade zu dem Thema Reichweite und Tankzeit gesagt haben – oder es war, glaube ich, nur die Reichweite –, aber nehmen wir das Thema Ladezeit mit hinein. Wir alle wissen, dass es bei allen neuen Technologien Sprunginnovationen gibt. Ich bin mir, also ich würde mal sagen, zu 99 % sicher, dass wir spätestens in zwei Jahren Elektro-Autos haben, die 1 000 Kilometer weit kommen, und Elektro-Autos, die unter einer halben Stunde sozusagen von 20 oder 10 bis 80 % aufgeladen werden können. Und da hat mich das, was Sie gesagt haben, Herr Hütter – ich will Ihnen gar nicht unterstellen, dass Sie keine Ahnung davon haben, wie Sie das bei uns gemacht haben –, schon sehr stark an das Zitat von Herrn Brünler, was das Pferd und Auto betrifft, erinnert. (Vereinzelt Beifall von der SPD) Und ich will jetzt mal Folgendes versuchen – ich habe jetzt nur noch 3 Minuten und 40 Sekunden und versuche es mal mit nackten Zahlen, und zwar betriebswirtschaftlichen Zahlen –: Technologieoffenheit. Was ist denn Technologieoffenheit? Technologieoffenheit bedeutet, der Kunde kann entscheiden, welche Technologie er nutzt. (Zuruf von der AfD) Und im Regelfall entscheidet der deutsche Bürger wonach? Nach dem Portemonnaie! So! Und jetzt habe ich mal gerechnet: Was brauche ich pro 100 Kilometer, um ein Elektro-Auto zu fahren, für ein Wasserstoff-Auto, für ein Diesel-Auto und für ein E-Fuel-Fahrzeug? Es sind schöne Zahlen, die kann man einfach mal vorlesen: Da kommt man bei einem Elektro-Auto auf 4,50 Euro pro 100 Kilometer, bei einem Wasserstoff-Fahrzeug auf 9,50 Euro pro 100 Kilometer; der Diesel liegt auch bei ungefähr 9,50 Euro pro 100 Kilometer – ich sage aber gleich noch was Einschränkendes –, und das E-Fuel-Fahrzeug kostet derzeit 13,30 Euro pro 100 Kilometer. Ich denke, das ist schon mal eine gute Rangfolge, um zu sehen, wie der Bürger letztlich entscheidet. (Zuruf von der AfD) Beim Diesel muss man einschränkend dazusagen: Grundsätzlich kostet der Diesel ja deutlich weniger, als er eigentlich nach der Energiebilanz kosten müsste; denn im Diesel sind nämlich 10 Kilowattstunden pro Liter Energieinhalt enthalten, (Roberto Kuhnert, AfD, steht am Mikrofon.) das heißt, es sieht eigentlich grundsätzlich schon ein bisschen anders aus. (Jörg Urban, AfD: Haben Sie Steuern mit drin?) Jetzt sind wir beim Bürger gewesen – – (Roberto Kuhnert, AfD, steht am Mikrofon.) – Ich würde zunächst zu Ende ausführen, dann kann die nächste Frage gestellt werden. In den letzten Monaten sprachen wir ja immer ganz intensiv darüber, ob unser Strom ausreicht. Wenn ich aber jetzt die folgenden Zahlen vortrage, dann gibt es eigentlich fast gar keine Alternative dazu, Autos elektrisch zu betreiben. Denn in Deutschland sind im Jahr 2021 – neuere Zahlen sind derzeit nicht vorhanden – insgesamt 582 Milliarden Kilometer gefahren worden. Wenn ich jetzt diese 582 Milliarden Kilometer in Strombedarf umrechne, dann würde man, wenn man diese mit Elektroautos zurücklegt, auf 87 300 Gigawattstunden kommen. Bei Verwendung von Wasserstoff wäre man schon bei 350 000 Gigawattstunden – das ist das Vierfache! Beim Diesel 533 000 Gigawattstunden. Nun werden Sie sagen, dass das, was ich vorgerechnet habe, nur die Energiebilanz ist. Selbst wenn ich nur das berechne, was ein Dieselfahrzeug in der Herstellung an Strom verbraucht, wäre ich schon bei 56 100 Gigawattstunden. Zum Vergleich dazu: E-Mobilität 87 300 Gigawattstunden – da ist die Range schon gar nicht mehr so groß. Jetzt kommen wir zu dem von Ihnen propagierten Verbrennungsmotor mit E-Fuels. Dieser würde, wenn man ihn nur damit betreibt, einen elektrischen Energiebedarf von 1,1 Millionen Gigawattstunden erzeugen – das ist ein gigantischer Unterschied! Schon deswegen kann uns gar nicht daran gelegen sein, diesen zu propagieren. Es tut mir leid, wenn ich jetzt vielleicht die Vorlesung gehalten habe, die die BÜNDNISGRÜNEN hätten halten müssen. Wir hätten jedenfalls gar nicht den Strom dafür, das irgendwie anders zu betreiben. (Beifall bei der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN sowie vereinzelt bei der SPD)
