Alexander Dierks
Sehr geehrte Frau Kollegin! Wir haben insbesondere im Freistaat Sachsen in den vergangenen Wochen mit einer ganzen Reihe von Experten gesprochen – mit Medizinern aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie, mit der Sächsischen Landesärztekammer und mit den Akteuren aus der Landesvereinigung für Gesundheitsförderung. Mir ist niemand begegnet, der einen positiven Blick auf dieses Projekt hat. Ich kann mir vorstellen, dass die Bundesregierung sich Akteure zu Rate gezogen hat, die das positiv begleiten, aber aus meiner Sicht überwiegen die negativen Aspekte sehr deutlich. Wenn wir schon heute sehen, dass bei 22 % der jenigen, die aufgrund einer Cannabissucht in Therapie sind, das Durchschnittsalter des Erstkonsums zurückgeht und die Einstiegsschwelle insofern offensichtlich immer niedriger wird – der Konsum hat in den letzten zehn Jahren sowohl bei den 12- bis 17-Jährigen als auch bei den 18- bis 25-Jährigen deutlich zugenommen –, und wenn wir deutlich zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Folgen des Cannabiskonsums – Angst- und Panikgefühle, Erinnerungslücken, Depressionen, aber auch langfristige Probleme wie langfristige Konzentrationsschwäche, Arbeitsunfähigkeit und anderes – sowohl kurz- als auch langfristig valide nachgewiesene Folgen des Cannabiskonsums sind, dann ist es das völlig falsche Signal, jetzt über eine Freigabe zu sprechen und sich davon zu versprechen, dass es zu einer Entkriminalisierung kommt. Das Gegenteil wird am Ende des Tage der Fall sein. Es gibt nahezu keine guten Beispiele dafür, dass die Freigabe von Cannabis tatsächlich dazu geführt hat, den Schwarzmarkte trocken zu legen bzw. dass es zu einer Entkriminalisierung kommt. Wir werden erleben, dass die Konsumquote und als Folge die Überlastung der Kinderund Jugendpsychiatrien weiter zunehmen werden. Wir werden keine Befriedung dieses Themas in dem von Ihnen geschilderten Sinne haben, sondern wir werden zu den ohnehin schon vorhandenen Problemen neue, schwerwiegendere Probleme haben. (Beifall bei der CDU und der Staatsregierung) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Gestatten Sie eine Zwischenfrage?
