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Ivo Teichmann

fraktionslos 01.06.2023 Sitzungen 7/72

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! In der Aktuellen Debatte sprechen wir heute zum Thema „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk – staatsferner Journalismus oder Hofberichterstattung?“ Es stellt sich grundsätzlich die Frage: Gibt es einen objektiven Journalismus? Zweifellos muss sich jeder Journalist um eine objektive, ausgewogene Berichterstattung bemühen. Ich sage bewusst das Wort bemühen; denn, wenn man genauer hinschaut, erkennt man, dass viele subjektive Faktoren auf die Berichterstattung einwirken. Die Journalisten sind durch ihre eigene Sozialisation, Erfahrungen, Bildung, politische Gesinnung, Herkunft, Geschlecht und andere Faktoren geprägt. Jeder blickt aus seiner individuellen Perspektive auf die Welt. Hinzu kommen die – ich nenne sie einmal – Rahmenbedingungen der Medienhäuser, wie zum Beispiel die wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit, wirtschaftlicher Erfolgsdruck, Klicks, Auflagenhöhe, Zuschauer- bzw. Zuhörerzahlen bis hin zu thematischen Ausrichtungen und dem Zeitdruck, die eine möglichst objektive Berichterstattung mehr oder weniger stark beeinflussen. Schon aus den genannten Gründen kann Journalismus nicht zu 100 % objektiv sein. Dennoch gehört es zur Pflicht und zum eigenen Berufsanspruch eines jeden Journalisten, sich tagtäglich um eine möglichst objektive, ausgewogene und faire Berichterstattung zu bemühen. Schon mit der Auswahl der Themen, Interviewpartner, Quellen, Worte und Bilder wird der Bericht maßgeblich beeinflusst. Umso wichtiger ist es, dass jeder Journalist handwerkliche Grundregeln und Qualitätsanforderungen erfüllt. Man muss zwischen Fakten und Meinungen unterscheiden, gründlich recherchieren, sorgfältig und umfassend berichten. Es gehört auch dazu, beide Seiten ausgewogen zu Wort kommen zu lassen. Nur so wird eine Berichterstattung nachvollziehbar und transparent. Darauf haben die Bürger einen Anspruch, erst recht und in besonderem Maße, wenn es um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und dessen Berichterstattung geht. Niemand will einseitig manipuliert oder schlecht informiert werden, so wie wir das beispielsweise teilweise in der aktuellen Ukraine-Kriegs-Propaganda erleben. Die aufgezeigten Qualitätsansprüche gelten übrigens nicht nur für alle Journalisten, sondern im besonderen Maße auch für uns Politiker auf allen Ebenen. (Sebastian Wippel, AfD: Eigentlich nicht!) Vielen Dank. Zweiter Vizepräsident André Wendt: Kollege Teichmann sprach als fraktionsloser Abgeordneter. Wir könnten jetzt in eine zweite Rederunde einsteigen. Ich übergebe das Wort wieder an die AfD, an Kollegen Gahler. Bitte schön.

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