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Antonia Mertsching

Die Linke 06.07.2023 Sitzungen 7/74

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Abgeordnete! Zunächst möchte ich direkt auf den Beitrag von Herrn Dierks – der das Argument nannte, Cannabis sei die Einstiegsdroge – eingehen. Dieses Argument ist nicht verwertbar, da es wissenschaftlich umstritten ist. (Roberto Kuhnert, AfD: Umstritten, aber nicht widerlegt!) In unseren Kulturkreisen erleben Jugendliche ihren ersten Rausch mit Alkohol oder sie haben einen leichten Zugang zu Nikotin. Das sind legalisierte Konsummittel. Von daher gilt auch in diesem Zusammenhang das Argument nicht. Hinzu kommt, dass der größte Anteil von Menschen, der Cannabis konsumiert, zwischen 18 und 24 Jahre alt ist. Für diese Menschen wäre es dann möglich, Cannabis in Läden oder in Social Clubs zu beziehen. Hier setzt der Gesundheitsschutz an. In der letzten Zeit ist das größte Problem bei Cannabis, dass der THC-Gehalt immer weiter zunimmt, weil es keine Kontrollen gibt. Dieser erhöhte THC-Gehalt führt zu den psychischen Auswirkungen, die wir gerade durch die Legalisierung besser angehen können. Es ist einfacher, über die Risiken aufzuklären, weil die Leute nicht mehr stigmatisiert werden. Es ist einfacher für Betroffene, Hilfe zu suchen, wenn sie nicht das Gefühl haben, sie müssten sich dafür schämen, etwas Illegales zu tun, sondern wenn sie Hilfe suchen können, weil sie ein Problem haben. Der Cannabiskonsum ist eine gesellschaftliche Realität in Deutschland. Es sind 4,5 Millionen Menschen, die Cannabis konsumieren. Das entspricht der Bevölkerungszahl von Sachsen. In Sachsen sind es 6,2 % der Bevölkerung, die Cannabis konsumieren. Kinder und Jugendliche müssen wir sowieso schützen. Es soll nicht darum gehen, dass Cannabis als Gummitierchen oder Kekse auf der Straße verkauft wird, sondern es geht darum, Erwachsenen einen einfachen Zugang zu geben, der nicht kriminalisiert, der zum Beispiel auch den Anbau im Garten ermöglicht, damit der Schwarzmarkt auf diese Art und Weise ausgetrocknet wird. Wir müssen weiterhin Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Cannabis erschweren, aber auch in der Peer-to-Peer-Aufklärung darüber sprechen, welche Gefahren mit dem Konsum einhergehen. Ob wir Cannabis romantisieren oder verharmlosen, hängt von unserem eigenen Umgang damit ab. Wenn ich mir anschaue, wie wir mit Alkohol umgehen, dann besteht diese Gefahr natürlich; denn bei Alkohol und bei Nikotin gibt es noch nicht einmal ein komplettes Werbe- oder SponsoringVerbot. Die Alkoholindustrie hat im letzten Jahr 600 Millionen Euro ausgegeben – und da ist das Sponsoring noch nicht einmal dabei. 60 % davon findet im digitalen Raum statt. Wenn wir auch so mit Cannabis umgehen, werden wir das Problem natürlich weiter verharmlosen. Um noch einmal auf das Thema Schwarzmarkt zu kommen: In Kanada wurde Cannabis 2018 legalisiert. Nach zwei Jahren überholte der legale Profit den illegalen. Von daher kann man also mit der Legalisierung – und vor allem auch mit dem Eigenanbau – den Schwarzmarkt zurückdrängen. Das zu dem Thema von mir. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall bei den LINKEN) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Für die CDUFraktion spricht Herr Abg. Wähner.

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