Thomas Prantl
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kollegen! Laut Welternährungsorganisation FAO wächst der Bedarf an Holzprimärerzeugnissen – Schnittholz, Sperrholz und Furniere – jedes Jahr um etwa 1,5 %. Sachsen hat Holzvorräte. Sachsen kann seinen Beitrag leisten. Das wäre ökonomisch und vor allem ökologisch sinnvoll, erst recht, wenn wir einmal über den Tellerrand unserer Landesgrenzen hinausschauen. Wenn wir kein Holz liefern, dann liefern es eben andere. Es ist hoffentlich den meisten von uns klar, dass es ökologisch kontraproduktiv ist, einen Festmeter im Naturraum einzuschlagen und dafür einen Festmeter im Erzgebirge verrotten zu lassen. Wer wirklich global denkt, der stellt schnell fest, dass es eben nicht nachhaltig ist, in einer gewachsenen Wildnis borealer Nadelwälder herumzuräubern, um hierzulande in unserer Kulturlandschaft etwas Totholz zu haben. Es ist doch ökologischer Irrsinn, was hier passiert, wenn die extrem langsam wachsenden Fichten, Kiefern und Lärchen im nördlichen Nadelholzgürtel gegen ihre schnell wachsenden Artgenossen aus mitteleuropäischen Forstbeständen der gemäßigten Breiten eingetauscht werden. (Zuruf der Abg. Sabine Friedel, SPD) Das hat mit Nachhaltigkeit und Umweltschutz nichts zu tun, liebe Frau Kollegin Friedel. (Beifall bei der AfD) Um hier also mit großem Aufwand in Jahrzehnten ein paar Hektar naturnahen Wald zu schaffen, wird die Vernichtung gewachsener Wildnis in anderen Teilen der Welt in Kauf genommen. Was wir da sehen, ist wieder ein grünes Paradoxon oder eine grüne Lebenslüge – kurzsichtig und unter dem Strich immer ökologisch kontraproduktiv. (Beifall bei der AfD – Zuruf des Abg. Rico Gebhardt, DIE LINKE) Wir lagern unsere ökologische Verantwortung ganz einfach in ferne Länder aus, Herr Gebhardt. Damit geben wir die Kontrolle über Ökostandards ab, wir geben die Kontrolle über Sozialstandards ab, wir geben die Kontrolle über Umweltstandards ab – Hauptsache, Herr Gebhardt hat sein schönes grünes Mäntelchen und kann sich hier als ÖkoGott feiern. (Zurufe der Abg. Rico Gebhardt, DIE LINKE, und Valentin Lippmann, BÜNDNISGRÜNE) Das, werte Kollegen, finde ich, diplomatisch gesagt, ein bisschen unehrlich. (Beifall bei der AfD) Damit Sachsen also vom Rohstofflieferanten wieder zu einem Standort der Holzwirtschaft wird, brauchen wir geschlossene und effiziente Wertschöpfungsketten – in diesem Punkt können wir den Rednern der CDU nur zustimmen – vom Waldbau bis zur Waldwirtschaft. Das schafft Arbeitsplätze im ländlichen Raum, das schützt die unberührten Ökosysteme in anderen Ländern. Werte Kenia-Koalitionäre, wenn Ihnen – wie Sie heute wortreich beschrieben haben – die nachhaltige Nutzung des Rohstoffs Holz am Herzen liegt, dann machen Sie bitte auch ein bisschen Tempo bei der Kalkung unserer Wälder. Über 30 Jahre nach der Wende ist ein Drittel der bedürftigen Wälder noch nicht ein einziges Mal behandelt worden. Lösen Sie alsbald diese unselige Kenia-Regierung auf; sonst dauert es noch weitere hundert Jahre, bis diese Flächen den wohlverdienten Kalk sehen. (Beifall bei der AfD) Wenn Sie, wie Sie es hier beschreiben, etwas für die Nachhaltigkeit und die nachhaltige Nutzung des Rohstoffs Holz übrighaben, dann stoppen Sie die Vernichtung sächsischer Forstproduktionsflächen für Wind- und Solarindustriezonen, wie Sie das dem Wähler versprochen haben. (Beifall bei der AfD) Noch einmal für Sie, Herr Staatsminister, zur Information: Es gibt ein Sächsisches Waldgesetz. In § 1 steht unter „Gesetzeszweck“ geschrieben – und das ist auch für Sie rechtlich bindend –: Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Bitte zum Ende kommen.
