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Sabine Friedel

SPD 05.07.2023 Sitzungen 7/73

Vielen Dank, Frau Präsidentin. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich will die Gelegenheit nutzen, kurz zu illustrieren, warum es für uns als SPDFraktion so wichtig ist, von Begabungsförderung zu sprechen. Begabungsförderung zu sagen heißt, einen anderen Blick auf Kinder und Jugendliche zu nehmen, weil es falsch ist, Menschen in begabt und unbegabt einzuteilen oder Schülerinnen und Schüler in leistungsstark und leistungsschwach. Warum? Weil die Wirklichkeit anders ist, weil Menschen in Wirklichkeit anders sind. Menschen sind vielfältig, sie haben unterschiedliche Fähigkeiten und Talente, unterschiedliche Begabungen oder salopp gesagt: Keiner kann alles, aber irgendwas kann jeder. Es gibt Kinder, die haben ein total intuitives Verständnis von Zahlenräumen, die können rechnen, schon bevor sie überhaupt in die Schule gehen. Aber entlang einer geraden Linie schneiden – oje, schwierig. Dann gibt es andere Grundschüler, die sind wahre Leseratten. Sie verschlingen zwei, drei Bücher pro Woche, aber zu verstehen, warum zwei plus zwei dasselbe sein soll wie zweimal zwei, das dauert bei denen lange. Also: Nicht jeder ist in allen Fächern gleich gut, nicht jeder ist allen Bereichen gleich gut. Das ist im Übrigen auch der Grund, warum wir sagen, es macht keinen Sinn äußerlich zu differenzieren, wir brauchen Binnendifferenzierung in den Schulen. Aber mal weg von der Struktur. Der Punkt ist, dass Schule und Bildung nicht nur dafür da sind, jeden in den gängigen Kulturtechniken Lesen, Schreiben, Rechnen und auch Singen und Malen zu unterweisen. Sie sind auch nicht nur dazu da, Allgemeinwissen zu vermitteln. Das ist das Minimum. Die Schule muss es tatsächlich schaffen, bei jedem herauszuarbeiten, wo er über besonderen Talente, Fähigkeiten, eben über seine Begabung verfügt. Da sind wir noch nicht gut genug. Wo schlägt sich denn nieder, wenn ein junger Mensch über eine besonders gute Feinmotorik verfügt, besonders geschickt ist? In welchem Schulfach hat man so etwas? Das gibt es nicht. Aber vielleicht sind das junge Menschen, aus denen mal eine tolle Goldschmiedin wird oder ein super Zahntechniker. Der weiß das aber in der Schule meist noch nicht. Oder wenn ein junger Mensch besonders begabt ist im Moderieren von Gruppen, im Lösen von Konflikten, darin, verschiedene Interessen von unterschiedlichen Leuten in eine gemeinsame Problemlösung zu überführen. Das sind Begabungen, die in der Schule noch nicht entwickelt werden. Wenn ich mir anschaue, welche Empfehlungen die Expertenräte im Prozess Bildungsland 2030 vorgelegt haben, dann sehe ich gerade im Bereich Lernen viele Empfehlungen, die dazu beitragen werden, Begabungsförderung in Sachsen wirklich an allen Schulen zu etablieren. Schlagen Sie einmal besonders die Maßnahmen 4.5 oder 2.8, 2.10, 2.11 oder im Sechserbereich 6.6 oder 6.9 nach. Das sind alles wichtige Impulse, die wir an allen Schulen brauchen, um in eine flächendeckende Begabungsförderung in Sachsen zu kommen. Insofern verstehen wir den Antrag auch als kleinen Beitrag zum Prozess Bildungsland 2030. Das wird nicht der letzte sein. Wir bitten um Zustimmung. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD und der Staatsregierung) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Für die AfDFraktion Frau Jost, bitte.

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