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Christian Piwarz

05.07.2023 Sitzungen 7/73

Vielen Dank. Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Bestmögliche Lern- und Bildungschancen für alle ist unser zentrales bildungspolitisches Ziel. Jeder zählt, und deshalb ist es unsere Aufgabe, Kindern und Jugendlichen ein Bildungsangebot zu unterbreiten, das ihren Fähigkeiten und Neigungen entspricht, und zwar nicht nur in ergänzenden außerschulischen Angeboten, sondern im Schulalltag und im Unterricht zuallererst. Das gilt für jeden: für Schülerinnen und Schüler, denen das Lernen schwerfällt, sowie für besonders Begabte. Das Thema Begabtenförderung, das zeigt auch der vorliegende Antrag, ist komplex. Es ist schon alles andere als trivial, Begabungen überhaupt zu diagnostizieren. Bleiben diese nämlich dauerhaft unerkannt, kann die Unterforderung gravierende negative Auswirkungen auf die Entwicklung dieser Kinder haben. Je nach Persönlichkeit ziehen sich die Kinder dann zurück oder gehen zum Angriff über. So verlieren die einen jede Lern- und Leistungsmotivation und zeigen depressive oder psychosomatisch bedingte Symptome. Die anderen entwickeln sich bisweilen zum Klassenkasper oder Pausenrowdy. Neben der Diagnostik geht es ferner darum, betroffenen Schülerinnen und Schülern sowie Eltern und Lehrkräften hochwertige gezielte Beratungsangebote zur Verfügung zu stellen. Überdurchschnittliche intellektuelle Fähigkeiten zeigen sich oft schon im Kleinkindalter oder in der Grundschulzeit. Diese Kinder gilt es möglichst frühzeitig zu fördern und entsprechend zu fordern. Aus all diesen Gründen hat die Begabtenförderung im sächsischen Schulsystem von Beginn an einen hohen Stellenwert. Heute ist unser System beispielgebend, auch für andere Bundesländer. Das wird uns immer wieder von externen Partnern wie Vereinen, Stiftungen oder Wissenschaftlern bestätigt. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn wir über besondere Begabungen von Kindern im schulischen Kontext sprechen, dann in einem der vier Domänen: mathematisch-naturwissenschaftlich, musisch, sportlich oder sprachlich. Für genau diese Zielgruppen haben wir in Sachsen insgesamt 24 Gymnasien und vier Oberschulen mit vertiefter Ausbildung eingerichtet. An diesen Schulen gibt es spezifische Aufnahmeverfahren für auf jeweils besondere Bedürfnisse ausgerichteten Unterricht und Förderangebote. Darüber werden wir gern im Einzelnen berichten. Für mehrfach Hochbegabte, also Schülerinnen und Schüler, die in mehreren Domänen Begabungen aufweisen, bietet unser Sächsisches Landesgymnasium Sankt Afra zu Meißen mit angeschlossenem Internat hervorragende Bedingungen. Bildungs- und Erziehungsziel ist in Sankt Afra die Entwicklung von exzellenten Generalisten. Das besondere Konzept des Landesgymnasiums unterscheidet dafür im Wochenstundenplan Grundlagen- und Vertiefungswissen und bietet Platz für ein zunehmend individualisierendes Lernen und Lehren. Das aufwendige Auswahlverfahren umfasst hierbei eine umfangreiche psychologische und pädagogische Diagnostik. Aber nicht bei allen Kindern mit besonderen Begabungen entscheiden sich die Eltern für einen Besuch einer dieser besonderen Schulen, sondern für ein reguläres Gymnasium. Auch diese Schülerinnen und Schüler sollen bestmögliche Förderung erhalten. Deshalb haben wir je fünf Kompetenzzentren und fünf Konsultationsschulen in ganz Sachsen eingerichtet. Das sind Gymnasien, die intensiv Methoden für eine integrative Förderung Begabter im Regelunterricht entwickeln und umsetzen. Außerdem stehen sie in der Region zur Beratung anderer Schulen zur Verfügung. Seit dem Jahr 2019 unterstützen fünf Fachberaterinnen und Fachberater für Begabtenförderung die sächsischen Schulen. Es ist wichtig und richtig, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass der vorliegende Antrag auch den Bereich der frühkindlichen Bildung und Bildungsangebote im Primarbereich der Begabtenförderung in den Blick nimmt. Nun wäre es nicht sinnvoll, spezielle Kitas für begabte Kinder aufzubauen. Gleichwohl haben wir im Bewusstsein des Themas gemeinsam mit der Karg-Stiftung das Projekt Karg Campus Sachsen ins Leben gerufen. Ausgehend von zunächst fünf Standorten soll landesweit bis 2026 ein institutionsübergreifendes Netzwerk entstehen. Dabei wurden seit 2020 jeweils Tandems aus einer Kita und einer Grundschule gebildet, die gemeinsam Methoden und Maßnahmen einer begabtengerechten Frühförderung entwickeln. Dafür erhalten die Lehrkräfte und die Erzieherinnen und Erzieher in Intensivkursen und Netzwerktagungen eine professionelle Ausbildung mit Unterstützung der Stiftung sowie namhafter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. In der zweiten Projektphase kommt ab 2024 zu jedem Tandem jeweils ein Gymnasium hinzu. Mittelfristig bauen wir damit Strukturen auf, die nachhaltig flächendeckende Beratungsangebote für andere Einrichtungen in allen Regionen Sachsens sichern sollen. Das Gesamtsystem der Begabtenförderung in Sachsen komplettiert die Beratungsstelle zur Begabtenförderung am Standort Radebeul des Landesamtes für Schule und Bildung. Die Kolleginnen und Kollegen in der Beratungsstelle unterstützen beim Erkennen und Fördern besonderer Begabungen insbesondere durch psychologische und pädagogische Diagnostik, durch die Beratung zu Fragen der schulischen Entwicklung und durch konkrete Absprachen mit Lehrkräften zu Möglichkeiten individueller Förderung in der Schule. Inzwischen wurden an der Beratungsstelle vierstellige Fallzahlen bei der Beratung erreicht. Die meisten Fälle betreffen inzwischen Kitas und Grundschulen. Neben der Einzelfallberatung bietet die Beratungsstelle systematische Beratung für Schulen an und koordiniert für die sächsischen Teilnehmer Netzwerke wie Karg Campus Sachsen oder das Bund-Länder-Programm „Leistung macht Schule“. Sachsen verfügt damit als eines der ersten Bundesländer über eine wirklich durchgängige vollständige systematische Begabungs- und Begabtenförderung. Darüber hinaus nimmt Sachsen am gerade genannten Bund-Länder-Programm „Leistung macht Schule“ teil. Diese Förderinitiative wurde unter der KMK-Präsidentschaft Sachsens entwickelt. Der Bund und die Länder haben damit ein gemeinsames Programm aufgelegt, welches sich seit nunmehr fünf Jahren explizit leistungsstarken und begabten Schülern widmet. Das ist nicht selbstverständlich, wurde doch in einigen Ländern bis vor wenigen Jahren aus ideologischen Gründen Begabtenförderung eher als elitär abgetan. Dabei ist die Ausgangslage der am Projekt teilnehmenden Länder sehr heterogen. Gegenwärtig startet die zweite Projektphase, der Transfer der an einzelnen Standorten erprobten Konzepte, Strategien und Materialien. Sachsen hat dazu vier Netzwerke gebildet, die jeweils von einem Gymnasium, das zugleich Kompetenzzentrum ist, geleitet werden. In diesen vier Netzwerken werden jeweils bis zu zehn Schulen vertreten sein. Neben Gymnasien werden vor allem Grundschulen, aber auch Oberschulen daran teilnehmen. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Begabungs- und Begabtenförderung hat in Sachsen seit Jahrzehnten Tradition; sie ist gewissermaßen ein Markenzeichen. Gern werden wir diesem Hohen Haus im Detail zu allen Punkten berichten und weitere Maßnahmen auf den Weg bringen, um Begabtenförderung noch wirkungsvoller im Interesse der Schülerinnen und Schüler zu gestalten. Wir sind in Sachsen auf einem sehr guten Weg und wollen ihn konsequent fortsetzen. Ich empfehle Ihnen daher, diesem Antrag zuzustimmen. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN, der SPD und des Staatsministers Martin Dulig) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Ich rufe nun das Schlusswort auf. Frau Abg. Gockel.

Protokoll ↗