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Thomas Kirste

AfD 05.07.2023 Sitzungen 7/73

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Noch besitzt unser Freistaat Sachsen die zweitgrößte Sammlung von Benin-Bronzen in Deutschland. Die Betonung liegt allerdings auf „noch“. Drei wurden bereits an Nigeria übergeben, und wenn es nach dem Willen der Bundesregierung geht, ist der Rest auch nicht mehr lange da. Dagegen wollen und müssen wir uns stellen, und ich erkläre auch gleich warum. Liebe Abgeordnete, wir können jetzt viel darüber diskutieren, ob und in welchen Fällen solche Rückgaben moralisch geboten sind oder nicht. Eines steht zuallererst fest: Deutschlands Regierung und damit auch die sächsische Regierung hat sich von Nigeria plump über den Tisch ziehen lassen. Warum? Weil alle Bronzestatuen nur in das Privateigentum des Ex-Königs vom ehemaligen Königreich Benin gehen und nicht, wie vereinbart, in einem Museum ausgestellt werden. Sie alle sollen künftig Privateigentum werden. Das nigerianische Volk hat davon allerdings nichts. Stört dies aber die Bundesregierung? Zeigt sie oder die sächsische Regierung Verantwortung für den Erhalt der bedeutenden Kunstwerke? Sie werden die Reaktion kennen: Bundesaußenministerin Annalena Baerbock ignoriert das natürlich beflissen, und die Kulturministerin Roth grinst erhaben. Hauptsache, die grüne Pseudomoral stimmt. Die Übergabe erfolgte ganz mildtätig und natürlich völlig ohne irgendwelche Auflagen. Meine Damen und Herren, eine überwältigende ethnologische Sammlung dieser Qualität übergibt man doch nicht wie ein altes Sofa. Wir beantragen daher, dass die Übergabe der sächsischen Benin-Bronzen sofort gestoppt wird. Zumindest solange, bis sichergestellt werden kann, dass diese allen Nigerianern schlussendlich zugutekommen. Ich möchte Sie noch etwas fragen: Haben Sie eigentlich überlegt, dass Sie mit solchen fragwürdigen Herausgaben Berichte der Ausschüsse – 7/13743 bisher sichere Kulturgüter für immer zerstören könnten? Sicherlich nicht. Diesbezüglich habe ich nämlich noch ein schönes Beispiel: Im Jahr 2021 gab das Metropolitan Museum of Art in New York zwei dieser Bronzen an Nigeria. Das ist sehr schön. Was passierte? Kurze Zeit später waren sie auf dem Schwarzmarkt zu erwerben. Nun nutzte ein Kunstkenner die Chance und kaufte sie. In seiner Freude und im Wissen des kulturhistorischen Wertes gab er diese wieder an das Metropolitan Museum of Art als Schenkung zurück. Nein, die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Das New Yorker Museum gab sie natürlich wieder nach Nigeria. Können Sie ahnen, was passierte? Dort tauchten die beiden Stücke nicht einmal mehr in der Datenbank auf. Verbleib unbekannt, verschwunden, gestohlen, verloren für alle Nigerianer. Die rot-grünen Moralisten interessiert es natürlich nicht, ob die Kunstwerke ordentlich aufbewahrt, ordentlich registriert und präsentiert werden und vor allem vor Diebstahl geschützt sind. Ob unsere Museen einen akribischen und verantwortungsvollen Umgang mit dem fremden Kulturgut seit mehr als hundert Jahren pflegen, ist egal. Dass die Kulturgüter jedem Besucher öffentlich zugänglich sind, ist egal. (Frank Richter, SPD, steht am Mikrofon.) Dritte Vizepräsidentin Luise Neuhaus-Wartenberg: Herr Kirste, gestatten Sie eine Zwischenfrage?

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